Karezag lauch Kardßag), Stadt mit geregeltem Magistrat im ungar. Komitat Jazygien-Großkumanien, Station der Linie Czegled-Großwardein der Ungarischen Staatsbahnen, ist Sitz eines königl. Gerichtshofs und zählt (1880) 15825 C., Magyaren kath. und reform. Konfession. In der fruchtbaren Umgebung wird großartiger Melonenbau getrieben. Kardamomen heißen die im Handel vorkommenden, mehr oder minder deutlich dreikantigen, dreifächerigen Kapselfrüchte einiger zu den Gattungen Amomum und Elettaria aus der Familie der Zingiberaceen gehörenden Arten, welche in Ostindien und auf den Molukken, Sunda-⸗Inseln und auf Madagaskar einheimisch sind, und deren Samen als feurig-aromatisches, scharfsschmeckendes Gewürz dienen. Man unterscheidet im Handel mehrere Sorten, deren Abstammung aber noch nicht hinreichend festgestellt ist. Wreit Samen enthalten insgesamt als Hauptbestandteil ein eigentümliches, scharfes, höchst angenehm riechendes, ätherisches Ol (flüchtiges Kardamomenöl), sowie ein fettes dl und gehören zu den stark reizenden, erhitzenden, magenstärkenden Gewürzen. Die jetzt in Europa am häufigsten vorkommenden Sorten sind besonders: die kleinen oder malabarischen K., welche von Elettaria Cardamomum abstammen und am meisten geschätzt werden. Sie sind klein, 8— 13 mm lang, stumpf-dreikantig, kahl, braungelblich oder mehr weißlich und stark längsstreifig. Die darin befindlichen Samen sind 2 mm lang, rötlich- oder gelblichbraun, eckig, sehr uneben und gefurcht-runzelig und besitzen einen sehr angenehm-aromatischen, kampferartigen Geruch und einen sehr starken und feurig-gewürzhaften Geschmack. Die langen oder ceylanischen K., welche von Elettaria media herkommen, sind größer, 2,5 bis 7 em lang, stumpf-dreieckig, blaßbräunlich oder gelblichgrau und stark gerippt. Ihre Samen sind unter allen Sorten am meisten gelblichbraun, übrigens oval, eckig, stark runzelig und von einem gleich angenehmen und kräftigen Geruch und Geschmack wie die der vorigen Sorte. „Seltener und zum Teil sehr selten finden sich aber jetzt in Europa die folgenden Sorten vor: 1) die runden K., welche von Amomum Cardamomum abstammen, fast kugelig-eirund und etwa so groß wie Vogelkirschen sind; 2) die mittlern K., Madagaskar-⸗K., die von Elettaria Cardamomum medium hergeleitet werden, 2 2,6 em lang sind und an den Kanten die Reste eines häutigen Randes tragen; 3) die großen K., welche von Amomum angustifolium abstammen sollen und kolbenförmig, 4 em lang und kaum merklich dreikantig sind; 4 die bengalischen oder Nepal-K. von Amomum subulatum, rundlich-eiförmig, 2,6 bis 3 em lang, oben mit 7—13 festen, kurzen Flügeln besetzt und 2 mm lange, rundlich-eckige Samen enthaltend. Kardätsche (ebenso wie Karde vom lat. carduus, Distel, hergeleitet), eine Art Striegel, die aus den Fruchttöpfen der Kardendistel (Dipsacus fullonum) hergestellt wird, eine Drahtbürste, überhaupt eine steife, scharfe Bürste, mittels deren die Haare der Pferde und des Rindviehs gereinigt werden; außerdem ist K. gleichbedeutend mit Karde, Kratze oder Krempel und wird in diesem Sinn, obwohl veraltet, noch zuweilen in der Streichgarnspinnerei angewendet. Kardätschen, besser Kar dieren (frz. cardage, engl. carding), in der Streichgarnspinnerei soviel wie Kratzen oder Krempeln. Kardätschendistel, s. unter Dipsacus. Karde (frz. charden, carde; engl. teasel, card), in der Tuchfabrikation der aus den Fruchtköpfen der Kardendistel oder aus stumpfwinkeligen Drahthäkchen gebildete wirksame Teil der Rauhmaschine. In der Spinnerei heißt K. der aus Drahthäkchen bestehende Beschlag der Kratz- oder Krempelmaschinen, der entweder die Form von Blättern oder die von Bändern hat (Bandkratzen). Endlich werden auch die Krempelmaschinen selbst K. genannt. Karden, Pflanzen, s. unter Dipsacus. Kardenpflanzen, soviel wie