FeedLandino (Cristoforo)
Sport & SpielBrockhaus 1882

Landino (Cristoforo), ital. Gelehrter des 15. Jahrh., verdient um die Wiederbelebung der Dante-Studien in Italien, geb. zu Florenz 1424, widmete sich in Volterra und Florenz dem Studium des Altertums. Er ward 1457 Professor der Rhetorik und Poetik zu Florenz, hierauf zugleich Lehrer von Lorenzo und Giuliano dei Medici. Auch Angelo Poliziano ist durch L. gebildet worden. Später wurde er zum Sekretär der florentiner Signorie ernannt; 1497 zog er sich vom öffentlichen Leben zurück. Er schrieb Kommentare zu Virgil, Horaz, übersetzte des Plinius Naturgeschichtes, lat. Gedichte u. a. m. Am wertvollsten sind seine Disputationes Camaldulenseso (Flor. 1475; Straßb. 1508), namentlich aber sein umfassender Kommentar zu Dantes «Göttlicher Komödie (herausg. von Nicholo di Lorenzo della Magna, Flor. 1481; 27. Aufl., Vened. 1596), welcher noch immer ein unentbehrliches Hilfsmittel für das Studium Dantes bildet. Zur Belohnung dafür schenkte ihm die florentiner Signorie ein in Borgo alla Collina auf dem Walle gelegenes Turmhaus, wo er begraben liegt. L. starb 1504 in Prato vecchio. Landkarten. Das möglichst ähnliche Bild der Erdoberfläche oder eines Teils derselben, durch Zeichnung in einer Ebene dargestellt, nennt man Karte, die Wissenschaft der Kartenbearbeitung, basirt auf die Prinzipien der Projektion (s. d.), also die Lehre und die Kunst, Karten zu entwerfen und auszuführen, Kartographie. Je nach dem größern oder kleinern Maßstabe und der davon abhängigen Darstellungsweise, dem Zweck und Inhalt entsprechend, unterscheidet man topogr. und geogr. oder L., letztere wohl auch kurzweg Karten genannt. Während auf der topogr. Karte größten Maßstabes alle Objekte, welche in der Natur zu Tage treten, einschließlich der Unebenheiten des Erdbodens, in derselben Verbindung und Folge, möglichst auch nach ihrem Grundriß, zum Ausdruck gelangen müssen, welche Darstellungsweise ihre Begrenzung in der Verjüngung der topogr. Generalkarte von etwa 1:500000 findet, kann die L. in dem kleinern Maßstabe die vorkommenden Objekte und Terrain-Furmunde weder alle gleichzeitig geben, noch nach orm und Umfang geometrisch richtig ausdrücken, sondern muß sich dafür besonders angenommener Zeichen bedienen. Die Verjüngung der L., abwärts von 1:500000 der natürlichen Länge, ist sozusagen eine unbegrenzte, und je nach der Größe der Darstellung spricht man von Spezialkarten (früher wohl auch chorogr. Karten genannt), General-oder Übersichtskarten, Planigloben und Universal-oder Weltkarten. Nach dem besondern Gebrauche, welchem eine L. dienen soll, welcher durch das Ausscheiden oder Hervorheben bestimmter Elemente erreicht wird, unterscheidet man je nach dem vorwaltenden Stoffe Gebirgs⸗ oder orogr. Karten, hypsometr. Karten, Fluß⸗ oder hydrogr. Karten, physik., geolog., ethnogr., zoolog., botan., histor., statist. Karten und Ndustriekarten, ferner See-Post⸗, Eisenbahn⸗ und straßenkarten etc. Hand⸗, Schul⸗ und Wandkarten dienen ebenso den schon im Namen liegenden Zwecken und unterscheiden sich durch das Format. Eine systematische Sammlung von Karten heißt Atlas. Da die L. die Objekte, die sie bringt, nach ihrer Anordnung im raßdte und vertikalen Raume versinnlichen soll, so hat die Kunst des Kartographen besonders drei große Schwierigkeiten zu überwinden: die Sphäroidalgestalt der Erde, den Wechsel von Hoch und Tief und die gebotene Verkleinerung im Bilde. Das Problem, das Sphäroid oder einen Teil desselben auf einer Fläche zu vergegenwärtigen, wird durch die Projektion zu lösen gesucht. Die Wahl derselben richtet sich nach dem Zwecke oder nach dem Maßstabe der Karte. Für Seekarten dient gewöhnlich die Mercatorsche Projektion, für vergleichende Darstellungen auf ganzen Hemisphären hat man neuerdings vielfach die homalographische angewendet. Am häufigsten sind im Gebrauch: die ältere Flamsteedsche für äquatoriale Gegenden (wie in unsern Atlanten gewöhnlich für Afrika); die Kegelprojektion von del'Isle für Teile der Erde, welche weniger als die Hälfte einer Hemisphäre einnehmen (wie in unsern Atlanten für die Einzelkarten der europ. Länder), die Bonnesche oder modifizierte Kegelprojektion für größere Teile einer Halbkugel (. B. für das Blatt über Asien). Noch schwieriger ist es gewesen, für die Wiedergabe der Unebenheiten der Erdoberfläche, das orogr. Element, einen gesetzmäßigen Ausdruck zu finden. Auf ältern. Karten wurden die Gebirge durch in landschaftlicher