Soyaux (Hermann), Botaniker und Reisender, geb. zu Breslau 4. Jan. 1852, widmete sich der praktischen Gärtnerei, ging aber 1872 nach Berlin, um dort Botanik zu studieren. Von der Afrikanischen Gesellschaft, besonders von Bastian und Schweinfurth, für die Güßfeldtsche Loango-Expedition als Botaniker designiert, reiste S. Ende 1873 nach Westafrika, wo er sich in Chinchoxo (Loango) an Güßfeldt, Falkenstein und Pechuél-Lösche anschloß, mit welchen er verschiedene kleinere Forschungsreisen ins Innere ausführte. Im J. 1875 erhielt S. den Auftrag, nach Angola zu gehen, woselbst er mit Pogge zusammentraf. Die Auflösungsordre der Expedition rief auch S. Mitte 1876 nach Europa zurück. Seine Reise beschrieb er in «Aus Westafrika (2 Bde., Lpz. 1879). Im J. 1879 ging S. im Auftrage des hamburger Handelshauses C. Woermann nach Gabun in Westafrika, um dort im Urwalde am Maweli eine Kaffeeplantage zu begründen. Er erfüllte auch während eines Aufenthaltes von fünf Jahren in Westafrika seine Aufabe, entdeckte einige neue Pflanzenarten und ieferte auf seiner in Gabun errichteten meteorolog Station wichtige Beobachtungen. Nachdem er 1885 nach Deutschland zurückgekehrt war, arbeitete er einige Monate lang für den in Berlin begründeten Deutschen Kolonialverein. Im Auftrage desselben und der Kolonialgesellschaft Herman begab sich S. im Febr. 1886 nach Brasilien, um namentlich in der Provinz Rio Grande do Sul in Kolonialburg in Oberschlesien 20. Ang. 1840, besuchte die udwig S., Bruder des vorigen Malerakademie zu Berlin, wandte sich dann aberd Schriftstellerei zu. Zunächst als Theaterrecens beschäftigt, ward er 187t Mevactenn einer in Han nover erscheinenden Provinzialzeitung, wo er bis Redaction des «Salono und des enen Biattez, übernahm. Als Dichter ist h de Dotche Erzählung Renatev (Lpz. 1885) bekannt 9.— Sovons amis, GinnaI (frz.), Laß Freunde sein, Cinnalv, Citat aus C 7 „Sozialdemokratie heißt di Sozialismus, d. h. des eten will, was thatsächlich nur ene. sch 10 Als Vorboten der S —47 Verwörung des Babeuf (s. d.) unte 91. rektorium und die Bestrebungen Wanerre Mankreich bereitz eine Februarrepublik bestand in et wurde. Unter dem zweiten Kaiserrei waren Anserle einer Reihe von Jahren wenigstens alle äußerlich merkbaren Regungen der S. verschwunden; seit dem J. 1864 jedoch wurde sie im Hintergrunde der von der Regierung geduldeten und teilweise sogar begünstigten gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Arbeiterbewegung wieder mehr und mehr sichtbar. Es zeigten sich diese Tendenzen namentlich auch in dem franz. Zweige der 1864 in London gegründeten internationalen Arbeiterassociation, in welchem die ursprünglich vorherrschenden gemäßigten Elemente bis 1870 von den Radikalen mehr und mehr verdrängt wurden. In dem pariser Communeaufstand von 1871 spielte indes die Internationale als solche keine Rolle; der Charakter dieser Insurrektion war überhaupt kein einheitlicher, und wenn sie auch in der sozialdemokratischen Partei ihre Hauptstütze fand, so gehörten ihre namhaftesten Führer mehr der Richtung des radikalen Jakobinismus an. In den ersten Jahren nach der schweren Niederlage von 1871 blieb die französische S. in vorsichtiger Zurückhaltung. Die gewerkschaftliche Bewegung gewann anscheinend wieder die Oberhand, und auf dem 1876 in Paris veranstalteten ersten franz. Arbeiterkongreß zeigte sich im allgemeinen eine gemäßigte Stimmung. Auf dem zweiten Kongresse (in Lyon 1878 gehalten) machte sich schon ein größerer Einfluß der radikalen S. bemerklich, und im folgenden Jahre