FeedKulm oder Culm (poln. Chelmno)
ErdkundeBrockhaus 1882

Kulm oder Culm (poln. Chelmno), Kreisstadt im Regierungsbezirk Marienwerder der preuß. Provinz Westpreußen, liegt imposant auf steiler Höhe am rechten Weichselufer und an der Bahn Kornatowo-K. der Preußischen Staatsbahnen, ist regelmäßig gebaut, Sitz eines Landratsamts, eines Amtsgerichts und einer Reichsbanknebenstelle, hat vier Kirchen, ein altertümliches Rathaus, ein 1775 Ini Kadettenhaus, ein kath. Gymnasium, ein tealgymnasium und zählt (1880)9937 meist kath. E., welche Getreidehandel und Flußschiffahrt treiben, eine Olfabrik, Eisengießerei, Maschinenfabrik und Hufeisenfabrikunterhalten. Das Bistum Kulm wurde 1243 errichtet; Sitz des Domkapitels war jedoch Kulmsee (s. d.), während der Bischof selbst in Löbau an der Drewenz residierte, bis 1824 Bischofssitz und Domkapitel nach Pelpin (s. d.) verlegt wurde. K. ist die älteste Stadt in Westpreußen und bestand schon vor Ankunft der Deutschen Ritter, welche 1232 das Schloß erbauten. Zur Zeit der Ordensherrschaft hatte es den Vorrang unter den preuß. Städten, bis es 1466 an Polen kam. Seitdem verfiel die Stadt und begann erst, nachdem sie 1773 Friedrich II. in Besitz genommen, sich zu erholen. Schon 1238 erhielten die Städte Thorn und K. eine Urkunde über ihre Freiheiten, die Kulmische Handveste, die 1251 erneuert wurden. Das in derselben der Stadt verliehene Recht wurde 1394 als Kulmisches Recht in fünf Büchern aufgezeichnet. Vgl. Bandtke, Jus Culmensen (Warsch. 1814); Prätorius, «Versuche über die Kulmische Handvestes (Thorn 1842). Der Kreis Kulm, welcher auf 884 qkm (1880) 57225 C. zählt, bildet einen Teil des Kulmerlandes, das, zwischen der Weichsel, Drewenz und Ossa gelegen, sehr fruchtbar, namentlich an Weizen ist. Vgl. Schultz, «Geschichte der Stadt und des Kreises K. bis 14799 (Danzig 1877), Brauns, «Geschichte des Kulmerlandes bis zum Thorner Friedeny (2. Aufl., Thorn 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 660Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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