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AllerleiBrockhaus 1882

Kapbewohner militärpflichtig; 1881 waren 76949 ausgehoben. Die Tafel⸗ und Simonsbai werden durch ehemals holländ. Forts verteidigt. Geschichtliches. Das Kap der Guten Hoffnung wurde schon 1291 von den beiden Genuesen Vivaldi und einigen ihrer Landsleute auf deren Fahrt nach Indien umschifft, aber diese Thatsache blieb ohne Folgen und geriet wieder in Vergessenheit. (Vgl. Pertz in den Abhandlungen der berliner Akademie der Wissenschaften vom 28. März 1859.) Als der Entdecker des Kap gilt daher der Portugiese Bartolomeo Diaz, der es 1486 umschiffte. Er nannte es das Cabo tormentoso oder Kap der Stürme. Diesem folgte dann sein Landsmann Vasco de Gama 1497. Die Portugiesen beachteten indes die wichtige Entdeckung gar nicht, weil ihr Hauptaugenmerk auf Indien gerichtet war. Im J. 1591 erschien die erste brit. Flotte unter J. Lancaster in der Tafelbai und 1595 die erste holländische unter 591 de Molenaar. Durch die 1602 gegründete Holländisch-Ostindische Kompagnie wurde zu Anfang des 17. Jahrh. dem Schiffschirurgen Jan van Riebeek die Einrichtung der ersten Anlagen am Kap übertragen. Doch erst 1652 sicherten sich die Holländer den Besitz des Landes und der spätern Kapstadt durch ein Fort und ständige Besatzung, nachdem schon 1620 die Kapitäne Schilling und Fitzherbert im Namen des Königs von England formell Besitz vom Kap der Guten Hoffnung genommen hatten. Um 1688 pflanzte van der Stell den ersten Constantia-Weingarten, dessen Produkt bald Ruf gewann, sodaß sich die Pflanzungen ausdehnten. Im J. 1739 gründete Schmidt die erste Herrnhuter-Mission zu Gnadenthal; aber die Holländer vertrieben ihn, und erst 50 Jahre später konnte die Station wieder aufgenommen werden. Schon im nordamerik. Freiheitskriege nißt, sind unter C aufzusuchen. versuchten die Engländer einen Angriff auf die Kapstadt, aber ohne Erfolg. Dagegen gelang es denselben, während des franz. Revolutionskriegs 1795 sich in den Besitz des Kaplandes zu setzen, das sie aber im Frieden von Amiens den Holländern zurückgaben. Allein schon 1806 verloren letztere die Kolonie abermals an die Engländer, und im Frieden von 1815trat Holland das Land förmlich an Großbritannien ab. Die brit. Regierung führte völlig andere Verwaltungsgrundsätze ein. Sie begünstigte die Ansiedelung kleiner Landstellen, beschränkte die Weiderechte der zuerst seßhaft gewordenen holländ. Bauern (Boers) und stellte das Grundeigentum nach brit. Kolonialrechte fest. Diese Veränderungen, schlechte Verwaltung, wiederholte Kaffernkriege, welche keine Vorteile brachten, sondern den Zustand der Kolonisten unsicher machten, erregten bei den Boers (. d.) große Unzufriedenheit. Als endlich 1837 die Emancipation der Hottentotten und 1839 der Neger ausgeführt werden sollte, lehnten sich die Besitzer fast allgemein dagegen auf. Gegen 5000 Boers verkauften allmählich ihren Grundbesitz und siedelten sich in massenhaften Auswanderungen (Trecken) unter Führung von Pjeter Retief teils jenseit des Oranjeflusses, teils an der Weihnachtsküste an, wodurch die Kolonie Natal (s. d.) entstand. Obgleich diese Auswanderer fortwährend mit den Kaffern zu kämpfen hatten, weigerten sie sich doch hartnäckig, wieder nach dem brit. Gebiete zurückzukehren, ja erklärten sich sogar von der brit. Herrschaft unabhängig und baten den König von Holland um Schutz. Die brit. Regierung wandte hierauf Waffengewalt an und unterwarf die Ausgewanderten am Oranjefluß, während sie Natal als besondere Kolonie in Besitz nahm. Die Mehrzahl der Boers, geführt von Pretorius, war inzwischen aus Natal westwärts in das Gebiet der nördl. Quellflüsse des Oranjestroms gezogen, wo sie sich neben den Griquas und den durch den Kaffernhäuptling Moselikatze früher aus ihren Wohnsitzen vertriebenen Betschuanenstämmen niederließen. Auch dieses Land wurde 3. Jan. 1848 als brit. Gebiet unter dem Namen Oranje-River-Sovereignity von der Kapregierung in Anspruch genommen. Nach tapferer Gegenwehr unterlagen die Boers, mit denen sich einige Kaffernhäuptlinge verbündet hatten, 29. Aug. 1848 im Treffen bei Boom-⸗Plaats. Pretorius wanderte nun mit der Mehrzahl derselben nach dem obern Vaalfluß und gründete im Norden desselben die Transvaalische Republik (s. d.). Nur etwa 12000 blieben in dem von den Briten beanspruchten Oranjeflußgebiet