Möbel (frz. meuble), Mobiliar, zunächst der gesamte bewegliche (mobile) Hausrat, dann insbesondere auf die Ausstattung der Wohn⸗-und Schlafzimmer beschränkt. Der Ausdruck des Beweglichen, der ästhetisch dadurch symbolisiert wird, daß die untern Gestelle, Beine oder Füße des M. sich nach unten zuspitzen, wird von den Praktikern häufig verkannt. Heute ist das Mobiliar Tischlerarbeit oder vereinigte Tischler- und Tapezierarbeit. In den ältesten Zeiten war das nicht allgemein Zwar bot sich das Holz überall wegen seiner Zähigkeit, Festigkeit und Konstruktionsfähigkeit als das beste Material dar; daneben aber hat das klassische Altertum im Orient wie in Griechenland und Rom vielfach Marmor und Metall verwendet. Griechenland hatte reich skulptierte Sitze und Tische von Marmor und von Bronze; und ebenso die Römer in der Kaiserzeit. Ihre Lagerstätten von Erz, die mit reicher Polsterung und orient. Decken überlegt waren, finden sich verziert mit Reliefornament wie mit eingeschlagenem Silber. Sessel⸗ und Lagergerüste dieser Art aus Pompeii und Herculanum enthält das Museum in Neapel. Die Römer schätzten aber auch M. von gewissen Holzarten mit schöner Maserung, so vom afrik. Citrus oder Tujabaum, dessen Querschnitte als Tischplatten verwendet wurden. Das M. von Erz kam nach den Zeiten der Völkerwanderung mit dem Verfall aller Technik außer Gebrauch. Das letzte erhaltene Stück ist wohl der Thronsessel des fränk. Königs Dagobert (Paris). Nur Eisen war noch im Mittelalter, insbesondere im frühern, für Bettstellen in Anwendung, ebenso für große und kleine Kisten und Kasten zur Aufbewahrung des Geldes und der Kostbarkeiten, sowie für Leuchter, Feuergerät u. dgl. Im allgemeinen wurde vom Beginn des Mittelalters an das Holz, je nachdem es im Lande voranden war, das durchaus bevorzugte, fast einzige aterial. Anfangs, in der Epoche des roman. Stils, also bis zum 13. Jahrh., war das Holzmöbel flach gehalten und bunte Bemalung, sei es ornamental, sei es mit Figuren, war eine gewöhnliche Verzierung. Aber schon gegen Ende des roman. Stils nahm Reliefschnitzerei Uberhand, welche zumal im Norden mit Bandverschlingungen, Drachen und Schlangen einen eigentümlichen Charakter trug. Diese geschnitzte Reliefverzierung wurde nordwärts der Alpen für das M. des got. Stils durchaus maßgebend und zwar mit strenger Anlehnung an die architektonischen wie vegetabilischen Ornamente dieser Epoche, mit und ohne Färbung oder teilweise Vergoldung. Bei einer Art, die im südl. Bayern und in Ssterreich sehr zu Hause war, wurde der Grund aus der Fläche ausgestochen und blau oder rot gefärbt. Die eigentliche Bemalung der Truhen und Kästen (z. B. mit Wappen und Figuren) hielt sich am längsten in Italien, wo sie in die Intarsia oder Holzmosaik überging, welche mit der Frührenaissance die Flächen der M., insbesondere des Kirchengestühls, zu überziehen begann. Die Gotik hatte hinsichtlich des M. noch die Eigentümlichkeit, daß sie Kästen, Bänke, Betten vielfach mit der Wandvertäfelung verband und sie dadurch immobil, also der Bestimmung widersprechend machte. Auch übte sie wohl die Schnitzerei zu reich, zu zart, zu durchbrochen, sodaß das M. schwer zu reinigen und leicht in seinem Schmuck zu zerbrechen war. Die Renaissance löste wieder das M. von der Wand. Selbstverständlich verwandelte der neue Kunststil, seiner Art gemäß, das Ornament, indem er die Konstruktion, die Zusammenfügung aus strebenden, tragenden und getragenen, aus trennenden und verbindenden Gliedern und flachen Füllstücken beibehielt. Aber bald ging die Renaissance über dieses, der Sache angemessene architektonische Element hinaus, indem sie das ganze Gerät (es ist hier zunächst von ahar Kästen oder Schränken die Rede) in eine scheinbare Architektur, in die Nachahmung einer Palastfagade verwandelte. Diese Art dauerte bis tief in das 17. Jahrh., nur als die Barockzeit kam, wurden die Säulen gewöhnlich gedreht. Gleichzeitig gingen auch mit dem Sitzmöbel allerlei