Kolik (grch., von anov, der Grimmdarm) oder Enteralgie (von reoos, Darm, und dMyos, Schmerz), Bauchgrimmen, Leib- oder Darmschme 9 nennt man im weitern Sinne alle schmerzhaften Affektionen der Gedärme, im engern aber nur diejenigen Schmerzzufälle im Unterleibe, welche nicht von Entzündungen und ähnlichen anatom. Veränderungen der Darmwand abhängen, sondern auf einer Hyperästhesie, d. i. übermäßigen Empfindlichkeit der Darmnerven beruhen; man kann diese Form des Darmschmerzes deshalb auch als eine Neurose im Gebiet des sog. Darmnervengeflechts (Plexus mesenteéricus) bezeichnen. Am häufigsten entsteht die K. durch Auftreibungen des Darms, z. B. durch Gase (Windkolik, colica natulenta), wenn Speisereste im Darm in Gärung und Fäulnis übergehen. Würmer, sowie stagnierende Kotmassen oder fremde Körper (Kirschkerne, Pflaumenkerne u. dgl.) im Darmkanal können gleichfalls K. hervorbringen. Die nach Erkältungen der äußern Haut, namentlich der Füße und des Unterleibes auftretende K. ist wohl rheumatischer Natur. Der Genuß von unreifem Obst und andern unverdaulichen oder schädlichen Substanzen ruft oft K. hervor. Mit großer Regelmäßigkeit tritt die sog. Bleikolik nach Bleivergiftungen (s. d.) auf. Ebenso treten bei manchen Störungen des Nervensystems, besonders bei Hysterie und Hypochondrie, häufig Kolikanfälle nach Gemütsbewegungen oder übermäßigen Geistesanstrengungen ein. Die K. charakterisiert sich durch einen anfallsweise auftretenden, heftig kneipenden Schmerz in der Nabelgegend, gegen welchen der Kranke im Wechsel der Lage, durch Drücken, Reiben und Kneten des Bauchs Erleichterung sucht. Der Schmerz ist oft so heftig, daß die ganze Haltung des Kranken ihn erkennen läßt, Hände, Gesicht und Füße des Kranken werden kalt, es tritt selbst übelkeit und Erbrechen, Harndrang und Harnzwang ein, bis unter plötzlichem Aufstoßen oder Abgang der Blähungen, 91 auch unter Stuhlentleerung Erleichterung oder völliges Aufhören der Schmerzen erfolgt. Beseitigt wird die K. am besten durch eröffnende Mittel (warme Klystiere, Rhabarber, Ricinusöl), zeitweilig durch Opium; auch erweisen sich warme Getränke (Kamillen⸗, Baldrian⸗, Pfefferminzthee u. dgl.) und warme Umschläge auf den Leib während der Anfälle nützlich. Bei sehr heftigen Kolikschmerzen leistet eine subkutane Morphiumeinspritzung treffliche Dienste. Man spricht auch von Nieren- und Gallenkolik. Dies sind in ihren Erscheinungen ebenso heftige Schmerzanfälle wie die eigentliche K., welche entstehen, wenn Steine durch die Harn- oder Gallenwege getrieben werden: die Behandlung ist auch hier eine wesentlich symptomatische. (S. unter Harnsteine, Bd. VIII, S. 858“ und unter Gallensteine, Bd. VII, 4844.) üüber die sog. Menstrualkolik, heftige Schmerzen vor und bei dem Eintritt der Menstruation, s. unter Dysmenorrhöe, Bd. V, S. 6914.