Gefrieren nennt man den übergang der tropfbarflüssigen Körper in den festen Zustand, jedoch nur, wenn diese Anderung der Aggregation bei einem niedrigen Temperaturgrade stattfindet. Man bezeichnet diese für verschiedene Substanzen sehr verschiedene Temperatur mit dem Namen des Gefrierpunktes derselben. So ist der Gefrierpunkt des Wassers 0 C. (und R.), während der Gefrierpunkt des Quecksilbers auf —39 C. und der des absoluten Alkohols so tief fällt, daß man den dazu erforderlichen Kältegrad noch gar nicht kennt. Um den Gefrierpunkt an dem Thermometer festzustellen, benutzt man den natürlichen Gefrierpunkt des Wassers, indem man das Thermometer in ein Gefäß mit gestoßenem Eise stellt, welches beim Schmelzen die Quecksilbersäule stationär hält. Dieser Punkt wird bei dem Réaumurschen und Celsiusschen Thermometer als Gefrierpunkt =O' angenommen; die darüberliegenden Grade werden als Wärmegrade (+) und die darunterliegenden als Kältegrade (—) bezeichnet. (S. Thermometer.) Bei dem Fahrenheitschen Thermometer ist als O' der künstliche Gefrierpunkt angenommen, der erhalten wird, wenn man 1 Teil Kochsalz mit 3 Teilen Schnee mischt, und — 17½ C. entspricht. Bei dem G. wird die latente Wärme allmählich frei; entwiche diese Wärme plötzlich, so müßte die ganze Masse des Flüssigen auf einmal fest werden. Zugleich wird bei dem G. das Volumen der Körper vermindert, wovon jedoch das Wasser eine Ausnahme macht, indem es beim G. an Volumen zunimmt, was daher kommt, daß die Wasserteilchen, ehe sie gefrieren, sich erst krystallinisch ordnen, wozu sie einen größern Raum nötig haben (s. Eis); ähnlich verhalten sich Wismut, Gußeisen und wahrscheinlich Antimon. Die bei der Eisbildung stattfindende Raumvergrößerung geht mit solcher Gewalt vor sich, daß mit Wasser vollständig gefüllte und wohlverschlossene Gefäße infolge der Eisbildung bersten. (S. Ausdehnung.) Noch zu bemerken ist die schon von Fahrenheit 1721 gemachte Erfahrung, daß man Wasser auf — 10 C. abkühlen lassen kann, ohne daß es gefriert, wenn man es vor Erschütterung bewahrt; die geringste Erschütterung verwandelt es in eine Eismasse, zugleich steigt die Temperatur im Moment des Erstarrens bis zum Nullpunkte. Auch durch heftige Bewegungen hat später Despretz ähnliche Erniedrigungen des Gefrierpunktes beim Wasser bewirkt. Der übergang aus dem tropfbaren in den festen Aggregationszustand heißt allgemein Erstarren; die Temperatur, bei der dies geschieht, heißt Erstarrungstemperatur oder Erstarrungspunkt. (S. Schmelzen.) G. ist also nur ein Spezialfall vom Erstarren. Letztern Ausdruck gebraucht man für das Festwerden bei jeder beliebigen Temperatur, während G. nur für das Festwerden bei Kältegraden angewendet wird.