Wöllner (Joh. Christoph von), ein namentlich durch sein intolerantes Religionsedikt bekannter preuß. Minister unter der Regierung Friedrich Wilhelms II., der Sohn eines Predigers, geb. 19. Mai 1732 zu Döberitz bei Spandau, studierte zu Halle Theologie und wurde dann Hofmeister bei dem Generalmajor von Itzenplitz auf Groß— Behnitz in der Mark, der ihn auch im Nov. 1754 zum Pfarrer von Groß⸗ und Klein-Behnitz berief. Nach sechsjähriger Thätigkeit legte jedoch W. aus Gesundheitsrücksichten sein geistliches Amt nieder. Im J. 1762 pachtete er mit seinem frühern Zöglinge, Friedr. von Itzenplitz, die Rittergüter Behnitz und erwarb sich bald als Landwirt und ökonomischer Schriftsteller einen geachteten Namen. Seine Schrift Die Aufhebung der Gemeinheiten in Brandenburgo (Berl. 1766) fand bei dem König die vollste Anerkennung. Nachdem sich W. 1768 mit der Schwester Friedrichs von Itzenplitz vermählt hatte, lebte er in den J. 1770—86 als Kammerrat bei der Domänenkammer des Prinzen Heinrich teils in Berlin, teils in Rheinsberg. W. wurde 1782 durch geheime Ordensverbindungen mit dem Prinzen von Preußen bekannt, dem er 1784—86 Vorträge über die Regierungskunst hielt. Als letzterer 1786 den Thron bestieg, wurde W. in den Adelsstand erhoben, zum Geh. Oberfinanzrat und * des Hofbauamts und 3. Juli 1788 zum Geh. Staatsminister ernannt. Bei dem großen Einflusse, den er auf die Person des Königs ausühte, wußte er sich namentlich der Leitung der geistlichen Angelegenheiten zu bemächtigen. Als Minister suchte er, den bisher im preuß. Staate befolgten Grundsätzen entgegen, der religiösen Aufklärung durch Zwangsmaßregeln Einhalt zu thun und für dieses Verfahren selbst den Monarchen zu gewinnen. Die Folge davon war, daß endlich das Religionsedikt vom 9. Juli 1788 erschien, welches die Geistlichen, die von den Symbolischen Büchern ihrer Kirche abwichen, mit Amtsentsetzung und noch mit härtern Strafen bedrohte. Um die Wirkung des Edikts zu sichern, folgte am 19. Dez. desselben Jahres das Censuredikt und 14. Mai 1791 die Nach dem Tode Friedrich Wilhelms II. erhielt W. seine Entlassung, 11. März 1798, und lebte nun auf seinem Gute Großrietz bei Beeskow in Branden1* wo er 10. Sept. 1800 starb. Zollruhrkraut, s. unter Gnaphalium.