FeedKüste
VerkehrBrockhaus 1882

Küste oder Gestade heißt derjenige Teil des Landes, welcher vom Meere berührt und begrenzt. wird, während man Strand denjenigen Strich des Landes nennt, den das Meer je nach Flut und Ebbe abwechselnd bespült und trocken läßt. Als das Produkt einerseits der primitiven Gestaltung des Landes überhaupt und des passiven Wider-f! standes des starren kontinentalen Elements, andererseits der aktiven Angriffe des flüssigen oceanischen Elements, der Bewegungen seiner Brandung, Flut und Strömung, hat die K. sowohl hinsichtlich ihrer horizontalen Erstreckung oder linearen Entwickelung mannigfaltige Umrisse, als hinsichtlich ihrer vertikalen Erhebung über das Meer und ihres orogr. Baues sehr verschiedene Formen. Je nach seinen Erstreckungen in das Meer hinein bildet das Land Halbinseln, Landzungen, Landspitzen, Kaps oder Vorgebirge, Landengen oder Isthmen. Die Größe der Küstenlänge oder des Litorals, d. i. der Linie, mit welcher ein Land oder ein Erdteil an das Meer grenzt, und welche das Maß seiner Gliederung darstellt, ist im Verhältnis zum Flächeninhalt oder Areal dieses Landes oder Erdteils von der größten Wichtigkeit für die maritime Zugänglichkeit und so für die Leichtigkeit der Kulturentwickelung desselben. In dieser Beziehung bietet Europa unter allen Erdteilen das günstigste Verhältnis dar; hier kommen auf 10000 qkm Flächenraum schon 76,3 km Küstenlänge. Demnächst folgt Amerika (21,7 km), dann Asien (19, Km), hierauf Afrika (9,2 km), zuletzt Australien (1,5 EKm). Insesamt kommen auf der ganzen Erde, die Polaränder und Grönland ausgenommen, auf 10 000 akm 15 km Küstenlänge. Nach ihrer vertikalen Bildung zerfallen die K. in drei Klassen: in Steilküsten, Klippenküsten und inrrn Die Steilküsten bestehen aus zum Meere unmittelbar oder zum Strande abfallenden, oft von Felsen gebildeten Wänden verschiedener Höhe. Das Meer hat an ihnen eine verhältnismäßig große Tiefe, die schnell und plötzlich, dabei gewöhnlich sehr regelmäßig zunimmt oder, wie der Seemann sich ausdrückt, regelmäßige Sonden darbietet. Sie sind in der Regel frei von Klippen und Untiefen, bilden seltener Einschnitte, häufig große Busen und steile vorspringende Vorgebirge. Mitunter ziehen sie in langen Strecken einförmig fort. Sie sind die sichersten und gefagrlosesten, haben, wo sich Schutz gegen die Winde findet, die besten Häfen und erweisen sich daher der Schiffahrt am günstigsten. Die Klippenküsten oder solche, die von Klippen umgeben sind, zerfallen wieder in zwei Arten. Die eigentlichen Klippenküsten sind Steilküsten, die überall mit isolierten, steil aus dem Meere aufsteigenden, durch tiefe Straßen getrennten Felsmassen oder Klippen besetzt sind. Die Korallenklippenküsten sind teils Steil-, teils Flachküsten mit vorgelagerten zahlreichen Klippen und Bänken, welche, durch die unermüdliche Thätigkeit der Korallentiere aufgebaut und beständig verändert, sich (oft in breiten, stufenartigen Absätzen) bis an die Oberfläche des Meers erheben und nicht selten dadurch, daß auf den obersten Schichten das Meer einzelne losgerissene Blöcke, Sand, Pflanzenreste u. s. w. aufhäuft, hervorragende Klippen und flache Inseln bilden. Sie finden sich, da die Korallen, deren Erzeugnis die Klippen sind, am üppigsten in den wärmern Erdstrichen wuchern, meist nur in der Trope Die gewöhnlichste Form der K. sind die Flachküsten, wo das Land sich ganz allmählich bis zum Meere und ebenso allmählich unter dessen Spiegel hinabsenkt. Das Meer hat daher bei ihnen eine geringe Tiefe und enthält oft Sandbänke; die K. selbst sind einförmig und bis auf die Flußmündungen fast ohne Einschnitte. Auf ihnen ist der Strand am breitesten, um so breiter, je geringer die Neigung zum Meere. Gewöhnlich begrenzen den Strand durch das Meer aufgeworfene Dünen (s. d.), die das Land gegen die Fluten des Meers schützen, oft aber auch, wo sie aus beweglichem Flugsande bestehen, durch den Einfluß des Windes in das Innere vorrücken und fruchtbare Landstrecken mit Sand überschütten. Wo Dünen fehlen, legen Kulturvölker zu ihrem Schutze Dämme oder Deiche (s. d.) an; wo beide fehlen oder durch die Fluten zerstört sind, oder wo See⸗ und Flußalluvionen Teile des Meers mehr oder weniger absperren, entstehen stagnierende Gewässer, Sümpfe, Lagunen. Wo jene Alluvionen sich dazu tauglich erweisen, werden sie durch Deiche oder Polder geschützt und in Marschland umgewandelt. Die Flachküsten sind für die Schiffahrt im allgemeinen ungünstig und häufig selbst auf weite Strecken für kleine Fahrzeuge unnahbar, haben selten natürliche Häfen und erfordern die Anlegung und Erhaltung von künstlichen Hafenplätzen. Diese befinden sich meist an Flußmündungen oder Durchbrüchen. Die Form der Flachküsten findet sich am Meerbusen von enedig, im südl., südwestl. und nördl. 4. im 5il. in Holland, Norddeutschland, Dänemark, im östl. China, Koromandel, Persien, Arabien, im größten Teil von Afrika, in Patagonien, Guaiana, am Meerbusen von Mexiko, in den Vereinigten Staaten nordwärts bis Kap Hatteras. Im ganzen Norden der Erde haben sie nackten Felsboden mit sehr geringer Senkung, auf dem sich Sümpfe mit Moos und Torf bilden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 706Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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