Würmer (Vermes) nennt man einen großen Kreis von niedern wirbellosen Tieren, der von Linne an bis in die neueste Zeit alle diejenigen Typen aufnehmen mußte, welche anderwärts nicht gut untergebracht werden konnten. Eine gemeinsame Charakteristik läßt sich nur durch negative Kennzeichen herstellen, großenteils deshalb, weil sich verschiedene Entwickelungsrichtungen nachweisen lassen, nach welchen innerhalb des Kreises sich die einzelnen Klassen ausgebildet haben. Man unterscheidet jetzt ziemlich allgemein im Kreise der W. folgende Klassen, Unterklassen und Ordnungen: I. Anneliden (s. d.) oder Ringelwürmer (Annelidae). A. Borstenwürmer(Chaetopoda),freilebende Anneliden mit paarigen, seitlichen, nach den Segmenten angeordneten Borsten. 1. Ordnung: Polychäten (Polychaetae), Borstenwürmer des Meeres mit zahlreichen Seitenborsten, meist mit deutlich abgesetztem Kopf mit Fühlern und Cirren. a) rantia, freischwimmende Polychäten. Hierher gehören: die in der Nordsee häufige weiße Glycera (Glycera alba, Tafel: Würmer, Fig. 1), die bis 20 em lang werdende Nereide (Nereis pelagica, Fig. 2), gleichfalls in der Nordsee gemein, und die bis 6 em lang werdende Seeraupe des Mittelmeeres (Hermione hystrix, Fig. 3). b) Tubicolae, röhrenbewohnende; hierher: Serpula vermicularis und Vermilia conigera (Fig. 4, a und b in ihren Röhren), Terebella emmalina (Fig. 5, aus der Röhre herausgenommen) und der gemeine Sandwurm (Arenicola piscatorum, Fig. 6, s. u. Sandwürmer). 2. Ordnung: Oligochäten (Oligochaetae), ohne Fühler, Cirren und Kiemen mit wenig Borsten. a) Limicolae, im Wasser und im Schlamm; hierher: das Wasserschlängelchen (Nais proboscidea, Fig. 7). b) Terricolae, Erdwürmer oder Regenwürmer, (s. d.), mit dem roten Regenwurm (Lumbricus rubellus, Fig. 8). B. Blutegel (s. d., Hirudinei) mit dem medizinischen Blutegel (Hixudo medicinalis, Fig. O). ). Sternwürmer (Gephyrei), runde Würmer ohne äußere Gliederung, durch die Anordnung des Nervensystems, häufig auch durch die Gegenwart rudimentärer Borsten als rückgebildete Anneliden charakterisiert; hierher gehört die sonderbare grüne Bonellie (Bonellia viridis); das Männchen (Fig. 10) ist sehr klein ohne Mund und After, flach, wandert in die Geschlechtsorgane des Weibchens ein, um als Parasit desselben die Befruchtung zu vollziehen; das etwa 5 bis 8 em lange Weibchen (Fig. 11) ist außerordentlich kontraktil und vermag seinen gabelig geteilten Rüssel zu einem über einen halben Meter langen Faden auszudehnen. II. Plattwürmer (Platodes). 1) Schnurwürmer (Nemertini), gestreckte Plattwürmer des Meeres, teilweise bandartig abgeplattet, von enormer Kontraktionsfähigkeit, mit einem verstülpbaren Rüssel, der entweder (Unterordnung Enopla) mit Stacheln versehen, oder (Anopla) ohne solche ist; ein Blutgefäßsystem ist vorhanden; hierher der Vierpunkt (Letrastemma obscurum, Fig. 12) und die grüne Meckelie (Meckelia viridis, Fig. 13). 2) Strudelwürmer (Turbellaria) mit der im Mittelmeere nicht seltenen Leptoplana tremularis (Fig. 14). 3) Saugwürmer (Trematodes), parasitische Plattwürmer; zu ihnen gehören unter andern Distomum luteum (Fig. 15), der blutbewohnende Egel (D. haematobium, Fig. 17, ein Pärchen in der Begattung begriffen, wie sie fast stets gefunden werden; das größere Individuum ist das Männchen), ein gefährlicher Schmarotzer der menschlichen Harnwerkzeuge, auf Afrika beschränkt, und das Doppeltier (s. d., Diplozoon paradoxum, Fig. 16). 4) Bandwürmer (s. d., Cestodes, Abbildungen bei Artikel Bandwurm im Text). III. Rundwürmer (Nematelmia s. Nema⸗- thelminthes). 1) Pfeilwürmer (Chaetognatha), walzenförmig, mit deutlich abgesetztem Kopf und mit einem Flossensaum am Schwanzende, am Munde befindet sich ein Hakenapparat; es sind Zwitter, welche das Meer in mehrern Arten, von denen Sagitta cephaloptera (Fig. 18) eine der häusigsten ist, bewohnen. 2) Nematoden (s. d., Nematodeés), Haar⸗ oder Fadenwürmer mit dem Madenwurm (Oxyuris vermicularis, s. u. Ascariden, Fig. 19), dem Peitschenwurm (s. d., Trichocephalus dispar, Fig. 20), und dem Spulwurm (C. d., Ascaris lumbricoides, Fig. 21). IV. Rädertiere (s. d., Rotatoria). Hierher das auf dem tauenden Schnee der Alpen vorkommende rote Schneerädertier (Philodina roseola, Fig. 22), das häufige, mit einer festen Panzerhaut versehene Wappentierchen (Brachionus, Fig. 23) und das an Pflanzen des süßen Wassers festsitzende, von einer Gallerthülse umgebene Kronentierchen Stephanoceras, Fig. 24). Als aberrante Wurmgruppen sind die Dicyemiden und Orthonektiden aufzufassen; sie sind ewissermaßen auf einer niedern Entwickelungsstufe siehen gebliebene Saugwürmer, wie Leuckart nachgewiesen hat. Die Dicyemiden (3. B. Dieyema microcephalus, Fig. 25) leben als Parasiten in den Nieren von Tintenfischen und andern Kopffüßlern; die noch wenig untersuchten Orthonektiden sind sehr kleine, aus nur wenigen, nicht ganz scharf gegeneinander abgesetzten Zellen bestehende Schmarotzer von Schlangensternen und Seewürmern.