Antonelli (Giacomo), Kardinal-Staatssekretär, wurde 2. April 1806 in Sonnino, einem Flecken an der neapolit. Grenze, geboren. Sein Vater, ein Rinderhirt und Holzhauer, stammte aus einer alten amilie der Romagna, die unter ihren Mitgliedern echtsgelehrte, Geschichtschreiber, aber auch Räuber zählte. Nach der Zerstörung seines Geburtsortes, eines berüchtigten Räubernestes, durch die päpstl. Gendarmerie, kam A. nach Rom, wo er in das Große Seminar trat. Hier zeichnete er sich so aus, daß er die Aufmerksamkeit des Papstes Gregor XVI. auf sich lenkte, der ihn, nachdem er die Priesterweihe empfangen, in seine Nähe zog und zur staatsmännischen Laufbahn bestimmte. Er wurde zum Prälaten erhoben und war dann als Assessor beim obersten Staatsgerichtshofe, später als Delegat in Orvieto, Viterbo und Macerata thätig. Der — ernannte ihn 1841 zum Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern, 1844 zum zweiten Schatzmaer im Finanzwesen und 1845 zum Großschatzmeister (Finanzminister) an Tostis Stelle. Als Pius IX. den päpstl. Stuhl bestieg, gesellte sich A., der bisher ein eifriger Vertreter des geistlichen und weltlichen Despotismus gewesen, zu den Liberalen und Reformern und erwarb 16 dadurch die Gunst des neuen Herrschers. Seine Geschmeidigkeit, hinter welcher sich ein energischer Charakter verbarg, verschaffte ihm bald großen Einfluß auf den Papst. Nachdem er 11. Juni 1847 den ardinalshut eralten, trat er in den ersten Ministerrat, mit dessen Bildung Pius IX. seine Reformen 4el. anf Infolge der polit. Stürme des J. 1848 mußte A. auf kurze Zeit vom Staatsruder zurücktreten, aber schon Anfang Marz wurde er wieder Präsident eines liberalen Ministeriums von neun Mitgliedern, unter denen nur drei geistliche waren. A. hielt es unter den obwaltenden Umständen für geraten, mit dem Strome zu schwimmen. Während der Papst 14. März ein wirkliches Staatsgrundgesetz proklamierte, schmeichelte sein Minister der nationalen Stimmung und schickte, ohne bestimmte Instruktionen, ein Armeekorps von 10000 Mann an die nördl. Grenze, das zur Unter-Rachde der Piemontesen in die Lombardei einrückte. ach der Kapitulation der röm. Truppen zu Vicenza (16. Juni 1848) jedoch mußte der Papst auf A.s Andringen das Verdammungsurteil über den Krieg aus-Betamp und erklären, daß er seine Armee nicht zur Dur uwi der Osterreicher abgeschickt habe. Der Unwille des Volks über diesen Abfall von der nationalen Sache äußerte sich in Rom so drohend, daß das Ministerium A. und seine Kollegen zurücktrat und die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten einem Kabinett Mamiani überließ. Trotzdem blieb A. der Ratgeber des Papstes und der eigentliche Leiter der röm. Politik. Auf seinen Rat floh der Papst nach Gaëta, er selbst folgte ihm und wurde mit der Würde eines Staatssekretärs in partibus bekleidet. Als 1849 in Rom die Republik proklamiert wurde, Riächte er in einem Cirkularschreiben die katholächte zur Intervention auf. Gegen seinen Wunsch übernahm diese nicht Osterreich, sondern Frankreich. Nach der Kapitulation Roms verhinderte er die 9 fortige Rückkehr 1rte IX., weil er vorerst das Reaktionswerk ungestört aus der Ferne besorgen wollte. Mit dem Papste kehrte 12. April 1850 auch A. nach Rom zurück. Durch die Gesetze vom 11. Sept. 1850 wurde der Staatssekretär nicht bloß der oberste, sondern der einzige Chef des Staatswesens, während er gleichzeitig als Präsident des Staatsrats einen bedeutenden Einfluß auf die