Veränderungen vor. Das Mittelalter hatte im allgemeinen die Bank, auch die Truhe dem Sessel vorgezogen, und der Stuhl mit hoher Lehne, auch wohl mit gezimmertem Baldachin, und mit Armlehnen war Chrensitz gewesen. Gegen Ende des Mittelalters aber erscheinen Sessel, die, häufig recht phantastisch gestaltet, auf dem Prinzip der gekreuzten Beine und des Faltstuhls beruhen. Daneben aber kommt der heute sog. Bauernsessel auf, der richtige Holzstuhl mit reich geschnitzter Lehne und häufig gleicherweise verzierten Unterteilen. Der eigentliche Stuhl, noch ohne Schweifung, mit geradem Rücken und geraden Beinen, kommt erst mit dem 17. Jahrh. in allgemeinern Gebrauch. Mit ihm erscheint zugleich eine andere Veränderung. Das Mittelalter und auch noch das 16. Jahrh. hatten das Sitzmöbel mit Kissen belegt; nun werden diese fest, Sitz und Rücklehne werden gepolstert; die Tapezierarbeitbeginnt. Die weitern Veränderungen des Sitzmöbels gehen nun unter dem Einfluß des neu erstehenden Salons vor sich. Man bedarf mehr Stühle und braucht sie bequem und behaglich. So werden sie im Zeitalter Ludwigs XIV. breiter und gewinnen eine hohe, über den Kopf hinaufragende Lehne; die Armlehnen sind noch ungepolstert. Dann aber, im 18. Jahrh., werden die Lehnen nach der Form des Rückens gebogen und geschweift. Damit entsteht der Rokokofauteuil und das Sofa oder Kanapee. Fast alle heutigen, oft so phantastischen oder willkürlichen Formen des Sitzmöbels beruhen auf der Grundform der Rokokozeit. Nur der oriental Divan ist hinzugekommen und in jüngster Zeit dielenigen Formen, welche man deutsche Renaissance vennt, Formen, die auf den Motiven der ersten teichentn Jahrh. beruhen. und Tische mannigfachen Wechsel erlitten E. Die zum Flachornament, womit Mateich die Außenseiten flach wurden. Diese Marqueterie hatte als Frührenaissance geschmückt. Im 16. Jahrh. war sie dann nach Deutschland und den Niederlanden übergegangen, doch mehr für Luxusmöbel als für gewöhnliche Möbelstücke. Die Zeichnung bildeten farbige oder gefärbte Hölzer mit Ornamenten, Tieren, Figuren, Architekturen und Landschaften. Dieser Holzmarqueterie zur Seite ging die Einlage von Elfenbein in schwarzes oder geschwärztes Holz, auch dem Ursprung nach eine ital. Kunstart, die aber auf feinste Luxusmöbel meist kleiner Dimensionen beschränkt blieb. Gegen das Ende des 17. Jahrh. gewann die Marqueterie über das Reliefornament den Sieg, und Boulle (s. d.) fügte den Holzeinlagen Metall und Schildkrot hinzu. Diese Art war zu kostbar für das gewöhnliche Haus. Aber auch für dieses wurden die M., wenn auch einfacher, mit Marqueterie belegt und poliert. Das hat sich noch bis in unsere Zeit als Rest in den mit Fournierholz belegten M. erhalten. Auch mit den Formen gingen im 18. Jahrh. Veränderungen vor. Das Rokoko, welches die Sitzmöbel krümmte und schweifte, verfuhr ebenso mit den Kästen und insbesondere mit den Tischen und Konsolen, die alle willkürlichen Linien annahmen. In jene Zeit fällt die Kommode. Von diesen Formen kam schon der Stil Ludwigs XVI. wieder zurück, indem er das M. wieder der geraden Linie unterwarf, doch behandelte er es mit affektierter Zierlichkeit. Dieser Stil war es auch, welcher von einer andern Neuerung des 18. Jahrh., der Verzierung des M. mit vergoldeter Bronze, ben meisten Gebrauch machte. Was der Stil Ludwigs XVI. begonnen, führte der Stil Empire in Steifheit und Geziertheit weiter, doch nur für kurze Zeit. Es war auch vergebens, daß er antike Formenmotive, z. B. beim Sitzmöbel, einzuführen suchte. Mit der Restauration im Anfang des 19. Jahrh. kehrten die Rokokomotive wieder zurück, bis neuerdings die Reformen auf dem Gebiete der Kunstindustrie eine Umschaffung des M. im Sinne der Renaissance anstreben, die übrigens zum Teil bereits wieder vom Rokoko verdrängt wird. Eine wohlgeordnete Zusammenstellung der artistischen Litteratur über Formen und Geschichte des M. findet sich im «Katalog der Bibliothek des Osterreichischen Museums» (Wien 1884).