FeedLackmus (engl. litmus, franz. tournesol)
TierreichBrockhaus 1882

Lackmus (engl. litmus, franz. tournesol), ein blauer Farbstoff, welcher gegenwärtig fast nur in Holland in der Weise dargestellt wird, daß man zewisse Flechten, und zwar dieselben, die man zur abrikation der Orseille und des Persio verwendet (besonders Lecanora tartarea Ach., früher auch Roccella tinctoria Dec. und R. fuciformis 4ch½, mit einem Zusatze von kohlensaurem Kali und Ammoniak gären läßt und die infolge der Zersetzung erst rot und später blau werdende Masse mit Gips oder Kreide dergestalt verdickt, daß sie sich zu leichtzerreiblichen Würfeln gestalten und austrocknen läßt. Die Arten der Gattung Roccella, strauchartige Flechten mit rundlichen, knorpeligen, weißgrauen Zweigen, welche schildförmige Früchte an den Seiten tragen, wachsen namentlich an den Küsten des Mittelmeers, der Canarischen, Azorischen und Archipelinseln, auch an den Küsten von England und Schottland, überall nur an Klippen und Felsen, während die Lecanora auf der Erde hin und wieder, in ganz Europa, in großer Menge in Schweden, wo man sie im großen sammelt, vorkommt. Der L. enthält einen ursprünglich roten, durch Verbindung mit Ammoniak blau werdenden, eigentümlichen Farbstoff, das Azolitmin, das sich durch Wasser ausziehen und dann zur Färbung von Papier, Wäsche, Wein, Zuckerwaren u. s. w. verwenden läßt. Da er durch die geringste Spur sreier Säure rot gefärbt wird, so dienen Lackmustinktur und Lackmuspapier in der Chemie als Reagens auf freie Säure. Früher wurde der L. zum Bläuen der weißen Tünche und der Wäsche verwendet, wo er gegenwärtig fast vollständi durch das Ultramarin ersetzt ist. Dem L. ganz 9900 verwandt sind die Farbstoffe, welche man aus Flechten unter dem Namen Orseille (s. d.) in Frankreich, England und Deutschland, unter dem Namen Persio oder Cudbear in England und Schottland verfertigt. Beide Substanzen werden zum Färben, besonders der Seide, häufig gebraucht, haben jedoch seit dem Aufkommen der lebhaftern Anilinfarben nur noch geringe Bedeutung. Der sogenannte

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 732Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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