FeedKlenze (Leo von)
BaukunstBrockhaus 1882

Klenze (Leo von), berühmter Baumeister, geb. 29. Febr. 1784 auf dem Gute seines Vaters im Fürstentum Hildesheim, studierte auf dem Carolinum zu Braunschweig, auf der Bauakademie in Berlin und der Polytechnischen Schule in Paris. Nachdem er eine Kunstreise nach Italien unternommen, wurde er 1808 Hofarchitekt des Königs Jeröme von Westfalen und 1815 als Hofarchitekt nach München gerufen. Seine erste bedeutende Leistung war hier die Glyptothek. Dann folgten der Palast des Herzogs von Leuchtenberg, die königl. Reitschule und eine große Menge von Privathäusern, bei denen er den Renaissancestil in Anwendung brachte. Bereits 1819 wurde K. Hofbauintendant, Oberbaurat und Vorstand der Oberbaubehörde im Ministerium des Innern. Das Odeon und der eine Flügel des Kriegsministeriums, beide in der Ludwigs-⸗ straße, gehören mit dem größten Teile der Privathäuser dieser Straße zu den Schöpfungen K.s; so auch der Palast des Herzogs Max, die Arkaden mit dem Bazar. Im J. 1826 begann der Bau der Pinakothek, der in zehn Jahren beendigt wurde; ihm folgte der Bau des königl. Schlosses; zugleich wurde die Allerheiligenkapelle, eine mit außerordentlicher Pracht im byzant. Stile ausgeführte Kirche, erbaut. Auch der 18.Okt. 1833 zum Andenken an die im Freiheitskriege gefallenen Bayern aus Siegestrophäen errichtete Obelisk ist K.s Erfindung. Im folgenden Jahre reiste K. nach Griechenland, um bei Fixierung des Plans der neuen Stadt Athen und des neuen Schlosses mitzuwirken. Schon 18. Okt. 1830 war der Grundstein zur Walhalla (s. d.) bei Regensburg gelegt worden. K. konzipierte und vollendete auch dieses Bauwerk, welchem unmittelbar darauf 1836 der Beginn der Ruhmeshalle bei München folgte. Nach diesem gleichfalls dor. Bau, der in zehn Jahren zu Stande gebracht ward, ging K. noch an die von Gärtner ihm überkommene Beendigung der Befreiungshalle bei Kelheim, deren Plan er vereinfachte. Nachdem er noch das neue Postgebäude in München gebaut hatte, unternahm er 1836 eine Reise nach den Niederlanden, Frankreich und England, um Kanäle, Eisenbahnen u. dgl. zu besichtigen, da seine Wirksamkeit im Vaterlande sich auch auf diese Art Bauten erstreckte. Ein neuer Schauplatz ausgedehnter Thätigkeit für ihn wurde Petersburg, wohin er 1839 eingeladen wurde, um sowohl die innere Anordnung der Isaakskirche zu leiten, als auch einen Palastbau zu beginnen, der die reichen Kunstschätze des Kaisers einschließen sollte. Der ungeheuere Bau (die sog. Eremitage) wurde erst 1851 vollendet und im Frühjahr darauf eingeweiht. Zu 86 Bildern für die Loggien dieses Museums entwarf K. das Programm. Sein letztes Hauptwerk bildeten die Propyläen am Königsplatze in München. K. starb 27. Jan. 1864 in München. Trotz der großen Begabung K.s und seinem umfassenden Wissen fehlt den meisten Bauten K.s die wahre Genialität der Komposition. Er hat das moderne Epigonentum der Imitation alter Paradigmen in der deutschen Architektur eingeleitet. Auch sind die innern Dispositionen seiner Bauten nicht tadellos. Dagegen ist nicht zu verkennen, daß K.s sämtliche Bauwerke einen großen Eindruck machen. K. ubte auch fleißig die Malerei in Ol⸗ und Wasserfarben und lieferte ital. und griech. Landschaften und Architekturbilder. Unter den schriftstellerischen Leistungen K.s sind zu erwähnen: «Versuch einer Wiederherstellung des toscan. Tempels nach seiner histor. und technischen Analogied (Münch. 1822), (Der Tempel des Olympischen Jupiter zu Agrigento (Stuttg. u. Tüb. 1827), «Aphoristische Bemerkungen, gesammelt auf einer Reise nach Griechenland » (mit Atlas, Berl. 1838), ein Buch, das als das artistische Glaubensbekenntnis K.s zu betrachten ist; «Die Walhalla in artistischer und technischer Beziehungo (Text und 12 Kupfertafeln, Münch. 1843).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 336Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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