Kulm (ezech. Chlumeéc), Dorf im Bezirk Aussig des Kreises Leitmeritz in Böhmen, 10km nordöstlich von Teplitz, an der Dux-Bodenbacher Bahn, mit Schloß, Park und (1880) 1005 E., ist merkwürdig durch die Schlacht bei Kulm vom 29. und 30. Aug. 1813, in welcher die Verbündeten über einen Teil der großen franz. Armee unter Vandamme siegten. Das verbündete Hauptheer unter dem Fürsten Schwarzenberg rückte aus Böhmen gegen Dresden vor, nachdem Napoleon I. nach Schlesien marschiert war. Auf die Kunde von jenem Vorrücken kehrte jedoch Napoleon in großer Eile um und entsendete von Stolpen 25. Aug. abends den General Vandamme mit 30000 Mann, der am 27. bei Königstein über die Elbe ging und auf die Nachricht von der Schlacht bei Dresden (I d.) 27. Aug. in Böhmen gegen Teplitz vordrang. Schwarzenberg zog sich über Dippoldiswalde und nach dem Kamm des Erzgebirges bei Teplitz zurück. Den Russen unter dem Grafen Barclay wurde die Heerstraße über Dohna und Gießhübel nach Teplitz angewiesen; aber Barclay drängte sich gleichfalls auf die Straße nach Dippoldiswalde, wodurch er in die österr. Marschkolonnen geriet. Auch den Prinzen Eugen von Württemberg wollte er über Maxen an die Hauptarmee heranziehen, doch erstürmte dieser, inzwischen durch die russ. Garden unter Nermolow verstärkt, den Kohlberg sowie den Engweg von Gießhübel und erreichte 28. Aug. Peterswalde. Ihm gebührt die Ehre, die Armee gerettet zu haben, nicht Ostermann, wie bisher nach absichtlich gefälschten Berichten angenommen worden ist. Im Thalkessel von K. wurde er von der nachdrängenden Übermacht zurückgedrückt. Da erfuhr er durch den König von Preußen die gefahrvolle Lage des im Erzgebirge befindlichen Heeres, bei welchem sich Kaiser Alexander befand. Heldenmütig verteidigten 29. Aug., als Vandamme angriff, die Russen jeden Schritt des Bodens bis 11 Uhr mittags, wo ihre Lage sehr mißlich wurde. Um diese Zeit erschien ein österr. Dragonerregiment, dem bald darauf die leichte russ. Gardereiterei und zwei Kürassierdivisionen unter dem Großfürsten Konstantin folgten. Im mörderischen Kampfe, wobei eine Kanonenkugel Ostermann den linken Arm wegriß, wurde die Stellung bei Arbesau behauptet. Vandamme brach gegen Abend das Gefecht ab und bezog ein Lager bei K. Unterdes aber hatte sich das preuß. Korps Kleist (s. d.) von der durch andere Truppen überfüllten Straße über den Geiersberg auf Nebenwegen nach der großen Straße von Peterswalde gewendet und Schwarzenberg die Russen bei Arbesau bis auf 45000 Mann verstärken lassen. Demzufolge wurde für den 30. Aug. der Angriff auf Vandamme beschlossen, Colloredo und Bianchi von Durx her näher gezogen und Kleist, von dessen Seitenmarsch nach Nollendorf man Nachricht hatte, zur Mitwirkung aufgefordert. Vandamme sollte auf seinem linken Flügel umgangen, zwischen K. und das Gebirge eingeengt und aufgerieben werden. Mit Tagesanbruch griff Barelay, dem die Leitung des Heers 30. Aug. von Schwarzenberg übertragen war, den Feind an, worauf Knorring, Colloredo und Bianchi die Höhen des linken Flügels erstürmten. Noch stand die Schlacht, als um 11 Uhr Kleist von Nollendorf her überraschend in des Feindes Rücken stürmte. Eingeschlossen in den Kessel von K., suchte sich Vandamme nach Nollendorf durchzuschlagen; nur einem Teil der Reiterei gelang es, der Gefangenschaft zu entrinnen. Die übrigen Truppen mußten sich ergeben. Vandamme nebst den Generalen Haxo und Guyot und 10000 Mann wurden, nach einem Verlust von 2 Adlern, 3 Fahnen, 81 Geschützen und 5000 Toten, gefangen genommen. Bei Arbesau erinnern ein preußisches (1817errichtet) und ein dem Fürsten Colloredo-Mansfeld errichtetes österreichisches (1835 errichtet), bei Priesten ein russ. Denkmal (1837 errichtet) an diesen Sieg. Vgl. von Helldorf, «Zur Geschichte der Schlacht von (Berl. 1856); Aster, «Die Kriegsereignisse im Aug. 1813 und die Schlacht bei K.v (Dresd. 1845) und die Schriften von Helfert (Wien 1863) und Uhlich von Uhlenau (Dresd. 1863).