Lamia war bei den Griechen und hernach auch bei den Römern der Name für ein Gespenst, womit man Kinder zu schrecken pflegte. Sie galt für eine Tochter des Belos und der Libya und wurde wegen ihrer Schönheit von Zeus geliebt, aber von Hera aus Rache ihrer Kinder beraubt. Aus Schmerz hierüber zur Häßlichkeit entstellt, raubte und tötete sie andern Müttern die Kinder. In späterer Zeit nannte man Lamien auch schöne, gespenstische Frauen, welche Jünglinge an sich lockten, um, ähnlich den Vampyren 6 d.), deren Blut auszusaugen. Die Lamien leben in den Ammenmärchen der Griechen bis zur Gegenwart fort.
Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 766Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei