Gama (Vasco da), berühmter portug. Entdecker, geb. um 1469 zu Sines, einer kleinen Seestadt der Provinz Alemtejo in Portugal, entstammte einer alten Familie und erwarb sich bald den Namen eines kühnen und mutigen Seemanns. Die in der ersten Hälfte des 15. Jahrh. von portug. Königen beförderten oder angeordneten Entdeckungsreisen hatten gradweise die Westküste Afrikas kennen geehrt. Bartolommeo 995 (s. d.) war sogar bis 450 km jenseit des Kaps der Guten Hoffnung gelangt, während andere portugiesische, in Abessinien ausgerüstete Expeditionen die Südküste von Arabien besuchten, aber noch fehlte die Verbindung zwischen diesen Entdeckungen und Indien. Überzeugt, daß sie zu finden sein werde, rüstete Emanuel d. Gr. von Portugal vier mit 160 Soldaten und Seeleuten bemannte Schiffe aus, deren Oberbefehl er G. übertrug. Die kleine Flotte verließ Lissabon 8. Juli 1497 und gelangte, durch Gegenwinde aufgehalten, erst 16. Nov. nach dem jetzt als Tafelbai bekannten Hafen, wo sie für einige Tage ankerte. Am 22. Nov. umschiffte G. die Südspitze Afrikas und wendete sich nach Norden, zu den Mündungen des Zambesi, wo seine Mannschaft vom Skorbut geheilt wurde. Die großen Beschwerden dieser Fahrt vergaß er, als ihn endlich günstige Winde nach Sofala führten, wo er das alte Ophir gefunden zu +* meinte und wo ihm zuerst halbeivilsierte Araber entgegentraten, die mit Asien Seeverkehr unterhielten. Am 1. März 1498 berührte die Flotte Mozambique und lief wäter in Mombas an der Küste von Zanguebar ein. Die dort lebenden Mauren erkannten in den Portugiesen bald dasselbe Volk, welches seit vielen Jahren am entgegengesetzten Ende Afrikas gegen die Mohammedaner einen rücksichtslosen Krieg führte. Sie reizten von jetzt an alle eingeborenen Fürsten gegen die Fremden auf, die mehrfach in große Gefahr gerieten, und welchen es nur in Malinda, unter 3 südl. Br., gelang, freundschaftliche Verbindung auf die Dauer anzuknüpfen und einen aus Gudscherat stammenden Piloten zu erhalten, Unter seiner Leitung gelangte G. 20. Mai nach Calicut an der Malabarküste, wo der Handel der ganzen Ostküste Afrikas, Arabiens, des Persischen Golfs und der Halbinsei Indiens seinen Mittelpunkt fand. Auch hier traten die Mauren den Portugiesen wieder entgegen; indes gelang es dennoch G., dem Fürsten des Landes, dem Tamutiri Radscha (Kaiser von Calicut), Achtung einzuflößen. Zufrieden mit den gemachten Entdeckungen, trat G. den Rückweg an, berührte mehrere der vorher besuchten Häfen und ankerte im Sept. 1499 in Lissabon, wo ihm viele Auszeichnungen, die Verleihung des Adelsstandes und beträchtlicher Einkünfte, auch das Versprechen von künftigem noch größerm Gewinn zuteil wurde. Der König Emanuel sendete sogleich unter Pedro Alvarez Cabral (s. d.) ein Geschwader mit 13 Segeln und 1500 Mann nach Indien, um dort portug. Niederlassungen zu begründen. Nur an wenigen Orten gelang dieses; in Calicut wurden sogar 40 zurückgelassene Portugiesen ermordet. Um diese Unbill zu rächen, vorzüglich aber um sich den ind. Seehandel zu sichern, der Lissabon auf einmal eine früher nicht geahnte Wichtigkeit verliehen hatte, rüstete der König ein neues Geschwader von 20 Schiffen aus, welches unter G.s Oberbefehl 1502 abging. G. gelangte mit 10 Schiffen glücklich an die Ostküste von Afrika, begründete dort die noch bestehenden portug. Kolonien Mozambique und Sofala, segelte zuerst nach Travancore, nahm oder versenkte unterwegs alle dem Tamutiri Radscha gehörenden Schiffe und zwang diesen durch Beschießung der Hauptstadt Calicut und Vernichtung einer Kriegsflotte von 29 Schiffen zum Friedensschlusse und zu Entschädigungen. Hatte dieser mit Entschlossenheit und Klugheit aumng Zurch Akt der Rache oder doch der emgestoßt, urcht vor der Macht der Portugiesen eingeflößt, so wurde der Ermiß auf der andern Seite durch manche mit einheimischen Fursten vorteilhaft geschlossene Bündnisse befestigt. So schnell war G. zu Werke gegangen, daß er schon 20. Dez. 1503 mit 13 reich beladenen Schiffen wieder in Portugal eintraf. Während G. in Vaterlande die wohlverdiente Ruhe genoß, regierten nach und nach fünf Vizekönige über die portug. Besitzungen in Indien. Der letzte derselben, Eduard de Menezes, hatte so viel Unglück, daß der König Johann III. sich entschloß, G. nach dem Schauplatze Heldenthaten wieder abzusenden. Bereitwillig übernahm der edle Mann das Amt eines Vizekönigs. Er segelte mit 14 Schiffen 1524 ab, entwickelte die gewohnte Festigkeit und Klugheit und stellte das portug. Ansehen in Raenn wieder her. Mitten in diesen großen Erfolgen wurde er aber 24. Dez. 1524 zu Cotschin vom Tode ereilt. Seine Reste wurden nach Portugal gebracht und dort aufs feierlichste bestattet. Im Charakter G.s fanden sich Entschlossenheit mit Vorsicht und großer Geistesgegenwart gepaart. Durch Gerechtigkeit, Treue und Ehrenhaftigkeit ragt er über die Mehrzahl der großen Entdecker und Eroberer seiner Zeit hervor. Die Geschichte seiner Entdeckungen schrieb Barros (s. d.); Camões .— sie in den Lusiadaso zum Gegenstande poetischer Behandlung. Vgl. Peschel, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen (Stuttg. 1877); (Vlämisches Tagebuch über Vasco da G.s zweite Reise 1502—3 (herausg., übersetzt und erläutert von Stier, Braunschw. 1880).