Winkel ist die Neigung zweier Linien gegeneinander, welche nicht parallel (s. d.) sind. Um den W. zweier Linien (Richtungen) zu bestimmen, muß man die gegebenen Geraden bis zu dem Punkte verfolgen, wo sie sich schneiden. Dieser Punkt heißt dann der Scheitel; die beiden Linien heißen die Schenkel des W. Liegen beide Schenkel in einer geraden Linie, aber auf verschiedenen Seiten des Scheitels, so heißt der W. ein gerader oder gestreckter. Die Hälfte eines gestreckten W. heißt ein rechter W; ein W. der kleiner als ein rechter ist, heißt ein spitzer, ein W., der größer ist, ein stumpfer W.; jeder W., der kleiner als ein gestreckter ist, heißt ein konkaver oder hohler, jeder W., der größer ist, ein konvexer oder erhabener. Jeder W. wird von einem Bogen gemessen, der von seinem Scheitel aus mit einem beliebigen Halbmesser zwischen seinen Schenkeln beschrieben wird. Daher wird die Größe der W. wie die der Bogen durch Grade ausgedrückt. Der gestreckte W. hat 180, der rechte 90. Der W. zweier in einem Punkte zusammenstoßenden krummen Linien ist einerlei mit dem W. ihrer durch den gemeinschaftlichen Punkt gezogenen Tangenten. Auch der W. einer Ebene mit einer geraden Linie, sowie der W. zweier zusammenstoßenden Ebenen läßt sich auf einen geradlinigen W. zurückführen. Nicht so der körperliche W., welcher entsteht, wenn mehrere Ebenen in einem Punkte zusammenstoßen. Als Maß desselben dient das zwischen jenen Ebenen enthaltene Stück einer Kugelfläche, welche aus der Spitze des W. mit irgendeinem Halbmesser beschrieben worden ist. In der Kriegsbaukunst heißen eingehende Winkel solche, deren Schenkel gegen das Feld, und ausgehende Winkel solhe, deren Schenkel gegen die Festung sich öffnen.