FeedKonditor
Haus & KücheBrockhaus 1882

Konditor (vom lat. condire, d. i. einmachen; frz. Confiseur, engl. confeéctioner), auch Zuckerbäcker genannt, der Verfertiger feiner Back⸗ und Zuckerwaren, welche entweder als Genußmittel oder als Verzierung von Tafeln, Weihnachtsbäumen u. s. w. dienen. Zu den Konditorwaren gehören erstens die eigentlichen Backwaren, als Kuchen, Torten, Krapfen, Biskuit, Marzipan, Zuckerbrezeln, kleines Konfekt u. s. w., zu welchem Teige aus dem feinsten Mehl, Stärke, Zucker, Butter, Eier, Mandeln u. s. w. verwendet werden, wodurch das Konditorgewerbe dem Bäckergewerbe nahe verwandt ist, wie denn auch häufig solche Waren von gewöhnlichen Bäckern nebenbei verfertigt werden. Zweitens gehören zu den Konditorwaren die Zubereitungen des Zuckers, nämlich die Dragées, die in Chokolade u. s. w. nachgebildeten Früchte, die Pralinées, die gebrannten Mandeln, die gekochten Zucker, welche die Kugeln und Stengel aus Gerstenzucker, die Caramellen und die in bedeutender Menge konsumierten Rocks und Drops umfassen, allerlei Figuren, die Fondées, Geléebonbons, Liqueurbonbons und die sonstigen zahlreichen Arten von Bonbons, die Pastillen, Gummipastillen und Pasten, Tropfenpastillen (z. B. Pfefferminzkügelchen), die Nougats, eine Komposition von Zucker und Honig, mit Mandeln und Pistazien gemischt. (S. die Spezialartikel und Canditen.) Drittens gehören hierher die Zubereitungen von Früchten, welche in folgende drei Arten zerfallen: Ganze Früchte, resp. Schnitte derselben oder Wurzeln, in ihrer natürlichen Form belassen (wie die candierten und glacierten Apfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Orangen, Nüsse, Kastanien, Angelika und Kalmus), oder in Zucker und Saft eingelegt; Früchte in Marmelade oder Gelée verwandelt und die aus diesen Früchten und Fruchtsäften bereiteten Sirupe. Viertens rechnet man zu den Arbeiten des K. die Herstellung von Eis (Gefrorenem) aller Art, fünftens diejenige von Dekorationsstücken als Tafelaufsätzen u. dgl., aus Zucker und Backwerk bestehend, und Bauwerke, Figurengruppen, Phantasieornamente u. s. w. darstellend. Außerdem fällt dem K. je nach den lokalen Verhältnissen mehr oder weniger die Fabrikation der Chokolade, die Bereitung geistiger und erfrischender Getränke, von Punsch, Bischof, Mandelmilch und den bezüglichen Essenzen, von Liqueuren, Limonaden, Bowlen, Orgeaden zu. Eine noch weitere Ausdehnung des Betriebs bringt nicht selten der Ortsgebrauch insofern mit sich, als in den Konditoreien namentlich Nord- und Mitteldeutschlands auch Kaffee, Chokolade, Thee und Bier, kalte und selbst warme Speisen gereicht werden, sodaß nach dieser Seite hin der Übergang zur eigentlichen Gastwirtschaft gebildet ist. Die Anfänge des Konditorgewerbes finden sich bereits im Mittelalter. Dasselbe hat sich wohl zuerst an den Höfen der ital. Fürsten ausgebildet; in der mißt, sind unter C aufzusuchen. neuern Zeit treten die K. als besondere Hofoffizianten (Hofkonditoren) an den europ. Höfen auf. Früher kamen vorzüglich geschickte K. aus der Schweiz, speziell aus Graubünden, weshalb die K. auch Schweizerbäcker genannt wurden. Gegenwärtig hat die Konditorei in vielen Städten durch die mit der Anwendung des Dampfes verbundene Entwickelung des Maschinenwesens einen fabrikmäßigen Charakter angenommen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 456Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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