FeedKarpfen
TierreichBrockhaus 1882

Karpfen (Cyprinoidei) nennt man eine sehr zahlreiche Familie von Süßwasserfischen, die sich durch weiche Flossenstrahlen und vollkommen zahnlose Kiefer, aber zahntragende üntere Schlundknochen von allen andern Familien unterscheiden. Die Schleien, Barben, Nasen, Weißfische gehören dieser Familie an. Die eigentlichen K. (Cyprinus) haben einen stark zusammengedrückten, großschuppigen Körper, eine lange Rückenflosse mit einem gezähnten Stachel vor dem ersten Strahle und Bärbeb am Maule. Zu dieser Gattung gehört der gemeine Karpfen (C. Carpio, Tafel: Fische II, Fig. 4), ein wahrscheinlich aus China stammender, aber durch den Menschen über den größten Teil von Europa, Java und Nordamerika verbreiteter Fisch, der sich von seinen Gattungsverwandten durch vier kurze Bartfäden und den stark gegabelten Schwanz unterscheidet. Er ist oben olivenbräunlich und an den Seiten gelblich und erst seit 300 Jahren aus Südeuropa allmählich nach Nordeuropa und Amerika verpflanzt. Seine höchste Vollkommenheit erlangt er jedoch nur in den Ländern östlich der Elbe und Oder und in Osterreich. In Deutschland wird der K. sowohl in Flüssen als auch in Seen und Teichen gehegt; nur vermeidet er schnellströmende Gewässer. Die Karpfenzucht macht einen Hauptteil der Teichfischerei aus, besonders auch wegen der starken und leichten Vermehrung. Bloch fand im Bauch eines 9 Pfd. schweren Weibchens (rogenen K.) 600000 Eier und Schneider bei einem 10 Pfd. schweren 700000. Der K. laicht im Juni; er nährt sich von Pflanzenstoffen, Gewürm und Insektenlarven und kann über 40 Pfd. schwer werden. Übrigens hat er ein zähes Leben, sodaß er tagelang, in nasses Moos gepackt, dauern und so mit in Milch eingeweichtem Brote ernährt werden kann. Auch kann er ein Alter von weit über 200 Jahre erreichen. Dieser Fisch ist indes epidemischen Hautkränkheiten ausgesetzt und wird leicht von dem Geruch sumpfiger und schlecht gehaltener Weiher durchdrungen. Als beste Speisekarpfen gelten die fünfjährigen. Als ein echtes Haustier ist er zahlreichen Monstrositäten unterworfen und variiert ganz bedeutend. Eine fast nackthäutige Abart mit drei Reihen großer Schuppen nennt man Spiegelkarpfen oder Karpfenkönig, eine ganz schuppenlose Lederkarpfen und eine von rotgoldiger Farbe wird als Goldkarpfen bezeichnet. In Fischteichen werden die K. sehr zahm und lassen sich sogar durch eine Glocke oder durch Pfeifen daran gewöhnen, zum Füttern herbeizuschwimmen. Die Galle dient zum Färben, Malen und zur Bereitung von Saftgrün; die Schwimmblase wird auch zu schlechter Hausenblase verwendet. Die Karausche und der Gibel (C. Gibelio) gehören ebenfalls zu dieser Gattung und sind in Deutschland gemein. Unter den ausländischen K. ist der bekannteste der aus China stammende Goldfisch.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 150Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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