zurück. Die innere Ruhe der durch den Kafferntrieg vielfach mitgenommenen K. wurde sehr bald wieder gestört, indem die brit. Regierung den Plan faßte, die im Mutterlande zur Deportation verurteilten Sträflinge auch in das Kapland überzusiedeln. Der Unwille der Kapbevölkerung äußerte sich so drohend, daß sich die brit. Minister genötigt sahen, den Beschluß im Febr. 1850 förmlich zu widerrufen. Kaum hatte sich dieser Sturm gelegt, als seit dem Okt. 1850 abermals die Aufstände und verheerenden Einfälle der Kaffern (s. d.) begannen. Nach dem Friedensschlusse vom 9. März 1853 war man bemüht, sich mit den Boers der Oranje-River-Sovereignity in besseres Einvernehmen zu setzen, indem General Catheart 23. Febr. 1854 zu Bloemfontein einen Vertrag abschloß, wonach die Engländer jenes Gebiet aufgaben und als einen besondern Freistaat unter dem Namen Oranje-Rivier-Republik (s. d.) anerkannten. Dieser Vertrag wurde 10. April in London ratifiziert. Auch fand nun die seit 1841 gestellte Forderung einer selbständigen und volkstümlichen Gesetzgebung und Verwaltung bezüglich der K. selbst Gehör. Schon 1850 war der Gouverneur ermächtigt worden, den seit 1834 bestehenden Gesetzgebenden Rat durch Aufnahme der angesehensten Kolonisten zu einem konstituierenden Parlament zu erweitern, das nach gegebenen Grundzügen eine Verfassung des Landes herstellen sollte. Spaltungen unter den Kolonisten und der Kaffernkrieg bewirkten jedoch, daß erst nach dem Frieden 1. Juli 1854 das erste freie Kolonialparlament eröffnet wurde. Zur Sicherung der Grenzen trat der neue Gouverneur, Sir George Grey, in friedliche Unterhandlungen mit den Kaffernhäuptlingen. Dennoch schien eine militärische Bewachung der Grenze nach wie vor notwendig. Die Regierung gewann daher einen Teil der im Orientkriege gebildeten Deutschen Legion und schickte diese Truppen unter Zusicherung von Geld und Land nach dem Kap, wo sie 1857 als Militärkolonisten an den verschiedenen Grenzposten angesiedelt wurden. Die Neugestaltung des Regierungssystems seit 1854 und die Einleitung mehrfacher Verbesserungen, namentlich in Bezug auf den Verkehr, hatten seit 1858 das Zuströmen europ. Einwanderer zur Folge. Zu gleicher Zeit nahm auch der Handel einen bedeutenden Aufschwung, sodaß nach allen Seiten hin eine neue Entwickelung dieser für England so wichtigen Kolonie nicht zu verkennen war. Ein unglücklicher Krieg der Transvaal-Republik mit dem Kaffernhäuptlinge Sekukuni wurde seitens der Regierung der K. dazu benutzt, auch dieses Gebiet der brit. Herrschaft zu unterwerfen und 12. April 1877 als Province of Transvaal dem Reiche einzuverleiben. Dieser Gewaltstreich fand im brit. Parlament nur schüchternen Widerspruch, und die Regierung der K. unterstützte in den folgenden Jahren sogar heimlich die in beständigen Kämpfen gegen die Boers befindlichen Zulukaffern. Anfang 1879 erklärte der brit. Generalgouverneur der K. dem Zulukönige Ketschwayo den Krieg. (S. unter Zulukaffern.) Die Engländer erlitten im Beginne dieses mit unzureichenden Kräften unternommenen Kriegs mehrere Niederlagen, und die Natalkolonie geriet in große Gefahr; doch verhielten sich die Boers ruhig, und es gelang deshalb im September mit Hilfe aus England nachgesendeter Verstärkungen, den Krieg glücklich zu Ende zu führen. Im J. 1880 kam es im Lande der Zulu zu neuen Kämpfen, da der den Engländern bisher befreundete Stamm der Basuto sich weigerte, die allgemein angeordnete Auslieferung der Feuerwaffen zu vollziehen; auch in Ostgriqualand brach ein Aufstand aus, doch gelang es, diesen sowie den der Basuto noch in demselben Jahre zu unterdrücken. Die Boers des Transvaal-Gebietes hatten 1879 bei der Königin von Großbritannien die Wiederherstellung ihrer Unabhängigkeit erbeten und 16. Dez. 1880 dem brit. Oberkommissar, Oberst Sir O. Lanyon erklärt, daß sie Englands Herrschaft nicht mehr anerkennten; sie verfugten über ungefähr 8000 gute, größtenteils berittene Schützen. An brit. Truppen standen im Transvaallande und Natal 3000 Mann und 8 Geschütze, durchweg kriegsgewohnte Soldaten, unter General Sir George Pomeroy Colley. ißt, sind unter C aufzusuchen. Schon vor der Kriegserklärung der Boers waren von Lydenburg her drei brit. Kompagnien nach Pretoria in Marsch gesetzt worden, welche 20. Dez. bei Bronkers Spruit nach viertelstündigem Kampfe und Verlust eines Drittels ihrer