Kowno (litauisch Kauna), ein Gouvernement im westl. Rußland, welches 1843 zumeist aus den nördl. Kreisen des litauischen Gouvernements Wilna gebildet wurde und, zwischen Kurland einerseits, Ostpreußen und den russ. Gouvernements Suwalki und Wilna andererseits gelegen, dem alten Samogitien (s. d.) entspricht. Das Gouvernement zählt (1882) auf 40641 qkm 1403 079 C., zur größern Hälfte Litauer und Samogitier, außerdem sehr wenige Russen, dagegen ungleich mehr Polen, Deutsche, Juden und Zigeuner. Flachsfelder und herrliche Wälder nehmen einen sehr großen Teil des Areals ein. Das Holz wird hauptsächlich auf dem Njemen (Memel) und dessen Nebenflüssen verflößt und gelangt so nach Tilsit. Das Gouvernement zerfällt in sieben Kreise. Die Hauptstadt Kowno, an der Linie Wilna-Eydtkuhnen der Petersburg-Warschauer Eisenbahn und am Zusammenflusse des Niemen und der Wilija gelegen, hat ein schönes altertümliches Rathaus, zwei griech., acht kath. und eine luth. Kirche, zwei Gymnasien, von denen eins ein Mädchengymnasium, eine luth. Schule und zwei Volksschulen. Neben dem Rathause steht eine gußeiserne Pyramide zum Andenken an die Befreiung Rußlands von den Franzosen 1812. Die Stadt zählt (1882) 42227 E., darunter 13000 Juden und viele Deutsche. Man braut gutes Bier, vorzüglichen Met (Lippitz) und treibt lebhafte Schiffahrt und bedeutenden Handel mit Getreide und Leinsamen. Am 23. bis 25. Juni 1812 910 bei K. Napoleons I. Hauptarmee über den Njemen und 14. Dez. führte Ney eine Nachhut von 200 Mann an derselben Stelle üüber den Strom zurück. In dem Treffen vom 26. Juni 1831 siegten die Russen unter Malinowsky über die Polen. Etwa 8 km von der Stadt liegt in einem Walde und an der Wilija das prächtige Camaldulenserkloster Poshaiskij-Uspenskij oder Friedensberg, 1674 mit einem Kostenaufwand von 2Mill. Fl. von dem litauischen Großkanzler Christoph Paz erbaut, der mit seiner Gemahlin daselbst ruht. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. X.