Zahne (tunstle s. Schälknötchen. ähne (künstliche) dienen als Ersatzmittel der verloren gegangenen natürlichen Z. und können bei sorgfältiger Anfertigung die letztern nahezu vollkommen ersetzen; man bedient sich ihrer nicht bloß aus kosmetischen Interessen, sondern auch als eines sehr wichtigen hygienischen Hilfsmittels, um durch sie alle diejenigen nachteiligen Folgen abzuwenden, welche ein mangelhaftes Gebiß durch die ungenüende Zerkleinerung der Speisen auf den ganzen erdauungsprozeß, sowie nicht minder auf die Artikulation und Tonbildung beim Sprechen und Singen ausübt. Die Geschichte des künstlichen Zahnersatzes reicht bis in das hohe Altertum hinauf; schon die alten Agypter, Assyrer und Perser verstanden es, nicht bloß hohle Z. mit Gold oder künstlichem Schmelz auszufüllen, sondern auch künstliche Z. einzusetzen, und bei den Römern war die Technik des künstlichen Zahnersatzes zu verhältnismäßig hoher Ausbildung gelangt. Als Material benutzte man zu den künstlichen 3. früher Elfenbein, späterhin Menschenzähne; da aber beide ebenso leicht in der Mundhöhle von der Zahncaries befallen werden, wie die natürlichen Z., so bedient man sich jetzt ausschließlich künstlicher Email⸗ oder Mineralzähne, die im großen fabriknach Art z Kieselerde, Feldspat und Porzellanthon nach Art des Porzellans durch Brennen hergestellt und mit einer beliebig gefärbten Glasur aus derselben Masse überzogen werden. Die Befestigung der künstlichen 3. im Munde kann auf verschiedene Weise geschehen. Die einfachste Art ist die Befestigung des Zahns mittels eines Stiftes in die noch vorhandene Wurzel (sog. Stiftzahn), vorausgesetzt, daß die letztere noch vollständig gesund und zweckmäßig vorbereitet ist; bei exakter Ausführung kann ein solcher Stiftzahn jahrelang sitzen und die Stelle des natürlichen Zahns vollkommen ersetzen. Wo gesunde Wurzeln nicht vorhanden oder wo mehrere Z. fehlen, befestigt man die künstlichen Z. entweder vermittelst goldener Klammern an die benachbarten natürlichen Z., oder vermittelst sorgfältig hergestellter Gaumenom Sam aus vulkanisiertem Kautschuk, welche sich em Gaumen ganz genau anschließen und deshalb durch Ansaugen und Adhäsion festhalten. Ganze Gebisse werden gleichfalls an Saugplatten befestigt; zu ihrer weitern Fixierung dienen auch häufig Spiralfedern, welche zwischen den Zahnreihen und Wangen liegen und die erstern gegen den Ober⸗ und Unterkiefer drücken. Vor dem Einsetzen der künstlichen Z. müssen alle schlechten Zahnwurzeln entfernt, die stehen bleibenden bis auf das Zahnfleisch glatt abgefeilt und die noch vorhandenen Z. sorgfältig gereinigt und wenn nötig plombiert werden; hierauf wird von dem sauber vorbereiteten Mund mit Gips, Wachs oder Guttapercha ein genauer Abdruck genommen, nach welchem dann das künstliche Gebiß oder Gebißstück geformt wird. War es nötig, mehrere Wurzeln auszuziehen, so lasse man vor der Anfertigung des definitiven Ersatzstücks mehrere Monate vergehen, damit zuvor der Kiefer gehörig vernarben kann. Bei Vernachlässigung dieser Reel kann es sich sehr leicht ereignen, daß das angeserigte Ersatzstück schon nach wenigen Monaten nicht mehr paßt und seinen Zweck nur sehr mangelhaft erfüllt. Alle künstlichen 3., mit Ausnahme der og. Stiftzähne, müssen täglich mindestens zweimal aus dem Munde entfernt und sorgfältig mit der Bürste gereinigt werden. Während der Nacht sind künstliche Gebißstücke aus dem Munde zu nehmen, in kaltes Wasser 5e lehn und am Morgen vor dem Einführen mit der Bürste, Seife und Wasser 8. und u zu säubern. Die Gewohnheit, künstliche und Gebisse auch nachts im Munde zu behalten, hat schon öfters Veranlassung gegeben, daß während des Schlafs ein solches Gebiß sich loslöste, in den Rachen und die Speiseröhre geriet und dadurch schwere, selbst lebensbedrohliche Zufälle hervorrief. Vgl. Parreidt, «Handbuch der Zahnersatzkunde » (Lpz. 1880).