FeedZahnarme oder Zahnlose
TierreichBrockhaus 1882

Zahnarme oder Zahnlose, eine Ordnung der Säugetiere, soviel wie Edentaten (s. d.). Sie zerfallen in zwei Untergruppen: I. Insektenfressende (Entomophaga) mit den Familien der Schuppentiere (Manididae, s. unter Ameisenfresser), zu welcher Temmincks Schuppentier (Manis Temminckii, Tafel: Zahnarme Säugetiere, Fig. 1) gehört; der echten Ameisenfresser (s. d., Myrmecophagidae) mit dem ohne Schwanz über Im lang werdenen großen Ameisenfresser (Myrmecophaga jubata, Fig. 2), der aus einer, vielleicht aus zwei Arten bestehenden afrik. Familie der Erdferkel (Orycteropodidae, s. unter Ameisenfresser), von welcher das Kapsche Erdferkel (Orycteropus capensis, Fig. 3) am besten gekannt ist, und endlich mit der ausschließlich amerik. Familie der Gürteltiere (Dasypodidae) oder Armadilla (ss. d.), welche gegenwärtig nur kleine Formen, wie das dreigürtelige Gürteltier (Tolypeutes conurus, Fig. 4) oder den seltenen Schildwurf oder die Gürtelmaus (Chlamidophorus truncatus, Fig. 5), aufweist, aber einst gewaltige Repräsentanten hatte, wie das Riesenpanzertier (Glyptodon clavipes, Fig. 6) von der Größe eines Nashorns und mit kontinuierlichem, nicht in Gürtel⸗ und Schlußstücke abgeteiltem, aus sechseckigen Knochenstücken bestehendem Panzer. II. Pflanzenfressende oder Faultiere (s. d., Bradypodidae), ausschließlich amerikanisch, jetzt gleichfalls durch Arten vertreten, die, wie das dreiehige der ltier oder Ai (Bradypus tridactylus, Fig. )oder das zweizehige Faultier (Choloepus didactylus, Fig. 8), gegen das ausgestorbene Riesenfaultier (Mylodon robustus, Fig. 9) von 4m Länge und 2,30 m Höhe Zwerge sind. %% Zahnheilkunde, derjenige Teil der Chirurgie, welcher sich mit der Erkennung und Heilung der Zahnkrankheiten (s. d.) und dem Ersatz verloren gegangener Zähne (Zahnmechanik) befaßt. Die ersten Anfänge der Z. reichen bis in das hohe Altertum. In Agypten gab es schon zur Zeit des Herodot eigene Zahnärzte; bei den Römern gedenken schon die Gesetze der Zwölf Tafeln der Befestigung der Zähne durch Gold. Im Mittelalter hingegen befaßten sich nur unwissende Barbiere und marktschreierische „Zahnbrechers mit der Behandlung der 0 der Zahuhenl Die wissenschaftliche Bearbeitung der Zahnheilkunde beginnt im Anfang des 18. —3. mit dem trefflichen Werke von Pierre Fauchard in Paris: «Le chirurgien dentister (2 Bde., Par. 1728; deutsch, Berl. 1733); weitere Verdienste erwarben sich die Franzosen Pierre Mouton, Lacluse, Anselm, Jourdain und Bourdet, sowie die Engländer John Hunter, Thomas Berdmore und Joseph Foxe. Weit später treten in Deutschland selbständige Bearbeiter der Z. hervor; unter ihnen sind Jakob Joseph Serre in Berlin, sowie Georg Carabelli und Moritz Heider in Wien hervorzuheben, welch letzterer 30 durch Gründung des Centralvereins deutscher Zahnärzte ein besonderes Verdienst erworben hat. B neuerer Zeit gelangte die 3. namentlich durch die Bemühungen deutscher und engl. Zahnärzte zu hoher Blüte; ihr technischer Teil erfuhr besonders durch die Amerikaner einen großartigen Aufschwung. Im Deutschen Reich erhalten nur solche Zahnärzte die staatliche Approbation, welche einen zweijährigen mediz. Kursus an der Universität, sowie einen mindestens halbjährlichen technischen Kursus bei einem praktischen Zahnarzt durchgemacht und die vorgeschriebene zahnärztliche Prüfung mit Erfolg bestanden haben. Lehrstühle für Z. sind in Berlin und Leipzig errichtet; in Wien befindet sich eine von Zahnärzten begründete Fachschule, die mit der Universität in Verbindung steht. Vgl. Carabelli, «Systematisches Handbuch der Zahnheilkundev (neue and Wien 1844); Tomas, Dental physiology and surgerys (neue Aufl., Lond. 1873); Heider und Wedl, «Atlas zur Pathologie der Zähnes (1868); Wedl, «Pathologie der Zähner (Lpz. 1870); Parreidt, «Handbuch der Zahnersatzkunde » (Lpz. 1880); Holländer, «Die Extraktion der Zähner (2. Aufl., Lpz. 1882); derselbe, Das Füllen der Zähne mit Goldo (2. Aufl., Lpz. 1885); Baume, «Lehrbuch der Zahnheilkunde » (2. Aufl., Lpz. 1885); Arkovy, „Diagnose der Zahnkrank3. 9 »(Stuttg. 1885). Über die Fortschritte der 3. Rnde die »Deutsche Monatsschrift für Zahnheilkunder, sowie die amerik. Zeitschriften The independent practionero (Neuyork) und The dental cosmoso (Philad.) fortlaufende Auskunft.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 829Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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