Drossel (Turdus) ist der Name einer zu den fr eigentlichen Singvögeln gehörigen Gattung, welche sich dadurch auszeichnet, daß der Lauf länger als [ die Mittelzehe und die Mundspalte höchstens so [5 lang als der Lauf ist. Die Nasenlöcher sind der f Schnabelwurzel genähert und eirund; die Bartborsten einzeln stehend, weder lang noch steif; der d Schnabel mittelmäßig lang, gerade, mit sanft gebogener Firste; das Gesieder weich; die erste Schmungfeder der Flügel ist sehr kurz, die dritte und vierte aber am längsten. Die D. bilden eine f umfangreiche, über 80 Arten zählende Gattung, welche über die ganze Erde verbreitet ist und als Typus der großen Familie der Drosselvögel (Turdida) gilt. Sie nähren sich von Insekten, Larven, Würmern, Schnecken und Beeren, sind meist angenehme Sänger, ja mehrere als solche besonders geschätzt, und viele machen wegen ihres saftigen, wohlschmeckenden Fleisches, das schon bei den Römern beliebt war, einen Hauptgegenstand der Jagd für Vogelsteller aus. Die in Deutschland heimischen Arten ziehen meist im Winter nach Süden und nisten bei uns oder noch weiter im Norden. Das Nest ist stets künstlich, häufig geschlossen. Die vorzüglichsten Arten sind: die Rot- oder Weindrossel (T. iliacus), die auf dem Zuge aus Norden oder Nordosten im Oktober zu uns kommt, dann weiter nach Süden zieht und in der Mitte des März in großen Schwärmen nach dem Norden zurückkehrt. Sie ist unter den deutschen D. die kleinste, höchstens 23 em lang, oben olivenbraun, unten weiß mit olivenbraunen Flecken, an den untern Flügeldeckfedern rostrot, und hat über dem Auge einen deutlichen hellgelben Streif, an beiden Seiten des Halses einen dunkelgelben Fleck. Die Färbung des Weibchens ist matter. Ihr Gesang wird im Norden, wo sie brütet, sehr geschätzt, weshalb sie auch dort Norwegische Nachtigall heißt; bei uns aber ist ihr Gesang nicht besonders schön, wenn auch anhaltend. Ihr Fleisch wird unter den D. als das vorzüglichste gerühmt. Die Misteldrossel (T. viscivorus), auch Ziemer, Schnarre oder Großer Kramtsvogel genannt, ist oben hellolivengrau, am Unterleib weiß und an Kehle und Brust schwarzbraun gefleckt; die untern Flügeldeckfedern sind weiß, die obern nebst den drei äußern Schwanzfedern an der Spitze weiß gesäumt. Sie nistet in Deutschland überall und ist unter den deutschen D. die größte, meist 28—29 em lang. Durch ihre große Vorliebe für den Mistelsamen wird sie die Verbreiterin dieser Schmarotzerpflanze. Ihr Gesang ist anmutig und laut, ihr Fleisch wohlschmeckend. Die Singdrossel (T. musicus) oder Zippe (s. d.) ist der vorigen Art sehr ähnlich. Die Schwarzdrossel (T. Merula) oder Amsel (s. d.) gehört unter die größten Arten; ebenso die Ringdrossel (T. torquatus), auch Ringamsel, Schildamsel oder Schilddrossel genannt. Letztere mißt 2830 em und ist matt braunschwarz gefärbt, mit weißgrauen Federrändern und an der Oberbrust mit einem großen, ringkragenähnlichen, weißen oder weißlichen Flecken gezeichnet. Zwar bewohnt sie ganz Curopa, ist aber nirgends gemein und namentlich in Deutschland nicht häufig. Vorzüglich liebt sie bergige Waldungen und die Mittelgebirge. Ihr Gesang ist unbedeutend, aber ihr zartes Fleisch geschätzt. Die Wacholderdrossel (T. pilaris) ist bei uns allgemein unter dem Namen Kramtsvogel (s. d.) bekannt. Die Spottdrossel (T. polyglottus), welche in Nordamerika von der canad. Grenze an, über Mexiko und Venezuela bis Brasilien vorkommt und sich besonders durch einen langen, abgerundeten Schwanz auszeichnet, übertrifft alle andern Vögel durch ihre wahrhaft staunenerregende Fähigkeit, alle nur irgend vernommenen Töne fest zu behalten und täuschend nachzuahmen. Ihr eigener Gesang ist schon an und für sich nicht unbedeutend; daher gilt sie in Nordamerika als sehr geschätzter Stubenvogel, der oft sehr teuer bezahlt wird. Von den eigentlichen D. hat man die Steindrosseln (Petrocincla) als eigene Gattung getrennt. Zu ihnen gehören zwei als Sänger sehr geschätzte Arten. Die Blaue Drossel (T. cyaneus), auch Blaumerle, Einsamer Spatz genannt, ist ein südl. Gebirgsvogel, der auf der Küste von Afrika, in Griechenland, Spanien, Oberitalien und Tirol, selten in der Schweiz vorkommt und nur auf hohen Gebirgen einsam wohnt; bloß in der Fortpflanzungszeit lebt er paarweise. Das Männchen ist schön schieferblau und gleichsam himmelblau bepudert; die Flügel- und Schwanzfedern sind schwarz und blau gesäumt; das Weibchen ist braungrau, an der Kehle mit rostbräunlichen, schwarz eingefaßten Flecken, Füße und Schnabel sind bei beiden schwarz und die Mundwinkel gelb. Die Länge beträgt 20—22 em. Der Gesang der Männchen ist vortrefflich und anhaltend und gilt überhaupt für einen der schönsten Vogelgesänge; deshalb sind sie als Stubenvögel, besonders in Malta und der Türkei, sehr geschätzt. Die Steindrossel (. saxatilis), auch Steinmerle oder Steinrötel, welche ebenfalls in den Gebirgen des südl. Europa lebt und nur sehr selten die schles., böhm. und thüring. Gebirge besucht, ist gleichfalls als guter Sänger sehr geschätzt. Doch kommt ihr Gesang dem der vorigen nicht ganz gleich. Sie gehört, wie die blaue D., unter die gelehrigsten Vögel. Das Männchen ist an Kopf und Hals aschblau, am Unterleibe rostrot und an den Flügeln dunkelbraun. Die Länge beträgt 19—20 em. Man bringt diese Vögel aus Italien, Tirol u. s. w. auch in die großen Städte Norddeutschlands.