FeedKehlkopfspiegel (Laryngosköp)
HeilkundeBrockhaus 1882

Kehlkopfspiegel (Laryngosköp), ein Instrument zur Beleuchtung und Untersuchung des Kehlkopfinnern. Schon 1840 hatte der Engländer Liston versucht, vermittelst eines langgestielten Spiegelchens den Kehlkopf von der Mundhöhle aus dem Gesichtssinn zugänglich zu machen, und 1855 veröffentlichte der Gesanglehrer Manuel Garcia in London eine Reihe sehr genauer Beobachtungen über die Stimmbildung, die er mit einem solchen Instrument an dem lebenden Kehlkopfe gemacht hatte; aber erst 1858 wurde die laryngoskopische Untersuchung von Türck und Johann Czermak (s. d.) in die Medizin eingeführt und für die Erkennung und Behandlung von Kehlkopfkrankheiten verwertet. Der K. besteht aus einem kleinen runden oder ovalen Spiegel, welcher an einem Stiele befestigt ist (s. die vorstehende Fig. 1) und bei herausgestreckter und festgehaltener Zunge erwärmt und mit nach unten gerichteter spiegelnder Fläche so in den Rachen eingeführt wird, daß seine Rückfläche sich an das Zäpfchen anlegt und letzteres leicht nach oben drängt. Auf diesen so eingeführten K. läßt man nun, direkt oder durch einen Planspiegel reflektiert, Sonnenstrahlen oder den von einem Hohlspiegel reflektierten Strahlenkegel einer Lampe durch den möglichst weit geöffneten Mund fallen (s. Fig. 2) und veranlaßt den zu Untersuchenden, den Laut ä in möglichst hoher Tonlage anzuschlagen, wobei dann der Blick des Untersuchers in das Innere des zu untersuchenden Kehlkopfes und der Luftröhre, in vielen Fällen selbst bis zur Teilung derselben in ihre zwei Aste, dringen kann. Freilich erfordert die laryngoskopische Untersuchung große Übung und Geschicklichkeit. Vermittelst des K. wird nicht nur das Innere des Kehlkopfes erleuchtet und dem Auge des Untersuchers so zugänglich gemacht, daß die normale oder abnorme Beschaffenheit des Kehlkopfes festgestellt werden kann, sondern auch die Ausführung aller etwa erforderlichen Operationen (Atzungen, Entfernung von Neubildungen u. dgl.) ermöglicht. Die Vornahme derartiger chirurgischer Operationen von der Mundhöhle aus, ohne vorherige blutige Eröffnung vom Halse her, ist Gegenstand der sog. Laryngochirurgie, eines besondern Teils der mißt, sind unter C aufzusuchen. Chirurgie, welcher sich in neuester Zeit besonders durch die Verdienste des tübinger Professors Bruns zu einer wichtigen Spezialität entwickelt hat. Litteratur. Czermak, «Der K. und seine Verwertung für Physiologie und Medizino (Lpz. 1860); Bruns, «Die Laryngoskopie und laryngoskopische Chirurgie v, mit Atlas (Tüb. 1860); Tobold, «Laryngoskopie und Kehlkopfkrankheiten» (3. Aufl., Berl. 1874); Burow, «Laryngoskopischer Atlas v (Stuttg. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 215Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6