Wursspieß, ein s. Balliste und Kata-Wurfspieß, eine uralte, mit scharfer Spitze versehene Waffe, die noch heutigentags bei wilden Völkern im Gebrauch ist. Da dieselbe für den Wurf bestimmt ist, ist sie meist kleiner und leichter als der für den Nahkampf zum Stoßen geführte Speer oder Spieß (s. d.). gelwerk, Würgelzeug, soviel wie Rotafrotteur. Würgelpumpe, eine rotierende Pumpe, s. u. Pumpen. Würger (Laniidae), eine zur Ordnung der Singvögel und zur Gruppe der Zahnschnäbler gehörige, gegen 150 Arten zählende, die ganze Erde mit Ausnahme von Südamerika, Westindien und Neuseeland bewohnende, am stärksten in Afrika entwickelte Familie kleiner Vögel, die sich von Insekten, die größern von Mäusen und kleinen Vögeln nähren und an Wildheit und Grausamkeit andere Raubvögel übertreffen. Der Oberschnabel ist an der Spitze hakig übergebogen und mit einem scharfen seitlichen Zahne versehen, die Schnabelwurzel mit Bartborsten besetzt, die Krallen sind scharf und gekrümmt. Der bekannteste unter den hierher gehörigen Vögeln Deutschlands ist der große Würger (Lanius excubitor, Tafel: Singvögel I, Fig. 18), auch Neuntöter. Er mißt in der Länge 26 em, hat hellgraues Gefieder, schwarze Flügel und Schwanz und zeichnet sich, wie seine drei kleinern in Deutschland heimischen Artgenossen, durch die Gewohnheit aus, getötete Insekten u. dgl., bevor er sie verzehrt, auf Dornen oder scharfe Aste zu spießen, oder zwischen Gabeläste oder Steine einzuklemmen. Würgerschnäpper (Dicruridae) ist der Name einer aus mehrern Gattungen und gegen 60 Arten bestehenden, das tropische Afrika, Madagaskar, Indien bis zu Neuguinea, Australien und Neu-Irland bewohnenden Vogelfamilie von der Größe der Stare und Dohlen und meist schwarzem, blau und grün schimmerndem Gefieder, oft mit einzelnen verlängerten und fahnenartig verbreiterten Steuerfedern. Sie zeigen Verwandtschaft mit Würgern und Fliegenschnäppern und sind Insektenfresser wie diese. Wurm (des Hirnzelts), s. unter Gehirn, Bd. VII, S. 662. szün dung. Wurm oder Fingerwurm, s. Fingerent-Wurm oder Wurmkrankheit des Pferdes ist Hautrotz. (S. Rotzkrankheit.) Bei dieser Krankheit kommen in der Haut und in dem Unterhautbindegewebe der erkrankten Geschöpfe harte, kleinere Knötchen oder größere knotenähnliche schwülste (Wurmbeulen, meist haselnußgroß) vor, die sich in Wurmgeschwüre umwandeln, welche eine braungelbe, oft mit Blut untermischte Masse (Wurmeiter, Wurmjauche) absondern. In der Umgebung der mehr isoliert oder herdweise auftretenden Beulen ist ödematöse Anschwellung finden, ferner schnuren⸗ oder strangförmig angeschwollene, meist federspulendicke Lymphgefä (rechte Halsseite, Innenfläche der Hinterschenk welche Wurmstränge genannt werden, endlich angeschwollene, anfangs heiße und bei der Berührung schmerzende, später kalt, unempfindlich und hart werdende Lymphdrüsen. Zuweilen zeigen sich die Wurmbeulen scheinbar perlschnurartig auf einem entzündeten Lymphgefäß aneinander gereiht (reitender Wurm). Da der W. keine Krankheit für sich ausmacht, sondern zum Rotz gehört, daher man auch von einer Rotzwurmkrankheit spricht, so gilt von ihm WSelde⸗ des Entstehens und der Übertragung dasselbe, was vom Rotz Geltung hat. Der W. verläuft rasch (akut) oder langsam (chronisch). Die damit behafteten Pferde erscheinen meist bezüglich des Allgemeinbefindens ganz gesund, wenn von Fieberzufällen abgesehen wird. Die Krankheit ist unheilbar; veterinärpolizeiliche Maßregeln wie bei Rotzkrankheit (s. d.). Wurm, linker Zufluß der Roer im rheinpreuß. Regierungsbezirk Aachen, entspringt südlich von Aachen, berührt Herzogenrath und Geilenkirchen und mündet nördlich von Heinsberg. Unterhalb Herzogenrath bildet der Fluß auf eine kurze Strecke die Grenze zwischen dem preuß. Regierungsbezirk Aachen und der niederländ. Provinz Limburg. Wurm (Joh. Friedr.), deutscher Astronom, geb. 19. Jan. 1760 zu Nürtingen, wurde 1788 Lehrer in seiner Vaterstadt und 1800 Professor an dem theol. Seminar zu Blaubeuren, von wo er 1807 dem Rufe zu einer Professur am obern Gymnasium zu Stuttgart folgte. Seit 1824 in den Ruhestand versetzt, starb er zu Stuttgart 23. April 1833. Nach ihm ist die Wurmsche Reihe benannt. Seine astron. Arbeiten beziehen sich auf die veränderlichen Sterne, sowie auf Berechnung der geogr. Länge aus Finsternissen und Sternbedeckungen. Christian Friedrich W., der Sohn des vorigen, geb. 1803 zu Blaubeuren, studierte Theologie und hielt sich dann 1825—27 in England auf. Von da kam er nach Hamburg, wo er den „Gleanero (1828 - 30), dann (1830 —34) die Kritischen Blätter der Börsenhalle redigierte und 1833 zum Professor am Alademischen Gymnasium ernannt ward. Er starb 1. Febr. 1859 in der Wasserheilanstalt zu Reinbeck. Unter seinen Arbeiten sind besonders hervorzuheben: Kritische Versuche über die öffentlichen Rechtsverhältnisse in Deutschland seit 18325 (Lpz. 1835), „Der Sundzollvo (Hamb. 1838), «Die Aufgabe der Hansestädter (Hamb. 1847), „Die Diplomatie, das Parlament und der deutsche Bundesstaate (Braunschw. 1849), & letter to Visconnt P'almerston, concerning the question of Schleswig-IUlolsteino (Lond. 1850; deutsch, Hamb. 1850), eine Flugschrift, die Bunsen beigelegt wurde; Diplomatische Geschichte der orient. Fragen (Lpz. 1858). Im frankfurter Parlament 1848 vertrat er einen württemb. Wahlbezirk.