Stärke zur Kapitulation gezwungen wurden. Am 18. war Potchefstroom von den Boers genommen worden, und zwischen dem 16. und 22. Dez. wurden die brit. Garnisonen in Pretoria, Wakkerstrom, Lydenburg und Standerton eingeschlossen. Die Besatzung von Potchefstroom mußte sich nach tapferer Verteidigung 21. März 1881, wenige Tage vor dem Friedensschlusse, ergeben, dagegen wurden Pretoria, Lydenburg und Standerton gehalten. Die Kämpfe im freien Felde verliefen sehr unrühmlich für die brit. Waffen. Zwar waren auf die Nachricht von der Erhebung des Transvaallandes aus England und Indien sogleich 4500 Mann abgesendet worden, ebenso eine Fußbatterie aus St. Helena und von der Flotte eine Abteilung Matrosen und Seesoldaten, sodaß die brit. Truppen den Boers an Zahl der Streiter gleichkamen und wegen ihrer Artillerie diesen an Gefechtskraft für überlegen gelten durften: doch wurden sie schlecht geführt und erlagen, zum Teil wegen der sehr schlechten Schießausbildung der brit. Infanterie, berall, wo es zum Kampfe kam. General Colley ging 26. Jan. 1881 über den Ingogo, griff 28. Jan. die von 2000 Boers unter Joubert bei Laings Nek am Drakensberg (im Natalgebiet) besetzte Stellung an, wurde aber zurückgeschlagen, ohne dem Gegner nennenswerten Schaden zugefügt zu haben. Am 8. Febr. erlitt eine aus dem Lager nach Neweastle, dem Depotplatze des brit. Heeres, zurückgesendete Kolonne von 5 Kompagnien bei dem Pachthause Schains Hoogte abermals eine blutige Niederlage und gelangte nur unter dem Schutze eines Orkans überhaupt ins Lager zurück. Am 18. Febr. trafen im brit. Lager vor Laings Nek von Durban her namhafte Verstärkungen ein, und in der Nacht vom 26. zum 27. gelang es, den Majubaberg, den Stützpunkt des rechten Flügels der Boers, unbemerkt zu bejetzen. Diese steile Felsstellung erstürmten jedoch die Boers am folgenden Vormittag unter sehr geschickter Benutzung der örtlichen Verhältnisse mit geringem Verlust. Abermals wurden aus England, Indien und den Mittelmeerstationen bedeutende Verstärkungen nachgesendet, und im März übernahm General Sir C. Wood den Oberbefehl; doch kam es nicht mehr zum Kampfe. General Wood schloß 6. März einen Waffenstillstand, der bis zum 18. März verlängert wurde, wo die Friedenspräliminarien ratifiziert wurden. Die Boers räumten 23. März die Stellung von Laings Nek und lieferten alle Gefangenen aus. Ende Juli 1881 wurde der definitive Friede ratifiziert, worauf die brit. Truppen das nunmehr als unabhängig anerkannte Land der Transvaal-Republik (s. d.) räumten. Das Kapland ist nicht nur der Schlüssel ins Innere von Afrika, sondern die Insel Mauritius, dieser große brit. Reedeplatz und Verteidigungspunkt, kann nur von hier ihren notwendigen Bedarf beziehen. überhaupt gilt das Kap als die Hauptstation und der Waffenplatz der brit. Macht im Atlantischen und Indischen Ocean, hat jedoch seit der Eröffnung des Suezkanals einen großen Teil seiner Bedeutung eingebüßt. Litteratur. Außer den ältern verdienstvollen Werken von Barrow, Lichtenstein, Burchell, Shaw, Arbousset, Chase, Meyer u. s. w. vgl. Bunbury, (Journal ofe a residence at the Cape of Good Hoper (Lond. 1848); Napier, «Excursions in Southern Africa, including a history of the Cape Colonys (2 Bde., Lond. 1849); Kretzschmar, «Südafrik. Skizzeno (Lpz. 1853); Fleming, «Southern Africa, a geography, national history of the colonies and inhabitantso (Lond. 1856); H. Hall, Manual of South African geographys (Kapstadt 1859); Meidinger, «Die südafrik. Kolonien Englands und die Freistaaten der holländ. Boeren in ihren neuesten Zuständen (Frankf. a. M. 1861); Fritsch,Drei Jahre in Südafrikas (Bresl. 1868); Chasa und Wilmot, «Ilistory of the colony of the Cape of Good Hoper (Lond. 1870); Noble, Pescriptive handbook of Uthe Cape Colonys (Kapstadt 1875); Ballantyne, «Six months at the Capeo (Lond. 1880); Granville, «Guide to South Africao (7. Aufl., Lond. 1881); Silver, Handbook to South Africao (Lond. 1881); Wilmot, «Geography of the Cape Colonyp (Lond. 1882); Holub, «Die Engländer in Südafrikad (Wien 1882); The general directory and guide-book to the Cape of Good Hope and its dependencies, as well as the Free State, Transvaal and Natald (Kapstadt 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 86Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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