FeedKapodistrias (Giovanni Anton, Graf)
GeschichteBrockhaus 1882

Kapodistrias (Giovanni Anton, Graf), Präsident des griech. Staats 1827—31, geb. zu Korfu 11 41 1776, stammte aus einem edeln Geschlecht, das von seiner ursprünglich dalmatinischen Heimat, der Stadt Capo d'Istria bei Triest, den Ramen führte und schon seit dem 14. Jahrh. auf den Nadu hen Inseln in Ansehen stand. K. studierte zu Padua außer der Philosophie und den alten Sprachen mit besonderm Eifer die Heilkunde. Er erhielt 1800 als Senatssekretär den Auftrag, die Verwaltung der Inseln Cephalonia, Ithaka und Sta.⸗Maura N. ordnen. Auch blieb er seitdem Mitglied der Regierung der Republik «der sieben vereinigten Inselno. Seit 1807 (nach Abtretung der Inseln an Frankreich) lebte er als Privatmann auf seinen Gütern auf Korfu, bis er sich 1809 in Petersburg im Departement der auswärtigen Angelegenheiten anstellen ließ. Er wurde 1811 der russ. Gesandtschaft in Wien beigegeben, aber schon 1813 nach dem Hauptquartier der russ. Armee berufen, wo er bis 1815 an den Unterhandlungen in Wien und Paris, sowie in Betreff der Schweiz den größten Anteil hatte. Im Auftrage des Kaisers Alexander J. unterzeichnete er am 20. Nov. 1815 den zweiten Pariser Frieden und ward 1816 zum Minister des Auswärtigen erhoben. Im Sommer 1822 nahm K. seine Entlassung aus dem russ. Staatsdienste und begab sich nach der Schweiz, von wo aus er die Sache der Griechen unterstützte. Von Genf wendete er sich im März 1827 nach Paris, wo er im Mai die Kunde von seiner Wahl zum Präsidenten des neu entstandenen griech. Staats erhielt. Am 24. Jan. 1828 trat er zu Agina die Regierung an. (S. Griechenland.) K. sorgte zwar eifrig für die Ordnung der zerrütteten öffentlichen Zustände, that dies aber im Sinne des «aufgeklärten Absolutismus o des 18. Jahrh., und zeigte sich den Einflüssen der russ. Politik unterworfen. amentiich erbitterte er die liberalen Elemente, namentlich auf Hydra. Zudem verfeindete er sich mit dem mächtigen Geschlecht des Mainotenbeis Petros Mauromichalis (s. d.), und dieser Umstand zog endlich seinen Untergang herbei. Am 9. Okt. 1831 ward er zu Nauplia beim Eintritt in die Kirche St.⸗Spiridion von Konstantin Mauromichalis, dem Bruder des Petros, und Georg Mauromichalis, des letztern Sohne, ermordet. Vgl. K. Mendelssohn-Bartholdy, «Graf Johann K. » (Berl. 1864). Biaro K., der älteste der Brüder des Präsidenten, wurde im April 1828, bis zu welcher Zeit er als Rechtsgelehrter in Korfu gelebt hatte, Mitglied des «Panhelleniono für die Abteilung des Kriegs und der Marine, bald darauf außerordentlicher Gouverneur der Westsporaden, in welchen Stellen er sich durch sein despotisches Benehmen ehiel machte. Nach Auflösung des Panhellenion er hielt er das Ministerium des Kriegs und der Marine. Im Sept. 1831 entfernte ihn der Präsident von aller Teilnahme an den Staatsgeschäften, worauf er nach Korfu zurückkehrte, wo er 1842 starb. Augustin K., ein jüngerer Bruder des Präsidenten, geb. 1778, studierte zu Korfu ebenfalls die Rechtswissenschaft und ging 1828 nach Griechenland, wo er vom Präsidenten zu dessen Stellvertreter in Ost⸗ und Westgriechenland ernannt wurde, aber im ganzen nur geringe militärische und politische Fähigkeiten bewährte. Nach der Ermordung seines Bruders wurde er Präsident der Provisorischen Regierung, mußte aber infolge des bewaffneten Aufstandes der Syntagmatiker, der mächtigen Oppositionspartei, 9. April 1832 abdanken und kehrte nach Korfu zurück, wo er im Mai 1857 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 89Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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