gelangte diese letztere in Marseille zum vollen Siege, der ihr seitdem nicht mehr bestritten worden ist. Auch auf dem polit. Gebiete hat die französische S., gestützt auf eine sich in voller Zügellosigkeit bewegende Presse, Fortschritte gemacht, die sehr leicht zu neuen Katastrophen führen könnten. Eine ihrer wichtigsten Errungenschaften war die 1879 durchgesetzte Amnestierung der verurteilten Communards, von denen viele seitdem wieder hervorragende Rollen als Führer der sozialdemokratischen Bewegung spielen. Es gelang ferner der Partei, mehrere der Ihrigen in den pariser Gemeinderat zu bringen, und bei den Wahlen von 1885 haben auch einige spezifische Daßtsuddie Batt Sitze in der Kammer erhalten, während die Partei sich früher politisch im Gefolge der bürgerlichen Radikalen hatte halten müssen. Es gibt übrigens auch in der französischen S. wieder verschiedene Gruppen (Possibilisten, Anarchisten etc.); doch kommen diese Unterscheidungen für die letzten Ziele der Gesamtbewegung wenig in Betracht. In Deutschland zeigten sich einzelne Anfänge kommunistisch-sozialdemokratischer Bestrebungen schon in den dreißiger Jahren, jedoch wurden dieselben bis 1848 mehr von im Auslande lebenden Deutschen, als auf dem politisch für solche Tendenzen sehr wenig geeigneten deutschen Boden selbst zum Ausdruck gebracht. Schon 1836 bildete sich in Paris ein deutscher Kommunistenbund, zu dessen Mitgliedern auch Weitling (s. Kommunis mus) gehörte, der dann 1840 die Agitation nach der Schweiz übertrug, wo sie einen nicht geringen Erfolg erzielte und 1843 ein energisches Einschreiten der züricher Regierung veranlaßte. Die Centralbehörde des Kommunistenbundes war mittlerweile von Paris nach London verlegt worden, wohin sich S Weitling nach seiner Ausweisung aus der ‚iene e zunächst zurückzog. Hier machte man um diese Zeit auch schon die ersten Versuche zu einer internationalen Vereinigung der Kommunisten aller Denkig⸗ und man suchte soweit wie möglich auch in eutschland geheime Zweigverbände zu stiften. Seit 1846 geriet der Kommunistenbund mehr und mehr unter die diktatorische Führung von Karl Marr (s. d.), der auch gemeinschaftlich mit Engels kurz vor den Ereignissen von 1848 das berühmte „Manifest der kommunistischen Parteis in die Welt hinausschleuderte. Nach der Märzrevolution brach sich die lange Zeit zurückgedrängte soziale Arbeiterbewegung in Deutschland alsbald energisch Bahn. Es bildeten sich zahlreiche Arbeitervereine, von denen eine große Zahl sich zu einer allgemeinen deutschen Arbeiterverbrüderung vereinigte, die bald einen ausgesprochenen sozialrevolutionären Charakter annahm. Die Führer des Kommunistenbundes hatten die Rheinprovinz zu ihrem Hauptarbeitsfeld emacht, wo die von Marr geleitete Meue Rheiniche Zeitunge die Grundsätze der radikalen S. rücksichtslos zu ihrem Programm machte. Nach dem Triumph der Realtion und der Niederschlagung des badischen Aufstandes wurde der deutsche Kommunistenbund 1850 in London reorganisiert. Marx behauptete seine Diktatur, nachdem eine dissentierende Gruppe sich von ihm losgesagt hatte. Praktisch war dieser Bund jedoch ohne alle Bedeutung, und der im Nov. 1852 entschiedene kölner Kommunistenprozeß gab ihm vollends den Todesstoß, wenn auch die internationalen revolutionären Umtriebe von London aus nie gänzlich aufhörten. Zu einem neuen Leben wurde die deutsche S. erst 1863 durch F. Lassalle (s. d.) wieder erweckt. Trotz der kurzen Dauer der Wirksamkeit dieses glänzenden Agitators schwoll die von ihm hervorgerufene Bewegung immer mächtiger