FeedKlaugfiguren sind symmetrische Figuren
TierreichBrockhaus 1882

Klaugfiguren sind symmetrische Figuren, welche sich auf einer mit Sand bestreuten Glas⸗, Metall- oder auch Holzscheibe bilden, wenn man ihren Rand mit einem Violinbogen streicht. Wenn man nämlich eine derartige Scheibe an einem passenden Punkte, z. B. in ihrem Mittelpunkte mittels einer Zwinge bae festhält (wie nachstehende Fig. 1 zeigt) oder unterstützt und am Rande mit einem Violinbogen senkrecht zur Ebene der Scheibe streicht, so gerät die Scheibe in transversale Schwingungen, d. h. ihre Teilchen schwingen, wenn die Scheibe horizontal liegt, aufwärts und abwärts. Hierbei teilt sich die Scheibe in 19 Abschnitte, und diese schwingen so, daß, wenn bei horizontaler Lage der Scheibe die Teilchen des einen Abschnitts eine Bewegung nach oben machen, die Teilchen der angrenzenden Abschnitte gerade umgekehrt nach unten sich bewegen, während im nächsten Augenblicke die Teilchen des ersten Abschnitts sich nach unten und die der letztern nach oben sich bewegen. Bei diesen entgegengesetzten Bewegungen der benachbarten Abschnitte müssen natürlich die auf der Grenze zwischen denselben liegenden Punkte vollständig in Ruhe bleiben; man bezeichnet diese Punkte als Schwingungslinien. Wird nun bei horizontaler Lage der Scheibe feiner nißt, sind unter E aufzusuchen. Platten werden an den mit b bezeichneten Stellen gestrichen, während man die mit a beschriebenen Punkte mit dem Fingernagel berührt. Hierbei kommen die Stellen b in die stärkste Schwingung, die Punkte a aber bleiben vermöge der Berührung in Ruhe, wodurch die Figur sich symmetrisch bildet. Die K. von Kreisscheiben bilden konzentrische Ringe (Fig. 3), wenn sie vom Mittelpunkte aus in Schwingungen versetzt werden, z. B. durch Anklopfen im Centrum mit einem Hämmerchen oder durch Streichen, wenn das Centrum durchbohrt ist. Werden Kreisscheiben dagegen im Mittelpunkte eingespannt, so geben sie radiale Figuren und zwar vier Strahlen, wenn der gestrichene Punkt des Randes vom berührten um 45, sechs Strahlen aber (wie in Fig. 3*), wenn der gestrichene Punkt b um 30 vom berührten Punkt a absteht. Für den tiefsten Ton teilen sich die Scheiben in die wenigsten Abschnitte, weshalb zu dem tiefsten Tone stets die einfachste Figur gehört. Je dicher der Ton wird, desto kleiner, also desto zahlreicher müssen die Abschnitte der Scheiben und infolge dessen die K. desto zusammengesetzter erscheinen. Zu jedem Tone, welchen eine Scheibe gibt, gehört eine besondere K., welche der für diesen Ton nötigen Schwingungsart der Platte entspricht. Bei an Größe und Clasticität verschiedenen Scheiben entspricht aber ein und dieselbe Einteilungs⸗ und Schwingungsart, also auch dieselbe K., sehr verschiedenen Tönen. Der Entdecker der K. war (1787) der Akustiker Chladni (s. d.), und Eufthre hat dieselben auf lauter Kurven zurückzuführen gesucht (1825—33); eine Theorie derselben hat, auf Grund eines Gedankens der Gebrüder Weber (1825), Wheatstone (1833) versucht, welche dann auch später (1862) von König durch Versuche bestätigt worden ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 318Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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