Kamele, auch Kameele (Tylopoda), Familie der Wiederkäuer, die weder Hörner noch Geweihe besitzt, Schneidezähne im Oberkiefer, Eckzähne und schwielige Sohlen hat. Eine Eigentümlichkeit der K. ist, daß sie allein unter allen Säugetieren keine runden, sondern ovale Blutkörperchen haben. Man unterscheidet zwei Gattungen K. Von der ersten Gattung, dem eigentlichen K., gibt es zwei Arten, das einbuckelige K. oder Dromedar (Camelus dromedarius, Tafel: Kamele und Kamelopardaliden, Fig. 3) und das zweibuckelige K. oder Trampeltier (C. bactrianus, Fig. 4), die aber vielleicht nur durch Domestikation ebildete Rassen sind. Das erstere kommt im westl. Asien und Nordafrika, das zweite im mittlern Asien und Südrußland vor; beide werden zunn Lasttragen und Reiten gebraucht. Wilde Kamele sind erst kürzlich südlich vom Thian-Schan im Tarimbecken bei Lop-Nor von Przewalskij entdeckt worden. Besonders eignen sich die K. zum Aufenthalt in pflanzen⸗ und wasserlosen Gegenden; denn sie sind nicht nur sehr frugal, sondern in ihrem Magen befinden sich auch zahlreiche Zellen, in welchen getrunkenes Wasser aufbewahrt und nur langsam in der Skonomie des Körpers verwendet wird. Daß diese Flüssigkeit dem verdurstenden Reisenden nutzen könne, ist ganz unwahrscheinlich, da sie schleimig, übelriechend und bitter ist. Unter den wüstenhewohnenden Völkern sind die K. sehr geschätzt und lühren deshalb unter den Arabern den Namen der Schiffe der Wüste. Durch Pflege hat man sie zu besondern Rassen veredelt. Als Reitkamele sind die Heiris mißt, sind unter C aufzusuchen. oder Maherris am meisten geschätzt. Seit dem Mittelalter besndet sich zu San-Rossore unweit Pisa ein Kamelgestüt von eiwa 200 Stück. Das im Frühjahr ausfallende Wollhaar wird zu groben Zeugen und Garn verarbeitet. Milch und Fleisch der K. dienen als Nahrungsmittel und der getrocknete Mist zur Gewinnung des Salmigk. Eine zweite Gattung von K., die Lamas (Auchenia), sind von geringerer Körpergröße als die eigentlichen K., haben keinen Rückenhöcker und bewohnen Amerika. Von den vier Arten sind zwei ganz domestiziert: das Lama (A. Lama Brandt, Fig. 2) und das Alpaka (A. Paco Desmarest); sie bewohnen die peruanischen und bolivischen Anden. Die beiden wilden Arten sind die Vicusia (A. Vicunna Vescher, Fig. 1), von den Anden Perus und Chiles, und der Guanaco (A. huanaco Smit), der von der Magellansstraße durch ganz Patagonien bis Nordperu vorkommt; auch er wird gezähmt. Während Lamas in der Gegenwart nur Südamerika bewohnen, kamen Formen von mehr denn Kamelgröße in Nordamerika während der Diluvialzeit vor, z. B. A. hesterna (Zähne derselben, Fig. 5) in Californien. Die Bibelstelle (Ausspruch Jesu in Mark. 10, 25) (Es ist leichter, daß ein K. durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher in den Himmel kommey, welche man früher dadurch zu erklären suchte, daß man Kamel als Kamilos (Schiffstau) auffaßte, erklärt Sepp dadurch, daß in Syrien, Palästina etc. noch gegenwärtig, wie zur Zeit Jesu, mit dem von Luther als Nadelöhr » übersetzten arab. und hebr. Worte nékäb ganz allgemein eine kleine offnung, ein kleiner Durchgang, enger Bergpaß u. dgl. bezeichnet wird, welchen zu passieren einem K. die größten Schwierigkeiten machen würde.