Kafiristan, ein Alpenland im westl. Centralasien, 51687 akm groß, zwischen 34 40 und 365 nördl. Br. sowie 69 30“ bis 71 30“ östl. L. (von Greenwich) gelegen, umfaßt einen großen Teil des südl. Abfalls der Gebirgskette des Hindukusch und der von dieser sich üdwärts bis an den Fluß Kabul, einem rechten Nebenflusse des obern Indus, steil erstreckenden Nebenketten. K. grenzt nördlich an Kunduz und Badakschan, östlich an Tschitral, Kattawar und das zu Afghanistan gehörende Pandschkora, südlich und westlich an das gleichfalls zu Afghanistan gehörende Kabul und besteht aus breitern oder schmälern ri die von hohen, meist mit Schnee bedeckten Gebirgsrücken eingefaßt sind, und ist voller Schluchten, Abgründe und Bergströme, die großartige Wasserfälle bilden, zum Teil Goldsand fuhren und in den Kabul einmünden. Klima und Vegetation sind in den verschiedenen Bodenerhebungen sehr ungleich. In den niedrigern, am meisten geschützten Thälern gedeihen Trauben, andere Obstarten und Weizen in Fülle. Doch ist der Ackerbau aus Mangel an Kulturboden nur unbedeutend und die Bevölkerung hauptsächlich auf Gerstenbau und Viehzucht angewiesen. Die Gebirge sind mit schönen Urwäldern, hauptsächlich von Nadelhölzern, bedeckt. Vgl. Leitner, Kafiristano (Lahore 1880). Kaäfirs, d. h. Ungläubige, ist der arab. Name eines merkwürdigen, das nach ihm Kafiristan (s. d.) enannte centralasiat. Alpenland bewohnenden Bolksstammes. Die K., nach ihrem schwarzen, aus Ziegenfellen gefertigten Obergewande auch Sijapo sch genannt, zeichnen sich durch eine intelligente europ. Gesichtsbildung, teils blaue, teils dunkle Augen, entweder schwarzes oder hellbraunes Haupthaar, einen hohen Wuchs und eine schöne Gestalt aus. Sie haben keinen gemeinsamen Namen, sondern benennen sich nach den 18 Stämmen, aus denen sie bestehen, sprechen aber dieselbe, dem iranischen Stamme angehörende Sprache. Ihre Zahl wird auf 500000 geschätzt. Die wenigen Formen ihres Gottesdienstes tragen ein völlig heidnisches Gepräge und bestehen in Opfern von Kühen und Ziegen. Die Priesterwürde ist erblich, doch von geringem Ansehen und Einfluß, indem die Stammhäuptlinge alle Autorität ausüben. Jedes Dorf besitzt einen Tempel. Das Feuer ist ein notwendiger Bestandteil ihrer religiösen Ceremonien. In letzter Zeit hat jedoch auch der schiitische Islam zunehmende Verbreitung unter ihnen gefunden. Ihre Städte und Dörfer sind an Bergabhängen erbaut, in der U aus Stein, mit flachen Dächern, einem Stockwerk und geschmackvollen Holzverzierungen. Sie haben unter sich gute Eisen⸗ und Holzarbeiter, geschickte Gold-und Silberschmiede. Waffen, Schießpulver, Blei, Salz, kurze Waren und Baumwollzeuge tauschen sie gegen ihre eigenen Erzeugnisse ein. Mit den Afghanen, von welchen sie gefürchtet werden, stehen sie seit Jahrhunderten in Feindschaft, während sie mit Badakschan und Tschitral freundschaftlichen Verkehr unterhalten. Die K. besitzen weder eine Schrift noch eine Geschichte. Die Ansichten über die Abstammung der K. weichen sehr voneinander ab. Einige halten sie für Nachkommen der Soldaten Alexanders d. Gr. und des indobaktrischen Reichs, andere dagegen für Ueberreste der Urbevölkerung Mittelasiens. Ihre Heimat haben sie von jeher mit festem Mute verteidigt; Tamerlan und Babur versuchten vergeblich ihre Unterwerfung. Selbständigkeitsgefühl, Unbeugsamkeit gegen jede Fremdherrschaft, jedes Aufdringen von Religion und Sprache sind charakteristische Züge dieses merkwürdigen Alpenvolks. Vgl. besonders Raverty im 6Journal of the Asiatic Society of Bengab (1859).