Kettenlinie heißt in der höhern Mechanik und Geometrie diejenige (transscendente) krumme Linie, die ein durchaus gleich schwerer, vollkommen biegsamer, undehnbarer Faden annimmt, sobald man ihn an zwei Punkten, deren Entfernung geringer ist als die Länge des Fadens, frei aufhängt. Die K. ist in der Baukunst wichtig, indem Gewölbe, nach derselben ausgeführt, geringsten Druckauf die Widerlager üben. Auf der K. beruht die Kettenbrücke, indem eine Kette frei aufgehängt und auf diese die horizontale Brückenbahn gestützt wird.
Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 251Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei