FeedKeudell (Rob. von)
GeschichteBrockhaus 1882

Keudell (Rob. von), deutscher Diplomat, geb. 27. Febr. 1824 zu Königsberg, stammt aus einem alten, in Kurhessen ansässigen Geschlecht, von dem ein Zweig zu Anfang des 17. Jahrh. nach Ostpreußen übergesiedelt war. In seiner Vaterstadt vorgebildet, studierte K. 1841—45 in Königsberg, Heidelberg und Berlin, wurde 1850 Gerichtsassessor und 1851 Regierungsassessor in Potsdam. Von 1858 bis 1863 war er in Breslau, seit 1862 als Regierungsrat. K.s bedeutsame Thätigkeit beginnt mit dem Herbst 1863, wo er von dem Ministerpräsidenten von Bismarck als Hilfsarbeiter in das Ministerium des Auswärtigen berufen wurde. Er war an Bismarcks Seite in Schleswig-Holstein, in Böhmen und bei den Verhandlungen des J. 1866, begleitete ihn 1867 nach Paris zur Industrieausstellung und folgte ihm 1870 in das Hauptquartier nach Versailles, sowie im Sommer 1871 nach Gastein und Salzburg. K. wurde 1864 vortragender Rat und 1870 Geh. Legationsrat; im Herbst 1869 ging er als Kommissar des Norddeutschen Bundes zur Wahrung der Handelsinteressen desselben bei Eröffnung des Suezkanals nach Agypten. Im J. 1871 vom dritten frankfurter Wahlkreise (Königsberg i. N.) in den Deutschen Reichstag ilonserschloß sich K. dort der Deutschen Reichs⸗(freikonservativen) Partei an. Im Sept. 1872 wurde K Reie außerordentlichen Gesandten des Deutschen eichs in Konstantinopel ernannt, 8. Juni 1873 in gleicher Eigenschaft in Rom akkreditiert; 28. Febr. 1876 erfolgte seine Erhebung zum Botschafter am ital. Hoöfe. Der Armee gehört er seit 1842 an, jetzt als Rittmeister in der Landwehr. Vermählt war K. in erster Ehe mit der einzigen Tochter des frühern preuß. Finanzministers Freiherrn von Patow; seine zweite Gemahlin ist eine Tochter aus der Ehe des Herzogs Ernst von Württemberg (gest. 1868) und der Baronin 46p. geb. Eschborn. Rudolf von K., geb. 1808, der älteste Bruder des vorigen, war Offizier, dann Landwirt und hat sich litterarisch durch die Romane Lätitiav, Außerhalb der Gesellschafto, Bergauv, «Die Politikerv, Das Glückskindo etc. bekannt gemacht. Er war 1849 Rittmeister in schlesw.-holstein. Diensten, nahm 1866 am Deutschen Kriege als Freiwilliger im Berlin. 2. Dragonerregiment teil und starb 1872 in Berlin. Otto von K., ein dritter Bruder, geb. 1810, hHanfangs gleichfalls Offizier, gehörte 1848—49 der rmißt, sind unter C aufzusuchen. Konstituierenden Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt a. M. als Vertreter preuß. und nationaler Richtung (Klub Casino) an, wurde 1851 in die preuß. Erste Kammer gewählt und starb 1853.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 254Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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