FeedKrabben
TierreichBrockhaus 1882

Krabben oder Taschenkrebse (Brachyura) nennt man die kurzschwänzigen, zehnfüßigen Krebse, deren Hinterleib (Schwanz). sehr kurz, vier⸗ bis siebengliederig, ohne Endflossen, mit einigen Afterfüßen zur Befestigung der Eier versehen ist und,‚ im Leben umgeschlagen, in einer Vertiefung des Bruststücks getragen wird. Das erste Fußpaar ist stets mit Scheren versehen und das letzte Paar der Kieferfüße oder Freßklauen hat breite, platte Glieder und verdeckt die andern Freßwerkzeuge. Die K. sind Wassertiere, und zwar größtenteils Meertiere. Nur die Landkrabben (Gecarcinus) machen eine Ausnahme. Viele K. geben ein geschätztes, aber schwer verdauliches Nahrungsmittel ab, wie die gemeine Flußkrabbe (Thelphusa fluviatilis), welche man in Italien, Dalmatien und Griechenland auf den Markt bringt und in feuchten Kellern mehrere Monate lang am Leben erhalten kann. Die gemeine Maja oder Spinnenkrabbe (Maja squinado), welche die Alten für sehr klug hielten und auf Münzen darstellten, wird überall gegessen. Sehr schmackhaft ist die gemeine Schwimmkrabbe (Carcinus maenas, Tafel: Aquarium, Fig. 16), welche an der europ., vorzüglich adriatischen Küste und in den Lagunen von Venedig zu Millionen gefangen wird. Auch die weichhaarige Schwimmkrabbe (Portunus puber), welche in der Nordsee gefunden wird, ist schmackhaft. Der breite Taschenkrebs (Platycarcinus Pagurus, Tafel: Aquarium, Fig. 8) welcher in europ. Meeren stellenweise häufig ist. wird fast 30 om breit und 5 Pfd. schwer und als wohlschmeckend geschätzt; häufig im Mittelmeere und an der europ. Westküste ist die gemeine Vollkrabbe (Dromia vulgaris, Tafel: Krustentiere, Fig. 19). In Westindien gilt die gemeine Landkrabbe (Gecarcinus ruricola, Tafel: Krustentiere, Fig. 18) oder Turluru als die leckerste Art; sie hält sich an feuchten Orten in Gebüschen und Wäldern auf, wandert aber in großen Scharen zur Zeit der Reife der Eier dem Meere zu, um dort die Jungen ae Einen übergang von den K. zu den langschwänzigen Krebsen (s. Krebse) bilden die Froschkrabben (Kanina, Tafel: Krustentiere, Fig. 17), bei denen der Schwanzabschnitt des Körpers nicht eingeschlagen, sondern oben sichtbar ist. Viele K. durchlaufen, nachdem sie das Ei verlassen haben, eine ziemlich komplizierte Metamorphose; die Larve (Zoëa, Tafel: Krustentiere, Fig. 20), früher als selbständige Krustentiere angesehen, sind langschwänzig und mit Stacheln besetzt und erlangen erst nach verschiedenen Häutungen die definitive Krabbengestalt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 561Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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