Lamprecht, der Pfaffe, geistlicher Dichter vom Niederrhein, bearbeitete in der ersten Hälfte des 12. Jahrh. nach dem welschen Original eines sonst ganz unbekannten Elberich von Bisenzo (Aubry de Besançgon) ein 4Alexanderlied v. Von dem verlorenen Gedicht des Elberich ist erst neuerdings in einer florentiner Handschrift der Anfang aufgefunden worden (vgl. Pfeiffers «Germaniav, Bd. 1), und daraus ergibt sich, daß das große Lob, welches zuerst Gervinus dem Gedicht erteilte, die geschickte Anordnung, die warme, lebendige Darstellung, so- wie die ernstsittliche Auffassung und Bearbeitung des Stoffs weit mehr dem franz. als dem deutschen Dichter gebührt. Der Inhalt weicht von den geschichtlichen Nachrichten über Alexander d. Gr. vielfach ab und ist aus abend⸗ und morgenländ. Quellen mit den wunderbarsten Sagen vermischt. Das Gedicht hat sich in doppelter Gestalt erhalten; die ursprüngliche, leider nur unvollständig und gegen das Ende abkürzend, gewährt die vorauer Handschrift (gedruckt in Diemers Deutschen Gedichten des 11. und 12. Jahrh.v, Wien 1849), die straßburger Handschrift (berausg. von Maßmann zuerst in den „Denkmälernv, Münch. 1828, dann in dessen Deutschen Gedichten des 12. Jahrh. v, Bd. 1, Quedlinb. 1837) dagegen enthält eine auf Besserung der ungenauen Reime und überlangen Verse ausgehende Überarbeitung. Dazu kommt ein ganz überarbeiteter Text einer baseler Handschrift (herausg. von Werner, Tüb. 1881). Eine kritische Ausgabe (2 Bde., Frankf. a. M. 1850) wurde von Weismann besorgt; die neueste und beste ist die von Kinzel (Halle 1884).