an, begünstigt allerdings durch die allgemeine Zeitströmung, die auch in der 1864 in London erfolgten Gründung der Internationale (s. d.) zum Ausdruck kam. Soweit die letztere unter dem Einfluß von Marx stand, war sie von Anfang an kommunistisch, während die durch den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein vertretenen Lassalleaner mit ihren Forderungen weniger weit gingen. Die Marxsche Partei, als deren bedeutendste Führer Liebknecht und Bebel auftraten, stellte sich daher zu den Anhängern Lassalles in einen Gegensatz, der auf dem Kongreß zu Eisenach im Aug. 1869 . einer offenen Spaltung führte. Erst auf dem Kongreß zu Gotha (Mai 1875) gelangten die beiden Parteien zu einer Verständigung, indem man die Lassalleschen Produktivassociationen mit Staatshilfe als Übergangsbildungen gelten ließ, im wesentlichen aber die Prinzipien der kommunistischen S. annahm. Die geeinigte Partei gelangte nun in Deutschland bald zu einer Organisation und einer numerischen Stärke und infolge davon auch zu einer polit. Bedeutung, wie sie ihre Gesinnungsgenossen in andern Ländern nirgendwo auch nur annähernd aufzuweisen hatten. Im J. 1877 besaß sie 41 Preßorgane mit 150000 Abonnenten; unter ihrem Einfluß standen 26 größere gewerkschaftliche Verbände mit 50000 Mitgliedern an 1266 Orten, und bei den Reichstagswahlen fielen ihr nicht weniger als 493 288 Stimmen R wenn sie auch nur 12 Mandate erhielt. Die Reichsregierung hatte angesichts dieser Entwickelung einer die Grundlagen der bestehenden Gesellschaftsordnung offen bekämpfenden Partei schon 1874 und 1876 versucht, in das Reichspreßgesetz, beziehungsweise das Strafgesetzbuch Bestimmungen einzuführen, die zur Zurückdrängung dieser Tendenzen dienen könnten. Sie erhielt jedoch erst nach den Attentaten von 1878 (die allerdings nicht unmittelbar aus der S. hervorgegangen waren) Waffen zur Erreichung dieses Zwecks, und zwar in Gestalt des scharf und tief einschneidenden Ausnahmegesetzes «gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der S.vvom 21. Okt. 1878. Nach demselben sind alle Vereine, Versammlungen, Zeitungen und Druckschriften von sozialdemokratischer Tendenz, sowie das Sammeln von Beiträgen für sozialdemokratische Zwecke zu verbieten; Verletzungen solcher Verbote nachdrücklich zu bestrafen; Personen, welche sich die sozialdemokratische Agitation zum Geschäfte machen, können bei Zuwiderhandlungen gegen die erwähnten Verbote, abgesehen von der Freiheitsstrafe, auch aus bestimmten Landesteilen oder Orten ausgewiesen werden, Wirten, Druckern, Buchhändlern u. s. w. kann aus gleichem Grunde der Betrieb ihres Gewerbes untersagt werden. Endlich gewährt der §. 28 des Gesetzes die Möglichkeit, über Bezirke oder Orte, in denen durch s ozialdemokratische Bestrebungen die öffentliche Sicherheit bedroht erscheint, den sog. kleinen Belagerungszustand zu verhängen, der unter andern eine Beschränkung des Versammlungsrechts und die Ausweisung ansässiger Personen zuläßt. Die Geltung dieses Gesetzes reichte ursprünglich nur bis zum 31. März 1881, seitdem ist aber ihre Dauer wiederholt (zuletzt 1886 auf zwei Jahre) verlängert worden. Die S. ist durch diese strengen Maßregeln keineswegs vernichtet worden, immerhin aber ist die aufregende äußere Agitation verschwunden, welche den sozialen Unfrieden in immer weitere Kreise hineinzutragen drohte. Die äußere Organisation der Partei ist vollständig vernichtet, aber im geheimen suchte sie so gut wie möglich ihren Zusammenhang zu erhalten. Es zeigten sich jedoch bald ernstliche