FeedKettenschiffahrt
VerkehrBrockhaus 1882

Kettenschiffahrt, s. Kettenschleppschiffahrt etteuschleppschiffahrt(Drahtseilschleppschiffahrt, Tauerei, frz. touage, engl. towing) beruht auf der Idee, die Bewegung eines Schiffs und der daranhängenden Schleppkähne zu erleichtern, indem man das Schiff mit einer kontinuierlichen, an der Sohle des Flusses oder Kanals gelegten, an den Enden verankerten Kette (oder einem Seile) derart verbindet, daß letztere sich über zwei am Schiffe angebrachte Trommeln auf- und abwickelt und dadurch feste Stützpunkte für die Vorwärtsbewegung schafft. Die Trommeln werden durch eine Dampfmaschine in Umdrehung versetzt. Das Kettenschleppschiff besitzt vorn und hinten je einen Ausleger, von denen der vordere die Kette auf das Schiff und die Trommeln führt. Um diese Trommeln windet sich die Kette und wird dann durch die Rollen des Auslegers am Hinterteil des Schiffs ins Flußbett zurückgeführt. Die Steuerung besteht aus zwei Steuern, einem vordern und einem hintern, die parallel gestellt sind und das Schiff nach Bedürfnis zur Seite — — lassen. Je nachdem die Trommeln von der Maschine nach rechts oder links gedreht werden, macht das Schiff eine Vorwärts⸗ oder eine Rückwärtsbewegung. Die K. hat Borwilr der gewöhnlichen Schleppschiffahrt den Vorteil größerer Skonomie und besserer Ausnutzung der Maschinenkraft insbesondere beim Transport stromaufwärts. Masten und Takelage können auf den Schleppkähnen ganz wegfallen. Die Weidrotrung derr kann vermindert werden. Die Beförderung der Güter erfolgt rascher und unter Innehaltung genauer Lieferungsfristen. Die Idee der K. ist schon alt; die ersten Versuche damit im großen wurden 1820 von Courteaud und Tourasse auf der Saöne angestellt; die Fortbe-Lenmiet geschah jedoch noch in der Art, daß, während ein Schiff eine Strecke von 1000 m befuhr, eine lanasn solche Strecke erst vorweg mit einer gleichlangen Kette belegt werden mußte und so fort abwechselungsweise. Die K. in ihrer jetzigen Vervolllommnung ist aber erst seit 1853, und zwar auf der Seine, in ara Maadehr In Deutschland gebührt der Hamburg-Magde zieies Sytem merst in kompagnie das Verdienst, dieses System zuerst in Anwendung gebracht . haben (1866), und zwar auf der 5 km langen Strecke von Neustadt-Magdeburg bis Buckau, welcher bald darauf die Strecke Neustadt-Hamburg folgte. Die Deutsche Elbeschifffahrtsgesellschaft in Dresden betreibt den Schleppdienst auf der Elbe mit 26 Kettendampfern, auf der Saale mit 1 Kettendampfer, welche 32—54 m lang, 4,57—7,½7 m breit und 69—266 Pferdekräfte stark sind. Die Prager Dampf⸗ und Segelschifffahrts-Gesellschaft baute die Linie von der Landesgrenze bis Leitmeritz. Auf der Havel und Spree wurde im Runß 1882 die Kettenschiffahrt von der Deutschen Krahngesellschaft (10 Dampfer) eingerichtet, welche nach Vollendung der Kette bis Hamburg einen unmittelbaren Verkehr zwischen Berlin und mng der à hergestellt hat. Ferner ist die Ein-Pasau der K. auf der Donau (von Preßburg bis assau), der Oder, der Weichsel und dem Neckar u. m. a. zum Teil schon verwirklicht; im Rhein hat die Tauerei 1877 zwischen Ruhrort und Emmerich begonnen und wurde seither fortgesetzt. Die Kölner Centralgesellschaft für Tauerei auf dem Rhein besitzt acht Seilschlepper, welche hauptsächlich in der Strecke von Bonn bis Bingen fahren. In Frankreich ist sie auf der Seine, dem Rhöne und auf mehrern Kanälen, unter andern auch auf der unterirdischen Strecke des Burgunder Kanals eingerichtet; in neuester Zeit wurden auf diesem Kanal erfolgreiche Versuche mit einer Kette ohne Ende gemacht. In Belgien liegt ein Drahtseil in der Maas, eine Kette in dem Kanal von Charleroi und in dem Kanal, welcher Gent mit der Schelde verbindet, in Holland auf mehrern Kanälen (Beveland, Nordkanal u. s. w.). Am gewaltigsten ist der Tauereiverkehr auf den Kanälen und Flüssen der Vereinigten Staaten von Amerika (Eriekanal, Delaware und Hudsonkanal, Schuylkill und Delaware u. s. w.) entwickelt. Welche erhebliche Ersparnis an Transportkosten durch Anwendung von Dampfkraft bei der Soa i rt erzielt wird, beweist die Thatsache, daß die Kosten der Zugkraft nach Meitzens Untersuchungen bei einem Schifse von 7000 Ctr. Tragkraft unter gleichen Bedinungen pro Centner und deutsche Meile (7,5 km), Ur den Pferdezug auf 0,16 Pfennige, für Dampfkraft (Schlepper) auf 0,04 Pfennige und bei Drahtseiltransmissionen auf 0,01 — 0,02 Pfennige sich stellen. Das Drahtseil (s. 0. wurde zuerst in Amerika und Belgien von O. de Mesnil angewandt und von dem Deutschen Max Eyth verbessert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 252Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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