FeedThermometer
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Thermometer, u., frz. tbermometre, engl. Thermometer, s. v. w. Wärmemesser. Zu Messung der Temperatur oder des Erwärmungsgrades eines Körpers bietet die Ausdehnung des Körpers durch die Wärme ein einfaches Mittel. Die bequemsten Substanzen zu Ten sind die Flüssigkeiten. Unter diesen, die sich imallgemeinen sehr unregelmäßig ausdehnen, ist es das Quecksilber, welches innerhalb der gewöhnlich vorkommenden Grenzen, namentlich zwischen dem Gefrierpunkt und dem Siedepunkt des Wassers, nahezu unmerkliche Unregelmäßigkeiten zeigt u. sich der Temperatur fast genau proportional ausdehnt. 1. Das Quechsilberthermometer besteht aus einer feinen Glasröhre von überall genau gleicher Weite, an deren unterem Ende eine Kugel oder ein eylinderförmiges Gefäß angeblasen ist; dies und ein Theil der Röhre sind mit Quecksilber gefüllt, welches bei Erhöhung der Temperatur sich ausdehnt und daher in der Röhre steigt. Diese ist oben verschlossen; vorher aber wird alle Luft sorgfältig aus der Röhre vertrieben, da sie sonst das Steigen des Quecksilbers hindern und leicht ein Zerbrechen der Röhre herbeiführen würde. Das Graduiren des T.s, behufs Ablesung der Wärmegrade, besteht darin, daß man auf der Röhre zwei feste Punkte markirt und den Abstand in eine bestimmte Anzahl gleicher Theile theilt. Hierzu eignen sich am besten die Punkte, auf welchen das Queckfilber im T. steht, wenn dasselbe in schmelzendes Eis oder in den Dampf siedenden Wassers gehalten wird, also Gefrierpunkt u. Siedepunkt des Wassers. Der Abstand dieser beiden Punkte wird nach Réaumur in 80, nach Celsius in 100, nach Fahrenheit in 180 Theile getheilt; bei den beiden ersteren Skalen wird der Gefrierpunkt mit O, bei der letzteren mit + 32 bezeichnet. Die Graduirung kann beliebig weit über die beiden Fundamentalpunkte hinaus fortgesetzt werden; die Grade über dem Nullpunkt werden mit , diejenigen unterhalb desselben mit — bezeichnet. Näheres über die drei Skalen s. d. betr. Art. — Man kann Quecksilberthermometer anwenden etwa zwischen — 26 u. + 270° R.; überschreitet man diese Grenzen, so nähert man sich dem Gefrierpunkt (-— 320) od. Siedepunkt (+320°) des Quecksilbers zu sehr u. die Unregelmäßigkeiten in der Ausdehnung werden zu bedeutend. — 2. Zu Bestimmung niedriger Temperaturen eignen sich besser die Weingeistthermometer, welche statt der Quecksilbers Weingeistenthalten. Vor diesen Arten haben 3. die Luftthermometer den Vorzug, weil sich die Luft bei allen Temperaturen, den höchsten wie den niedrigsten, pvöllig regelmäßig ausdehnt, u. weil sie weit empfindlicher sind. Man kann sie aber nie so bequem transportabel einrichten wie jene. — 4. Auch feste Körper hat man zum Messen insbesondere hoher Temperaturen verwendet; die Instrumente führen alsdann jedoch den Namen Pyrometer (. d.). — 5. Sehr empfindliche T. erhält man, wenn man die ungleiche Ausdehnung zweier Metalle zur Messen der Temperatur benutzt, Metallthermometer. a) Das Metallthermometer von Breguet besteht aus einem schraubenförmig gewundenen Streifen, welcher aus drei Metallen, Silber, Gold und Platin, zusammengesetzt und dünn gewalzt ist. Die Spirale ist am oberen Ende befestigt; an dem unteren trägt sie eine leichte, wägrechte Nadel, welche einen horizontalen Theilkreis durchläuft. Infolge der un4gleichen Ausdehnung des Platins u. Silbers wickelt sich die Spirale auf od. zusammen, wenn sich die Temperatur erhöht od. erniedrigt, u. die Nadel folgt dieser Bewegung. b) Das Zifferblattthermometer von Holzmann besteht, ähnlich dem Bourdonschen Manometer, Fig. 2584, aus einem Doppelstreifen, welcher an einem Ende fest angeschraubt ist, mit dem andern Ende dagegen an dem kurzen Arm eines Hebels angreift, an dessen längerem Arm ein „gezahnter Bogen sitzt, welcher wieder in ein Getriebe eingreift. An der Achse dieses Getriebes sitzt ein Zeiger, welcher auf einer Skala spielt und die Temperatur anzeigt. Alle solche T. werden graduirt, indem man sie mit einem Quecksilberthermometer vergleicht. e) Registrirendes C., „Chermoskop, n., das erste solche erfand Gauntlett. Es besteht aus Metallröhren, deren Ausdehnung und Zu⸗ „sammenziehung einen Bleistift bewegt, der eine Linie auf einen durch eine Uhr an ihm vorbeigezogenen Papierrstreifen zeichnet. Der Streifen ist so liniirt, das die Laug-Sbibliothe Heidelberg linien der Thermometerskala, die Querlinien der Stund. entsprechen. Neuerdings giebt es auch noch andere Arter selbstregistrirender T. am Thermometer (s. d. 5. C.).

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 329Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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