FeedDecken (Karl Klaus von der)
GeschichteBrockhaus 1882

Decken (Karl Klaus von der), bekannt durch iber Reisen im östl. Afrika, Sohn der Fürstin Adelheid von Pleß aus deren erster Ehe mit dem hannöv. Kammerherrn Ernst von der D., wurde 8. Aug. 1833 in Kotzen in Brandenburg geboren. Er be-1 suchte das Gymnasium zu Lüneburg, bis er 1850 fl in dem Kadettenkorps zu Hannover Aufnahme fand, trat 1853 in hannöv. Militärdienste, schied aber Ende März 1860 aus dem Dienste, um sich der Förderung der Erdkunde zu widmen, für die er sich lebhaft interessierte. Auf den Rat Heinrich Barths wählte er die noch fast unbekannten Aquatorialgegenden Ostafrikas zum Forschungsgebiete, schiffte sich 1. Mai 1860 wohlausgerüstet von Hamburg aus nach Zanzibar ein und begann 23. Okt. 1860 von Kiloa aus die Reise ins Innere, ward aber durch die Treulosigkeit des arab. Führers zur Umtehr genötigt und langte im Jan. 1861 wieder in Zanzibar an. Von besserm Erfolg begleitet war D.s zweite Expedition, die er mit dem engl. Geognosten Thornton vom Juni bis Nov. 1861 von Mombas aus nach der hohen Berggruppe des Kilimandscharo unternahm. Hier wurde der See Jipe aufgenommen und der diesen durchströmende Dafetafluß als der Oberlauf des Rufu oder Pangani erkannt. Von diesen Ergebnissen noch nicht befriedigt, rüstete D. zu einer neuen Expedition nach den Schneebergen, auf welcher ihn der inzwischen (5. Juli 1862) aus Deutschland eingetroffene Otto Kersten (aus Altenburg) begleitete. Die Reisenden brachen im Okt. 1862 von Mombas auf, gingen über Wanga ins Innere zum See Jipe, bestiegen die 1600 m hohen Ugonoberge und wandten sich dann nach den Aruschabergen, um von da aus ins Land der Masai Eahpden Dün Hieran jedoch verhindert, zogen sie nach den Dschaggabergen, besuchten die Königreiche Uru und Moschi, erstiegen von da aus 27. Nov. bis 1.Dez. den Kilimandscharo bis zur Höhe von 4600m und ergänzten an allen berührten Punkten die schon früher angestellten Beobachtungen. D. ging hierauf über die Bura⸗ und Endaraberge nach Mombas (26. m N und von da nach Zanzibar zurück (30. Dez.). Im Mai 1863 unternahm er eine Seereise nach mehrern Punkten der afrik. Ostküste und begab sich dann nach der Insel Reunion, um von da aus Madagaskar zu besuchen. Da jedoch die auf Madagaskar ausgebrochenen polit. Wirren die Bereisung der Insel nicht rätlich erscheinen ließen, entschloß sich D. zu einem Besuch in Europa, während Kersten nach Zanzibar zurückkehrte, und bereitete hier in der ersten Hälfte des J. 1864 eine große Expedition zur Erforschung der Flüsse Sabaki, Dana, Osi und Dschuba und deren Hinterländer vor. Im Okt. 1864 wandte er sich in Begleitung des österr. Linienschiffslieutenants von Schickh nach Zanzibar zurück, wo im Dezember auch die übrigen für die Reise engagierten Europäer ankamen, darunter der Arzt Link und Richard Brenner (s. d.). Gleichzeitig kamen zwei Dampfer an, die D. in Hamburg auf eigene Kosten hatte erbauen lassen und auf denen er im Frühjahr 1865 seine Forschungsreisen antrat. Schon im Februar untersuchte er mit dem kleinen Dampfer Passepartout die Flüsse Osi und Dana, 15. Juni aber fuhr er mit der ganzen Expedition auf dem großen Schiff Welf nach Norden ab, um zunächst die Flüsse Tula und Schamba kennen zu lernen. Da sich diese als unbrauchbar für seine Zwecke erwiesen, wandte er sich dem Dschuba zu, dessen Barre 29. Juli passiert wurde. Nach Vermessung der Flußmündung bis zur Insel Dschungoni (0 12 südl. Br.) begann 15. Aug. die eigentliche Fahrt stromaufwärts. Leicht gelangte der Dampfer bis zur Somalistadt Berdera (19. Sept. in 2, 20 nördl. Br.), 30 km weiter oben aber fuhr er in einer Stromschnelle fest und konnte nicht wieder flott gemacht werden. Am 1. Okt. wurde das am rechten Flußufer aufgeschlagene Lager, als gerade D. mit Link der Proviantierung wegen in Berdera weilte, von einer Schar Somali überfallen, wobei Maschinenmeister Kanter und Maler Trenn umkamen. D. selbst wurde 2.Okt. 1865 in Berdera ermordet, und Link, welcher noch einmal, aber zu spät, zur Stromschnelle zurückgekehrt war, zwei Tage danach bei seiner Rückkunft nach Berdera. Die überlebenden Expeditionsmitglieder waren auf Booten entkommen und erreichten 6.Okt. die Flußmündung, 24. Okt. Zanzibar. Die weitern Bemühungen von Schickhs und seiner Gefährten dienten nur dazu, D.s Schicksal näher festzustellen; die Trümmer der Expedition kehrten deshalb noch im Dez. 1865 nach Europa zurück. Nicht mehr Erfolg hatten die 1866 von der Mutter und dem Bruder D.s ausgesandten Th. Kinzelbach (gest. im Dez. 1867 in Geredi) und R. Brenner. Die reichhaltigen Sammlungen und wissenschaftlichen Beobachtungen Di.s und seiner Begleiter wurden im Auftrag der Familie des Reisenden von Kersten im Verein mit den ersten Fachgelehrten unter dem Titel «Karl Klaus von der Dis Reisen in Ostafrika 1859—655 (4Bde., Lpz.1869 —79) herausgegeben. Die Sammlungen der Expedition wurden den Museen der berliner Universität geschenkt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 936Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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