FeedLabrädor
ErdkundeBrockhaus 1882

Labrädor heißt im weitern Sinne die größte und nördlichste Halbinsel Amerikas, welche, zwischen 49 bis 63 nördl. Br., 55 bis 79 westl. L. von Greenwich gelegen, im N. von der Hudsonsstraße, im O. durch den Atlantischen Ocean, im W. durch die Hudsons⸗ und Jamesbai, im S. durch den St. Lorenzgolf begrenzt, einen Flächenraum von 1382 900 qkm mit einer Küstenlänge von 5250 km umfaßt. Im engern Sinne bezeichnet L. nur den nordöstl. Teil dieser Halbinsel, der sich an der Küste von der Belle-Isle-Straße und dem Kap Charles bis Kap Chudleigh oder Chidley, d. i. von 52 bis 60 25“ nördl. Br. und landeinwärts fast in Dreiecksgestalt bis etwa 69˙ westl. L. erstreckt. Dieser Teil umfaßt mehrere Tausende von Quadratkilometern mit nur 6827 E. (m Innern schätzt man 4000 Wilde und an den Küsten 1700 Eskimos) und steht unter der brit. Lerd aum von Neufundland, während das übrige zand zum Dominion von Canada (s. Hudsonsbai-Länder) gerechnet wird. Nur das östliche oder eigentliche L. ist einigermaßen bekannt. Das Gestade, von unzähligen Fiorden und Sunden durchschnitten und mit einem Labyrinth zahlreicher feil, rauhr und Klippen besetzt, erscheint überall teil, rauh und finster, 1—200 m, auf der Nordfeite 3—500 m hoch. In geringer Entfernung von der Küste steigen wilde, schneebedeckte Gebirgskämme auf, deren Höhe unter 59½ nördl. Br. hinter dem Aulezavik-Sund auf 1800 m geschätzt wird. An der Küste herrschen Gneis und Granit. Darüber lagert hier und da 60 m mächtiger Alter Rotsandstein; nach dem Innern aber verschwinden die sekundären Schichten. An manchen Stellen zeigt sich Dioritporphyr. Der Labradorstein (s. d.) kommt am schönsten an der Küste von Nain vor. Erratische Blöcke scheinen über das ganze Land zerstreut zu sein. An der Südseite des Melvillesees ziehen sich die 500 m hohen vulkanischen Mealyberge hin. Das Klima ist äußerst rauh, wie nirgends auf der nördl. Halbkugel unter gleicher geogr. Breite. L. gehört zu den unbekanntesten Gegenden Nordamerikas; man hat davon bisher wenig mehr als die Küsten untersucht. Die de trägt längs des Lorenzgolfs und nach der canad. Grenze hin kleine Pappeln, niedrige Kiefern, Birken und Weiden. Nur wenige niedrige Kräuter und Gramineen, zahlreiche Moose und Flechten bilden an den Küsten des nördl. Teils die Vegetation des Landes. Südlicher sind verschiedene beerentragende Sträucher und das Renntiermoos die wichtigsten Erzeugnisse des Pflanzenreichs. Korn reift nicht, wohl aber gedeihen Rüben, Kohl und Kartoffeln, deren Nordgrenze bei Hebron 58˙ 15 nördl. Br. ist hin Europa unter 70 nördl. Br.). Von den übrigen Produkten des Landes sind zu erwähnen, außer dem Labradorstein, Marienglas, Asbest, Eisen, Kupfer, Schwefelkies und Bergkrystall. Das Wild besteht in Renntieren, schwarzen und weißen Bären, Wölfen, Füchsen, Bergkatzen, Hasen, Mardern, Ottern, auch Hermelinen, Igeln und Bibern; Haustiere sind nur Hunde und Renntiere. Der Reichtum des Landes oder vielmehr seines Küstenmeers besteht in Fischen, besonders Kabeljaus, Heringen und Makrelen. Der bedeutendste Sammelplatz der Kabeljaufische ist der Domino-Hafen unter 53½ nördl. Br., zwischen Richethütten und Spotted-Island, auf denen Fischerhütten und Trockenhäuser für die Stockfische erstreut liegen. Die Hälfte des sehr ergiebigen Hungs gelangt auf amerik. Märkte, das übrige hauptsächlich nach Portugal und dem Mittelmeer. Auch die Lachsfischerei und der Seehundsfang sind nicht unbedeutend. Pelzwerk und Federn kommen ebenfalls zur Ausfuhr. Die wenigen Einwohner bestehen aus iinigen schwachen Stämmen von Bergindianern und aus Eskimos, die nur auf der Küste zu wohnen scheinen. L., wie jetzt allgemein angenommen wird, das Helluland (d. h. Steinland), welches Leifr, der Sohn des Isländers Erik des Roten, kurz nach dem J. 1000 von Grönland aus entdeckte, wurde, nachdem die Kunde der Skandinavier längst verschollen, von neuem mit Neufundland zugleich 24. Juni 1497 durch die Venetianer Johann und Sebastian Cabot von Bristol aus entdeckt, sodann von letzterm 1498 wieder aufgefunden, endlich 1501 vom Portugiesen Gaspar Cortereal besucht und benannt. Erst 1610 erforschte Hudson einen Teil der Küsten. Im J. 1770 gründeten Herrnhuter die erste Missionsstation Nain (56² 25 nördl. Br.), dann 1778 die Mission Okkak auf einer Insel (57² 40“ nördl. Br.), 1782 Hoffenthal G5 30 nördl. Br.) und 1828 Hebron (58 15 nördl. Br.), wozu später noch Rama und Zoar kamen. In diesen Stationen der Brüdergemeine wohnten 1876 als Mitglieder derselben 1272 Eskimos. Vgl. Hind, Explorations in the Interior of the L. Peninsulap (2 Bde., Lond. 1867).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 725Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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