FeedKaiserslautern
ErdkundeBrockhaus 1882

Kaiserslautern, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Rheinpfalz, liegt an der westl. Abdachung des Hardtgebirges, an der Waldlauter, ist Station der Linien Neunkirchen-Worms, K.⸗Enkenbach und K.⸗ Lauterecken der Pfälzischen Eisenbahnen, Sitz eines Bezirksamts, eines Land⸗ und Amtsgerichts, einer Reichsbanknebenstelle und zählt (1880) 26323 E., worunter 9986 Katholiken und 716 Juden. Außer zwei evang. (darunter die schöne got. Stiftskirche aus dem 13. Jahrh.) und einer kath. Kirche sowie einer Synagoge besitzt die Stadt in der 1846 vollendeten großen Fruchthalle (nach Voits Entwürfen) ein haltenbe Gebäude. Von höhern Unterrichtsantalten bestehen daselbst ein Gymnasium, eine Realschule, eine Lateinschule, ein prot. Schullehrerseminar, eine Industrieschule, eine Baugewerkschule und eine landwirtschaftliche Winterschule. K. ist die industriereichste Stadt der Pfalz. Außer einer großartigen Kammgarnspinnerei mit 54000 Spindeln bestehen drei Nähmaschinenfabriken, vier Eisengießereien, Fabriken für Kattun, Ultramarin, Senf, Stärke, Uhrgläser, Porzellan, Steingut, künstlichen Dünger u. s. w., ferner mehrere mechan. Werkstätten, eine Glockengießerei, Kesselfabriken, Baumwollspinnereien, Möbel-, Cigarren-⸗, Seifen-, Bilderrahmenfabriken und 16 große Brauereien, die ihr Produkt weithin versenden. Bei der Stadt finden sich wertvolle Steinbrüche. K. ist ein sehr bedeutender Fruchtmarkt, und auch der Holzhandel ist von Wichtigkeit. Schon unter Pipin dem Kleinen und Karl d. Gr. soll sich zu K. eine Kaiserpfalz befunden haben. Friedrich Barbarossa baute hier 1152 einen Kaiserpalast, der 1577—83 durch den Pfalzgrafen Johann Kasimir erneuert und erweitert, aber 1703 im Spanischen Erbfolgekriege zerstört ward. Seine Stelle nimmt jetzt ein großes Kreisgefängnis ein. An die Keller und Gewölbe knüpft sich dieselbe Sage von der einstigen Wiederkehr des Kaisers, die auch vom Kyffhäuser erzählt wird. Eine größere Schlacht fand hier 28., 29. und 30. Nov. 1793 statt, wo der Herzog von Braunschweig, Karl Wilhelm Ferdinand, eine Abteilung der Moselarmee, welche unter Hoche, um Landau zu entsetzen, durch das Gebirge hervorzubrechen suchte, nach einem blutigen Kampfe zurückschlug. Ein zweites Treffen bei K. 23. Mai 1794 gewann der preuß. Generalfeldmarschall Möllendorf gegen Ambert; in einem dritten, 20. Sept. 1794, schlug Fürst von Hohenlohe-Ingelfingen den linken Flügel der franz. Rheinarmee unter Meunier. Da in dieser Gegend die Pässe aus den Vogesen nach Landau und Mainz liegen, so hat K. stets als militärisch wichtiger Punkt gegolten. Im Mai 1849 war es während des pfälz. Aufstandes Sitz der provisorischen Regierung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 14Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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