Rechtspflege in der höhern Instanz erlangte. Dazu kam, daß Pius IX. — der Revolution sich mehr auf seine geistlichen Funktionen beschränkte und die Regierung dem Kardinal überließ, welcher seine polit. Gegner aufs strengste verfolgte. Ein bedeutender Gegner erstand der reaktionären olitik des Kardinals in dem Grafen Cavour. enn nachdem rlsa auf dem pariser Kongreß von 1856 die Aufmerksamkeit Europas auf die Mißstände Italiens, insbesondere des Kirchenstaats hingelenkt, sah sich A. in seiner Stellung erschüttert, ie hef er auch im Vatikan selbst an den Jesuiten ie heftigsten Gegner hatte. Doch blieb er im Amt, da er vermöge seiner diplomatischen Gewandtheit dem Papste unentbehrlich war. Er erließ Proteste gegen die Besetzung eines Teils des Kirchenstaats, gegen Veräußerung der Klostergüter in den annektierten Landesteilen, gegen die Ausdehnung des Prinzips der Nichtintervention auf die Kirchen hen Konen An den Vorbereitungen zum Okumenischen Konzil von 1869 nahm A. keinen sichtbaren Anteil, da er als Gegner der wesentlich durch jesuitischen alt zu Stande gebrachten Kirchenversammlung galt. Jedoch suchte er in einer an die österr. Regierung gerichteten Depesche vom 10. Febr. 1870 die Freiheit der Kirche in Aufstellung von Dogmen Dnne der dem Staate zu wahren. Nach dem Abzuge der franz. Truppen aus dem Kirchenstaate im Aug. 187⁰ suchte der Kardinal, da kein Zweifel mehr — war, daß es mit der weltlichen Herrschaft des Papstes einem baldigen Ende entgegenging, h in letzter Stunde Hilfe bei Osterreich und Preußen, jedoch vergeblich. Nachdem die ital. Regierung von Rom wirklich Besitz genommen, beschränkte sich A.d im Sept. 1870 auf eine heftige Protestnote gegen die Occupation. Seitdem verlor A. wesentlich an Einfluß auf den Papst, dessen Stellung zu dem deutschen Kirchenkonflikt und dem durch den Altkatholizismus drohenden Schisma ausschließlich durch jesuitischen Einfluß bedingt wurde. (S. Kirchenstaat und Pius IX.) Am 6. Nov. 1876 starb er in Rom, sein ungeheueres Vermögen ausschließlich seinen drei Brüdern überlassend. Darüber erhob 1877 ein —— Prozeß, welchen eine angebliche Tochter A.s, Gräfin Lambertini, begann um einen Teil der Erbschaft sich zuzueignen. Do wurde sie nach längern Verhandlungen 1879 vom Kassationshofe zu Rom mit ihren Ansprüchen zurückgewiesen, da der Beweis ihrer Abstammung als 99 erbracht erklärt wurde. ntonello da Messina, eigentlich Antonello d'Antonio, ein Maler, dessen Geburt in den Beginn des 15. Jahrh. fällt; seine frühere künstlerische Thätigkeit gehört seinem Vaterlande Sicilien an, nachdem er zuerst in Rom seine Ausbildung erlangt hatte. Um 1473 ließ sich A. in Venedig nieder und soll unter den Künstlern der Venetianischen Schule die Technik der Olmalerei verbreitet haben, welche er, wie es heißt, dem Jan van Eyck 0 d.) abgelernt hatte. In der That war in der spätern Zeit des 15. Nne die Olmalerei bei den Venetianern bereits allgemein verbreitet, während die übrigen ital. Schulen noch im Anfange des 16. Jahrh. großenteils bei der alten Technik der trockenen Temperamalerei verharrten. A. starb um 1493 in Venedig. Seine Bilder sind ziemlich selten; zu ihnen gehören die Kirchenbilder in Messina, mehreres in der Akademie zu Venedig, in der londoner Nationalgalerie, in Berlin und der Heiland am Grabe in Wien. lübrigens herrscht wie über das ganze Leben und Wirken A.s so auch über die Authenticität der meisten unter seinem Namen vorkommenden Gemälde manches Ungewisse.