Meinungsverschiedenheiten, indem die frühern Reichstagsabgeordneten Most und Hasselmann mit ihrem Anhange das opportunistische Abwarten verwarfen und sich offen als anarchistische Revolutionäre bekannten, während die Bebel-Liebknechtsche Partei mehr vorsichtig mit den Verhältnissen rechnen und die bestehende Gesellschaft lieber langsam untergraben als gewaltsam umstürzen möchte. Als Organ der letztern Partei wurde 1879 der in Zürich erscheinende und in großer Zahl nach Deutschland eingeschmuggelte »Sozialdemokrato gegründet, während der Anarchismus durch die von Most zuerst in London und später in Neuyork herausgegebene Freiheitvertreten wird. Der Versuch, die beiden Parteien auf einem Kongreß in dem Schlosse Wyden in der Schweiz (Aug. 1880) zu versöhnen, scheiterte und machte vielmehr die Spaltung vollständig und definitiv, wenn auch der Hauptzweig, der ebel-Liebknechtsche, eine radikalere Tonart anzunehmen beschloß und die bis dahin festgehaltene Formel von der Anwendung agesetzlicher Mittels fallen ließ. Die Anarchisten haben seitdem nur durch einige ruchlose Schandthaten (wie die Ermordung des Polizeirats Rumpf in Frankfurt und das versuchte Attentat am Niederwald) von sich reden gemacht; die eigentliche deutsche S. dagegen hat ihre geheime Agitation mit solchem Erfolge fortgesetzt, daß sie bei den Reichstagswahlen von 1884 noch über den 187⁷ erreichten Punkt hinauskam und 549 990 Stimmen und 24 Mandate erhielt. Die nunmehr gebildete sozialdemokratische Fraktion konnte nicht umhin, sich in mehr positiver Weise an den Arbeiten des Reichstags zu beteiligen und namentlich ihre nächstliegenden Wünsche in dem Entwurfe eines Arbeiterschutzesetzes zu formulieren. Doch wurde diese Haltung amauben Parteikreisen als eine zu laue getadelt, was mancherlei Reibungen und die Desavouierung einzelner Abgeordneten hervorgerufen hat. S uch in Osterreich und Ungarn hat sich die S. im Zusammenhang mit der deuünmie et und ausgebreitet, jedoch wegen innerer Zwistigkeiten un ungünstiger äußerer Verhältnisse bei weitem nich eine ähnliche Bedeutung erlangt, wie in Deutschland. Anarchistische Mordthaten veranlaßten 1884 auch dort energische Ausnahmemaßregeln. Der russische Nihilismus (s. d.) behe zwar unmittelbar in den Anarchismus über, hat aber andere Wurzeln als die westeuropäische S. In England und den Vereinigten Staaten erscheinen S. und sozialdemokratischer Anarchismus bisher mehr als importierte Erzeugnisse; jedoch ist die eifrig betriebene Propaganda in diesen Ländern keineswegs unfruchtbar und in England namentlich tönnte sie durch Verbindung mit dem landeswüchsigen Agrarsozialismus vielleicht zu größern Erfolgen gelangen. In Nordamerika ist besonders die anarchistische Richtung stark vertreten. Im Mai 1886 kam es in mehrern Städten der Vereinigten Staaten, namentlich in Chicago, zu blutigen Zusammenstößen zwischen streikenden Arbeitern, welche unter der Führung von Most und andern Anarchisten standen, und der Polizei. Litteratur. Held, «Die Arbeiterpresse der Gegenwarte (Lpz. 1873); R. Meyer, Der Emancipationskampf des vierten Standes» (2 Bde., Berl. 1874 — 75; 2. Aufl. 1882); F. Mehring, „«Die deutsche S., ihre Geschichte und ihre Lehrer (2. Aufl., Bremen 1878); H. von Scheel, «Unsere sozialpolit. Parteienp (Lpz. 1878); Walcker, Die Ursachen und Heilmittel der sozialdemokratischen Umsturzbestrebungen (Berl. 1879); Zacher, „Die rote Internationales (Berl. 1884); G. Adler, Geschichte der ersten sozialpolit. Arbeiterbewegung in Deutschlando (Bresl. 1885). (S. Arbeiterbewegung.)