Wissenseid, s. unter Eid. Wismann (Hermann), Afrikaforscher, geb. 1853 zu Frankfurt a. O., trat als Fähnrich in das mecklenb. Infanterieregiment Nr. 90 ein und wurde 1873 Sekondelieutenant. Im Auftrag der Afrikanischen Gesellschaft in Berlin brach er im Nov. 1880 mit Paul Pogge (s. d.) nach Afrika auf; die beiden Forscher landeten in Loanda und traten von hier im Febr. 1881 die Reise nach dem Innern an, mit der Absicht, in Mussumba, der Hauptstadt des mächtigen Muata Jamwo, eine Station der Afrikanischen Gesellschaft zu errichten. In Kimbundu 10 südl. Br., 20 östl. L.) gaben sie jedoch diesen lan auf und aobn am Tschikapaflusse abwärts bis zu dessen Mündung in den Kassai. Vom Kassai wandten sie sich ostwärts zu den zwei mächtigen Balubahäuptlingen Mukenge und Tschingenge und elangten nach Durchquerung der Flußgebiete des Lubilasch und Lukassi und Lomami im April 1882 nach Njangwe, dem wichtigen Handelsmittelpunkte am obern Congo. Während Pogge von hier nach der Westküste zurückkehrte, setzte W. die Reise nach der Ostküste des Kontinents fort, die er 15. Nov. desselben Jahres bei Saadani glücklich erreichte, als der erste Europäer, der außer Serpa Pinto den Erdteil in so niedriger Breite von West nach Ost durchkreuzte. Nachdem W. hierauf einen Monat in Sansibar verweilt, kehrte er über Suez und Kairo nach Europa zurück. Im J. 1883 übernahm er die Leitung einer neuen Expedition ins Congogebiet, die König Leopold II. von Belgien aussandte. Dieselbe bestand aus dem Militärarzt Ludwig Wolf, den Lieutenants von Frangois, F. Mueller, H. Mueller, Schiffszimmermann Bugslag und den Büchsenmachern Schneider und Meyer. Letzterer erlag bereits in Malange dem Klima. Im Juli 1884 brach die Expedition, nach Anwerbung der Begleiter Pogges, von Malange auf und traf im November im Gebiete des Mukenge am Luluastrom (6 südl. Br.) ein. W.s Aufgabe war, diesen Fluß bis zum Kassai zu verfolgen und dann, den letztern stromabwärts fahrend, den Congo zu gewinnen. Nach den Schilderungen Stanleys über den kolossalen Wasserreichtum des unter dem Äquator in den Congo mündenden Ruki vermutete man in diesem den Unterlauf des Kassai; es kreuzte deshalb vor der Rukimündung ein Dampfer, um W. nach seiner Kassaifahrt aufzunehmen. W. errichtete nach seiner Ankunft beim Mukenge am Ufer des Lulua die Station Luluaburg, als deren Leiter nach dem im Jan. 1885 erfolgten Tode F. Muellers Bugslag zurückblieb. Nachdem das mitgebrachte zerlegbare Stahlboot zusammengesetzt und eine Zahl großer Kähne erbaut, trat W. 28. Mai mit Wolf, Frangois, Mueller, Schneider und 198 Eingeborenen die Thalfahrt an, erreichte 9. Juli bei Kwamouth die Einmündung des Kassai in den Congo und 17. Juli Leopoldville am Stanley-Pool; diese Fahrt entschleierte den Lauf des Kassai, der 3“ südlicher in den Congo mündet, als man vorher vermutete, und bereicherte so unsere Kenntnis von Innerafrika in großartiger Weise. Zugleich 32 C6 sie, daß der Kassai eine ununterbrochene mächtige Schiffahrtsstraße bis ins Herz Afrikas bildet. W. war erkrankt, brach jedoch bereits im Frühjahr w1886 wieder Kaß Innerafrika auf, erforschte mit Wolf den Kassai noch weiter aufwärts und übernahm die Leitung der Stationen Luluaburg und Wolfshaven (am Zusammenfluß des Luebo und Lulua gegründet). Von Luluaburg aus beabsichtigte W. einen weitern Vorstoß nach Südosten zu machen und im Frühjahr 1887 wieder nach Europa zurückzukehren.