Kameke (Arnold Karl Georg von), preuß. General der Infanterie, einem alten pommerschen Geschlecht angehörig, geb. 14. Juni 1817 zu Pasewalk, wo sein Vater, der 1837 verstorbene Generallieutenant a. D. von K., damals das 2. Kürassierregiment (Königin) befehligte. Auf dem Gymnasium zu Stettin gebildet, begann K. seine militärische Laufbahn 1834 bei der 2. Pionierabteilung, wurde 1836 Offizier und 1848 Premierlieutenant im Ingenieurkorps. Von 1841 bis 1846 wurde K. beim Festungsbau in Posen und Königsberg verwendet, 1848 Adiutant der 1. Ingenieurinspektion und 1850 unter Beförderung zum Hauptmann in den Generalstab versetzt. Zunächst wurde er beim Großen Generalstabe, 1851 beim Generalstabe des 7. Armeekorps verwendet und 1855 unter Beförderung zum Major in den Großen Generalstab zurückversetzt. Von 1856 bis 1858 war K. der preuß. Gesandtschaft in Wien zugeteilt und wurde dann in das Kriegsministerium versetzt. K. übernahm Juni 1861 die Führung des 2. schles. Grenadiertegiments Nr. 11 in Breslau, wurde Okt. 1861 Oberst, 1863 Chef des Generalstabes des 8. Armeekorps, 1865 Generalmajor, bald darauf Chef des Generalstabes des 2. Armeekorps und Mitglied des Ingenieurkomitee zu Berlin. Den Feldzug von 1866 machte er als Stabschef des 2. Armeekorps mit, wurde 1867 zum Inspekteur der 2. Ingenieurinspektion ernannt und noch in demselben Jahre, zunächst interimistisch, an die Spitze des gesamten aenen berufen; 1868 wurde K. Generallieutenant. Am Deutsch-Französischen Kriege 1870 und 1871 nahm er zunächst als Kommandeur der 14. Infanteriedivision teil und kämpfte 6. Aug. bei Spicheren, 14. Aug. bei Colombey-Nouilly, 18. bei Gravelotte, blieb alsdann bei dem Einschließungsheere vor Metz und eroberte nach der Kapitulation dieses Platzes rasch nacheinander die Festungen Diedenhofen, Montmédy und Mezieres. Noch ehe der letztgenannte Platz gefallen war, wurde K. 23. Dez. 1870 nach Versailles berufen, um hier die Oberleitung des Ingenieurangriffs auf Paris zu übernehmen. K. wurde nunmehr (18. Febr. 1871 zum Chef des Ingenieurkorps und der Pioniere und zum Generalinspekteur der Festungen ernannt und 26. Febr. für die Dauer der Besetzung von Paris mit der wichtigen Stellung eines Kommandanten des von den Deutschen besetzten Teils der franz. Hauptstadt betraut. Nach dem Frieden vertrat K. fast ein Jahr lang Preußen im Bundesrate des Deutschen Reichs als Vorsitzender des Ausschusses für das Landheer und die Festungen, wurde 1. Jan. 1873 3 la suite des Ingenieurkorps gestellt und zunt zweiten Chef der Armeeverwaltung mit dem Titel und Range eines Staatsministers, 9.Nov. desselben Jahres an Roons Stelle zum Kriegsminister und 22. März 1875 zum General der Infanterie ernannt. Aus dieser Stellung schied K.3. März 1883 in Genehmigung seines Abschiedsgesuchs und wurde zur Disposition gestellt, blieb jedoch à la suite des Ingenieurkorps und Chef des 2. hannov. Infanterieregiments Nr. 77 und wird deshalb in der Liste der aktiven Generalität weiter geführt.