Bohnstedt (Ludw.), namhafter Architekt, wurde 27. Okt. 1822 zu Petersburg von deutschen Eltern geboren, absolvierte die deutsche Hauptschule St. Petri in seiner Vaterstadt und ierte 1839 —1 in Berlin, an der königl. Bauschule, Kunstalademie und Universität. en Winter 1841—42 verlebte er in Italien und kehrte dann nach Petersburg Riechte wo er 1843 zum efreien Künstlers mit dem Rechte der selbständigen Ausführung von Bauten, 1851 von der wusl. Regierung mit dem Amte eines Oberarchitekten und Conseilmitgliedes des ersten Bezirks im Departement der der Ba und Wegekommunikationen (Ministerium der Bauten) betraut und 1858 zum 3. unt der dortigen Kunstakademie ernannt wurde. Unter den von B. während seines Aufenthalts in Petersburg ausgeführten Bauten sind zu nennen: die Restaurations⸗ und Neubauten des Chinesischen Palais in Oranienbaum und des Küchenpavillons daselbst, das Nonnenkloster der Auferstehung, das Stadthaus und das Palais des Ministers der Reichsdomänen, ferner mehrere Privatbauten in Petersburg, Moskau und Riga (das 1882 abgebrannte Audiennegab Seine amtliche Stellung im Staatsbaudienste gab er 1854 auf. Im J. 1863 verließ B. Rußland und siedelte nach Gotha über, wo er seitdem lebt. Aus dieser beut seines Wirkens stammen eine Anzahl Privatauten in Baden-Baden und Gotha (die Verwaltungsgebäude der Feuerversicherungsbank, der Grundkreditbank und der Privatbank daselbst). Ebenso wird in Portugal die Kathedrale von San-Torquato in Guimaräes nach seinen Plänen auseführt. Seit 1854 hat sich B. an vielen öffentichen Konkurrenzen beteiligt, bei denen er vielfach erste und zweite Preise erhielt, so in Mailand für den monumentalen Gottesacker, in Leiden für den Universitätsbau und namentlich den ersten Preis im Frühjahr 1872 bei der Konkurrenz um das Reichstagsgebäude in Berlin für seinen großartigen und monumentalen Entwurf. B. gehört zu den fruchtbarsten und begabtesten Architekten der Neuzeit, und ist ebenso sehr durch die Mannigfaltigkeit auer Kunstformen, wie durch den Ideenreichtum einer Entwürfe ausgezeichnet. Von der Fülle seiner künstlerischen Produktion zeugt der Umstand, daß 1869 auf der internationalen Kunstausstellung zu München 12 Foliobände seiner Skizzen und Entwürfe ausgestellt waren. B. ist Mitglied der kaiserl. Akademie der Künste in Petersburg und der königl. Akademie der Künste in Berlin.