FeedKrammetsvogel
TierreichBrockhaus 1882

Krammetsvogel nennt man besonders zwei Arten der Gattung Drossel (s. d.), bei denen das Gefieder buntfarbig-braun und die untern Flügeldeckfedern schwarzgrau oder weißlich sind. Der eigentliche K. oder die Wacholderdrossel (Turdus pilaris), auch Ziemer genannt, ist auf dem Oberrücken dunkelbraun, am Bauche weißlich mit schwarzbraunen Längsflecken, an Kopf und Bürzel bläulich-aschgrau und auf den Flügeln ohne Querbinden. Es ist ein im Oktober und November in Deutschland scharenweise eintreffender Zugvogel, der zum Teil den Winter hier verbringt und im März wieder nach dem Norden zurückkehrt. Seine Nahrung besteht aus Insekten und im Winter aus Beeren, besonders aus Ebereschen- und Wacholderbeeren. Wegen des angenehm und gewürzig schmeckenden und leichtverdaulichen Fleisches wird die Verfolgung dieses Vogels im großen betrieben und der Fang besonders durch Dohnen und auf Vogelherden bewerkstelligt. Der große K. oder die Misteldrossel (T. viscivorus) ist oberteils olivengrau, am Schwanze braun und hat auf den Flügeln zwei helle Querbinden. Er ist über ganz Europa verbreitet, doch nirgends sehr häufig und teils Zug-, teils Strichvogel, der mit seinem angenehmen Gesange die Nadelholzwälder belebt. Wegen des wohlschmeckenden Fleisches wird auch dieser Vogel eifrig verfolgt, 9000 wird er wegen seines Gesanges gern im Bauer gehalten. Auf den Märkten werden auch andere Drosselarten, wie die Rotdrossel (T. iliacus) und Singdrossel (T. musicus), unter dem Namen Krammetsvögel feilgeboten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 568Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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