FeedHittorff (Jacques Ignace)
BaukunstBrockhaus 1882

Hittorff (Jacques Ignace), franz. Architekt, geb. 20. Aug. 1793 zu Köln, erhielt von Jugend auf eine zu dem Baufache vorbereitende Erziehung und ging 1810 nach Paris, wo er an den Architekten Percier und Belanger zugleich Gönner und Lehrer fand. Seine ersten Arbeiten waren einige konstruktive Nutzbauten. Im J. 1814 wurde er sodann zum königl. Bauinspektor, nach Belangers Tode an dessen Stelle zum Hofarchitekten ernannt. Nunmehr mit den wichtigsten Arbeiten beauftragt, besorgte er, gemeinschaftlich mit Lecointe, den Neubau des Schauspielhauses des Ambigu⸗-Comique und die Wiederherstellung des Theatersaals Favart. Ferner lieferte er den Plan zu einem Grabmonument für den Herzog von Berri und die architektonischen Randzeichnungen für das beabsichtigte Prachtwerk über die Krönungsfeier Karls X. Nach der Julirevolution, die ihn einige Zeit von den Staatsbauten entfernte, wurde er bald wieder Regierungs- und Stadtamtsarchitekt. Seit 1832 begann er seine Hauptwerke, die Kirche St.-Vincent de Paul, eine geräumige Basilika im altchristl. Stil, woran 10 Jahre gebaut wurde, sodann die Verschönerung des Concordeplatzes und der Elyseischen Felder, wo er das Fußgestell des Obelisken, fünf Springbrunnen, den Sommercirkus und das Diorama errichtete. Nach mehrjähriger Unterbrechung seiner offiziellen Bauthätigkeit erhielt er 1852 von der neuen kaiserl. Regierung den Auftrag, die Verschönerungen des Concordeplatzes in einigen Teilen abzuändern und die Parkbauten in dem zu einem städtischen Lustwalde umgeschaffenen Boulogner Gehölz zu leiten. Später verfertigte er die Risse zur Anlage der Avenue de l'Imperatrice und der Zugänge des großen Triumphbogens, und in der letzten Zeit baute er die Mairie des ersten Arrondissements und den nebenanliegenden Glockenturm, zwei neugot. Architekturproben, die nicht zu seinen gelungenen Schöpfungen gezählt werden können. Auch in der Kunstlitteratur machte sich H. durch wichtige Werke bekannt. So veröffentlichte er „Architecture antique de la Sicile o (3 Bde., Par. 1826—30) und Architecture moderne de la Sicilep (Par. 1826—35, mit 76 Tafeln), wozu er, wie zu dem vorgenannten Werke, mit seinem Schüler L. Zanth auf einer wissenschaftlichen Reise in Italien die Materialien gesammelt hatte. Ferner gab er heraus Architeècture polychrôme chez les Grecso (Par. 1851, mit Atlas), worin er die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die Bemalung der Gebäude bei den Alten niederlegte, sowie eine franz. übersetzung von William Wilkins“ The unedited antiquities of Atticao (Par. 1832, mit 60 Tafeln). Eins seiner letzten, aber großartigsten Werke war der pariser Nordbahnhof (1861—-65). H. wurde 1853 von der Akademie der bildenden Künste als Mitglied aufgenommen. Er starb zu Paris 25. März 1867.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 272Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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