FeedAmeisenbär
TierreichBrockhaus 1882

Ameisenbär, s. unter meisenfresser. Ameisenfresser. In den südl. Ländern, wo Ameisen und Termiten (sog. weiße ae An in großen Mengen sich finden, gibt es eine nzahl von Säugetieren aus verschiedenen Ordnungen, welche nur von jenen Tieren sich nähren, und die alle darin übereinstimmen, daß sie einen 1. Dadünnen, spitzen Kopf, ein sehr kleines Maul, das nur mit wenigen Backzähnen besetzt oder ganz zahnlos ist, eine sehr lange, weit vorstreckbare, klebrige Zunge und große Sichelkrallen zum Graben an den kurzen, stämmigen Füßen besitzen. Alle diese Säugetiere sind höchst dumm, plump und träge, aber dabei von ungeheuerer Muskelkraft. Dieselben suchen die großen Ameisenhaufen und die festen kren Kralen auf, öffnen sie durch Graben mit ihren Krallen, unbekümmert um die wütenden Bisse der Verteidiger, stecken ihre lange Zunge in das Gewimmel der Ameisen hinein, an der diese ankleben, und streifen sie dann in das Maul ab. Auch die Larven und Eier lassen sie sich behagen. Sie leben meist einsam einige frei in zufälligen Lagern, andere in selb tgegrabenen Erdhöhlen; das Fleisch ist meist schlecht und des durchdringenden Ameisengeruchs wegen ungenießbar. Es gehören hierher aus der Ordnung der zahnlosen j Säugetiere (Edentata) die durchaus aus Südamerika, von denen die größte Art (der Angem M. jubata) fast 2 mlang wird, mit sehr angem, spitzem Kopfe, langem und buschigem Schwanze, den das Tier über den Rücken herüber0 ägt, straffem, langhaarigem Pelze von grauschwarzer Farbe, einwärts gekrümmten Vorderfüßen, ein unbeholfenes Tier, das man leicht mit dem Stocke erschlägt, 3 Armt es Kraft genug at, einen Hund in seinen Armen zu erdrücken. ndere Arten, die man auch als Gattungen unterschieden hat, sind der mittlere Ameisenbär oder Tamandua mit drei Zehen an den Füßen (Lamandua tridactyla) und der kleine u radier (Cyclothurus didactylus), der nur 8 Zoll lang wird und gern klettert. Beide haben einen langen, zum Greifen geschickten, nicht bußche behaarten Schwanz. Ferner sind zu nennen tiere, Pangoline (Manis), deren verschiedene Arten in Südafrika, Indien und Java vorkommen. Dieselben sind durchaus zahnlose A., die in Gestalt, Kopfform, Schwanzlänge und Lebensart den vorigen gleichen. Nur zeigen sich die Haare in harte, schneidende, dachziegelförmig übereinanderliegende Schuppen verwandelt, die beim Zusammenkugeln sich aufsträuben. — Die Ameisenschweine oder Erdferkel (Orycteropus) sind auf Südafrika beschränkt. Sie haben vier Zehen an den Vorderfüßen, fünf an den Hinterfüßen und wurzellose, faserige Backzähne. Die Haut ist der Schwarte des Schweins cher mit straffen Borstenhaaren dicht besetzt, der Kopf Vie zäße sehdie nackten Ohren spitz aufgerichtet, die Füße sehr kurz, die Grabklauen plump, fast hufartig. Sie leben in tiefen Erdhöhlen, kommen meist nur Daben ervor und werden ihres Fleisches und der derben Haut wegen, die ein gutes Leder gibt, gejagt und ausgegraben. Die größte, am Kap heimische Art wird centnerschwer. — Die Ameisenigel (Echidna) gehören mit den Schnabeltieren in die Gruppe der Monotremen oder Kloakentiere, welche, wie die Vögel, eine gemeinsame Kloakenöffnung Iun die Unterleibseingeweide besitzen. An einem plumpen Körper, der auf dem Rücken und an den Seiten mit igelähnlichen Stacheln besetzt ist, steht ein drehrunder Schnabel vor, der fast einem Schnepfenschnabel gleicht, und aus dessen kleiner Mundöffnung eine lange, wurmförmige — hervorgestreckt werden kann. Sie wohnen in Australien und Neuguinea in Erdhöhlen und sind höchst stumpfsinnig und schwerfällig.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 533Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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