Lackarbeiten des Orients. Persien, Indien, China, Japan verwenden Lack zu verschiedenen Zierarbeiten und Gebrauchsgegenständen. Die indischen und persischen zeichnen sich durch ihre schönen blumigen Ornamente aus wie durch ihre reiche Farbenpracht. Auch figürliche Scenen sind auf ihnen dargestellt. Die chines. Arbeiten, Tische, Etageren, Kästchen, sind mit Gold auf schwarzem Lackgrunde flach nin Sie alle müssen aber an Schönheit und Vollendung hinter den japan. Arbeiten zurückstehen. Japan besitzt darin die eigentliche maßgebende Kunst, und seine Lackgegenstände, insbesondere die ältern (vieux laque) stehen überhaupt unter den japan. Kunstarbeiten obenan. Das Material ist in Japan das Harz eines viel kultivierten Baumes Rhus vernicifera, das zu gewissen Zeiten sorgfältig gewonnen wird. Es wird flüssig aufgetragen, getrocknet, geglättet, wieder aufgetragen, wieder geglättet und so fort, je nach der Güte oftmals, und schließlich mit Ornament und Zeichnung versehen und mit Hilfe von Hirschhornpulver poliert. Verschiedene zähe, möglichst nicht reißende Holzarbeiten dienen als Unterlage, auch Elfenbein. Die Gegenstände sind Möbelstücke, Etageren, Kästchen, Schwertgriffe und Schwertscheiden, Schalen und so vielerlei. Vor allem die zierlichsten und vollkommensten Gegenstände sind Parfüm⸗ und Apothekerbüchsen, die mit Knopf und Schnur am Gürtel getragen werden. Der Lack wird in seiner ursprünglichen Farbe, schwarz oder braun, verwendet, aber auch mit verschiedenen Farben gefärbt, so rot, grün, gelb. Mit diesen Farben wird grundiert, sie werden aber auch nebeneinander verwendet. Mit Elfenbein, Perlmutter. Muschel wird häufig inkrustiert. Die glänzendste Verzierung ist mit Gold, auch wohl mit Silber. Goldlack, und zwar insbesondere das alte, ist die kostbarste Art. Die Japaner sind erfinderisch in mannigfacher Art der Verwendung des Goldes. Es wird dichter oder dünner, gröber oder feiner, als Pulver (3. B. aventurinartig) in den Grund eingestreut. Mit Gold werden die Gegenstände der Verzierung, Ornamente, Landschaften, Tierbilder, figürliche Scenen zum Teil hoch im Relief aufgehöht. Die Zeichnung geschieht durch den Pinsel mit außerordentlicher Sorgfalt und Genauigkeit. Jedes Ausweichen der Hand ist ein Fehler, der den Wert sehr verringert. Nirgends ist die Zeichnun — die japan. Kunst mehr charakteristisch als au en Lackarbeiten. Auch die Vollkommenheit der Technik ist außerordentlich; bei den aufeinander geschachtelten Apothekerbüchsen z. B. schließen die Fugen, daß sie völlig verschwinden. Die Feinheit der Arbeit kann vor der Acarteil Lupe bestehen. Die Entstehung der Lackarbeiten geht in sagenhafte Zeit vor Christi Geburt zurück; die eigentliche Ausbildung der Kunst in ihrer mannigfachen Anwendung erfolgte aber erst seit dem 6. Jahrh. n. Chr. Noch heute wird sie in großer Ausdehnung geübt, aber die neuen Arbeiten kommen den alten weder an Technik, Solidität, noch Schönheit und Reichtum gleich. Im 18. Jahrh. haben Franzosen und Holländer vergebens die japan. Lackarbeit nachzuahmen versucht; sie sind auch nicht annähernd ihr gleich gekommen. Heute könnte auch Europa nicht um den gleichen Preis arbeiten wie die Japaner, deren moderne Arbeiten sehr billig sind. Das alte Goldlack ist freilich Antiquität und wird als solche sehr hoch bezahlt in Japan wie in Europa. Vgl. Gonse, L'art japonaiso (1883).