Witte (Karl), deutscher Rechtslehrer und ausgezeichneter Kenner der ital. Litteratur, geb. 1. Juli 1800 zu Lochau bei Halle, wo sein Vater (gest. —. Aug. 1845) damals Pfarrer war. Die Fortschritte, die der junge W. in seiner Kindheit namentlich in Sprachen machte, erregten in jener Zeit Aufsehen, was den Vater späterhin veranlaßte, die „Erziehungs⸗ und Bildungsgeschichtes des Sohnes (2 Bde., Lpz. 1819) herauszugeben. Im Jan. 1810 bestand der Knabe auf der Thomasschule zu Leipzig das Abiturientenexamen, worauf er als Student der dortigen Universität immatrikuliert ward. Auf Anordnung des Königs Hieronymus von Westfalen, zu dessen Königreich auch Halle gehörte, bezog indes der Knabe unter Führung seines Vaters die Universität Göttingen, wo er vier Jahre lang histor., linguistischen, mathem. und philos. Studien oblag. Im Jan. 1813 erschien seine lat. Abhandlung über die Konchoide des Nikomedes, eine Kurve des vierten Grades, auf Grund deren er sich 10. April 1814 u Gießen die philos. Doktorwürde erwarb. W. studierte 1814—16 in Heidelberg Jurisprudenz und bewarb sich im Winter 1816/17 an der Universität Berlin um das Recht, Vorlesungen halten, fand aber dabei wegen seiner Jugend lebhaften Widerspruch von Professoren und Studenten. Er ging daher mit Unterstützung des Königs von Preußen einige mchre auf Reisen. W. widmete sich während seines mehr als zweijährigen Aufenthalts in Italien zum Teil den jurist. Forschungen in den Bibliotheken, vorzugsweise aber dem Studium der Kunstgeschichte und ital. Litteratur. Nach seiner Heimkehr las er seit 1821 in Breslau Rechtswissenschaft, wurde 1829 ord. Professor und 1834 als solcher nach Halle versetzt. Seine jurist. Schriften betrafen früher vorzugsweise die Quellen des röm. Rechts, dann wandte er sich mit Vorliebe dem byzant. Rechte zu, von dem er mehrere Stücke zuerst herausgab. Später schrieb er mehreres über preuß. Recht, z. B. „Das preuß. Intestaterbrecht, aus dem gemeinen deutschen Rechte entwickelt» (Lpz. 1838). Seine Mußestunden wandte er fortwährend dem Studium der ital. Litteratur, vor allem Dantes zu. Außer einer Übersetzung des Decamerones von Boccaccio (3. Aufl., 3 Bde., Lpz. 1859) gab er mit Kannegießer eine übersetzung und Erklärung von Dantes „Lyrischen Gedichten» (2. Aufl., 2 Bde., Epz. 1842—43) heraus. Im J. 1862 folgte eine kritische Ausgabe des Originaltextes der Divina Commediav, eine Frucht langjähriger Forschungen, und eine metrische übersetzung mit Kommentar (3. Aufl., 2 Bde., Berl. 1876). Von Dantes kleinern Schriften gab er die cMonarchiav (Wien 187⁴) und die Vita Nuovay (Lpz. 1876) heraus; später erschienen von ihm noch Dante-Forschungen» (Bd. 7 Halle 1869; Bd. 2, Heilbr. 1879). Auch die Anregung zu der im Sept. 1865 unter dem Protektorat des Königs Johann von Sachsen gegründeten Deutschen Dante-Gesellschaft ging von ihm aus. W. starb 6. März 1883 in Halle.