Dipsaceen. Kardentrommel (frz. tambour; engl. gigbarrel, main-cylinder), bei Rauhmaschinen und Krempelmaschinen die mit Karden besetzte rotierende Walze, an welcher der Stoff vorbeigeführt wird. Kardia (grch.), Herz, auch der dem Herzen naheliegende Magenmund; Kardiacum, herzstärkendes Heilmittel; Kardialgie, Herzweh, Herzdrücken, Magenkrampf. Kardia, eine milesische Kolonie im Melantischen Meerbusen am Nordrande der thrazischen Chersonesos, wo diese isthmisch dem Festlande sich anfügt. Auf der andern Seite des Isthmus an der Propontis lag Paktye, wohin der ältere Miltiades von K. aus eine 35 Stadien lange, abschließende Mauer zog. Durch die Gründung des östlich nahegelegenen Lysimachia verlor K. seine frühere Bedeutung. K. ist der Geburtsort des in der Diadochenzeit eine Rolle spielenden Feldherrn Eumenes. Wahrscheinlich ist K. das jetzige Karidia. Kardieren, s. Kardätschen. Kardinal, vom lat. cardinalis (von cardo, d. i. Thürangel), war seit dem Ende des 5. Jahrh. bis gegen das 11. Jahrh. der allgemeine Titel für alle an einer bestimmten Kirche fest angestellten Geistlichen, wurde jedoch seitdem allmählich, zuletzt durch eine ausdrückliche Verordnung von Pius V. 1567, auf das den Papst beratende Kollegium der Bischöfe, Presbyter und Diakonen zu Rom beschränkt, welches durch Nikolaus II. 1059 das Recht der Papstwahl erhalten hatte. Innocenz IV., 1243—54, gab diesen Kardinälen den Rang vor den Bischöfen und den roten Hut, Bonifaz VIII. zu Anfang des 14. Jahrh. den Fürstenmantel, Paul l1. 1464 das Vorrecht des weißen Zelters mit roter Decke und goldenen Zügeln und Urban VIII. 1630 den Titel Eminenz. Die Kardinäle bilden mit dem Papste das Heilige Kollegium und zerfallen in drei Klassen, in 6 K.⸗Bischöfe (von Ostia, Porto, Sabina, Palestrina, Frascati und Albano), 50 K.⸗ Presbyter und 14 K.⸗Diakonen. Die beiden letztern Klassen führen ihre Titel nach den Pfarr⸗ und Stiftskirchen und von den Kapellen in Rom. Der Anteil der Kardinäle am Kirchenregiment besteht, abgesehen vom Papstwahlrecht (. Conela ve), teils in einer beratenden Thätigkeit, mit welcher sie dem Papste in allen wichtigern Angelegenheiten (causae majores) zur Seite stehen sollen, und welche sie in den Konsistorien (s. d.) üben, teils in einem mehr mißt, sind unter C aufzusuchen. selbständigen Einflusse auf die kirchliche Verwaltung durch Leitung der päpstl. Gerichtshöfe und Verwaltungskollegien und durch die Kongregationen ( d.). Die wichtigsten weltlichen Amter der Kardinäle sind auch nach der Annexion des Kirchenstaats (s. d.) bestehen geblieben; es sind die des K.⸗ Staatssekretärs (Minister des Auswärtigen), dem seit 1833 ein K.⸗Staatssekretär für das Innere zur Seite steht, des K.Kämmerers(Camerlengo, Finanzminister) und des K.⸗Vizekanzlers. Ihre Zahl ward von Sixtus V. 1586 auf 70 festgesetzt, entsprechend der Zahl der 70 Altesten IJsraels, obwohl sie nie fast vollständig ist. Die Wahl der Kardinäle erfolgt durch den Papst. Die Namen derer, welche er dazu bestimmt, läßt er in dem Konsistorium mit der Formel «Fratres habebitiso vorlesen. Den Gewählten wird ihre Wahl durch überreichung des Kardinalshutes bekannt gemacht; die Einführung erfolgt unter der Ceremonie des Mundschließens und Offnens, worauf die übergabe des Ringes erfolgt. Die Kleidung der Kardinäle besteht (außer bei Ordensgeistlichen, welche die Farbe ihrer Orden beibehalten) in einem Chorrock mit kurzem Purpurmantel und in einem Käppchen, über welchem sie einen roten oder (bei Trauer im Advent und in den Fasten) violetten Hut (Kardinalshut), aus Seide gewirkt oder von Biberhaaren, mit zwei seidenen, herabhängenden Schnüren, an deren Enden Quasten sind, tragen. Der Nationalität nach sind die Kardinäle größtenteils Italiener; auswärtige, auf Verwendung der betreffenden Fürsten ernannte heißen Kronkardinäle.