Perspektive gehaltene Haufen oder raupenartig sich hinziehende Höhenschraffen nur höchst mangelhaft angedeutet. Einen Fortschritt bekundete die sog. Altfranzösische Manier der Terrainzeichnung, nach welcher die Terrainbilder nur einseitig, gewöhnlich von Nordwesten her, beleuchtet erscheinen. Erst durch die Einrichtung ausgedehnter Landesaufnahmen gegen Ende des 18. Jahrh. kam mehr mathem. Richtigkeit und Vollständigkeit in die L., und ganz besonders war es die Terrainzeichnung, welche durch Lehmanns Theorie des Situationszeichnens (s. d.), durch Messung zahlreicher Höhenpunkte und die darauf folgende Konstruktion von äquidistanten Niveaulinien in die topogr. Aufnahmeblätter eine sichere Unterlage erhielt. Diese Fortschritte auf dem Gebiete der darstellenden Topographie wurden schrittweise in die L. aufgenommen, welche seitdem immer vollkommener und lesbarer wurden. Gute L. sind eins der wichtigsten Hilfsmittel der Erdkunde. Ihre Vervielfältigung geschieht vermittelst des Kupferstichs oder durch Lithographie. Doch werden L. auch auf Zinn und Stahl gestochen, in Holz geschnitten und sogar auf der Buchdruckpresse hergestellt. Ein neueres Verfahren für die Vervielfältigung ist die Heliogravüre. (S. Heliographie.) Was die Geschichte der L. betrifft, so sind die Fortschritte der Kartographie, wie nicht anders möglich, stets durch die Fortschritte der Erdkunde und der Geodäsie bedingt gewesen. Die Alten konnten demnach L. in unserm Sinne noch nicht besitzen. Die Milesier Anaximander (gest. 547 v. Chr.), Hekatäos und Aristagoras (um 500 v. Chr.) hatten Bilder der damals bekannten Welt auf Metallplatten zu entwerfen gesucht. Weitere Fortschritte bekunden die Arbeiten des Dikaiarchos (um 300 v. Chr.), der unter anderm Zeichnungen von Küstenvermessungen entwarf, die er in Griechenland unternommen. Hipparch, der größte Astronom des Altertums, übertrug die Breiten und Längen des Himmels auf die Erde und führte die stereographische Projektion ein. Marinos von Tyrus, der Begründer der mathem. Geographie, hat das Verdienst, daß er allen wichtigern Orten einen bestimmten Grad der f Länge und Breite anwies. Auf ihn fußte Ptolemäus (s. d.), in welchem die geogr. Wissenschaft des Altertums ihren Höhepunkt erreichte. Die zu seinem Werke gehörigen Karten wurden nicht von ihm f selbst, sondern von Agathodämon (gewöhnlich ins 5. Jahrh. n. Chr. gesetzt) angefertigt. Die Römer hatten Länderzeichnungen in ihrem Staatsarchiv.f Cäsar nahm an den Vermessungen mehrerer Provinzen teil und entwarf selbst L. Eine merkwürdige Probe einer römischen L. ist in der aus dem 5. Jahrh. herrührenden Peutingerschen Tafel erhalten. (S. l Peutinger.) Im frühern Mittelalter erscheinen dagegen die bildlichen Darstellungen der Erdfeste ebenso dürftig wie die Vorstellungen vom Bau der Welt. Die ersten Weltkarten des christl. Mittelalters sind Radkarten ohne jede Projektion, mit dem Mittelpunkte Jerusalem. Die Araber, unfähig die Arbeiten ihrer Astronomen für die Kartographie benutzen, blieben in ihren Darstellungen der Erdoberfläche weit hinter Ptolemäus zurück, wie dies unter anderm die auf uns gekommenen Karten des Edrisi (um 1154) bekunden. Aber auch die Abendländer machten nur sehr geringe Fortschritte, und erst infolge der Erfindung des Kompasses trat hier seit Anfang des 14. Jahrh. plötzlich eine neue Epoche ein. Man zeichnete nun sog. Kompaßkarten (richtiger loxodromische Karten), auf denen der Seemann die Küstenumrisse, nicht wie wir auf ein Netz, sondern in eine Art von Spinngewebe eintrug, dessen Fäden in Kompaßsterne zusammenliefen. Die ersten Karten dieser Art verfaßten Italiener und Catalanen. Die älteste bekannte ist die des Marino Sanuto (1306—24), die merkwürdigste das sog. Catalanische Weltgemäldey eines Anonymus von 1375. Fortschritte zeigen im 15. Jahrh. die Karten des Venetianers Fra Mauro. Inzwischen waren mit dem Aufleben der altklassischen Studien auch die Werke Ptolemäus' mit den Karten des Agathodämon wieder zur Verbreitung gelangt und dessen Ortsbestimmungen bei der Entwerfung von L. benutzt worden (wie z. B. vom Cardinal d'Ailly). Während in der bildlichen Darstellung der Erdoberfläche im 14. und 15. Jahrh. die seefahrenden Völker des Mittelalters, insbesondere die Italiener, in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. deren Schüler, die portug. und span. Lotsen, die erste Stelle einnahmen, begann um die Mitte des 16. Jahrh. die Herrschaft der deutschen Kartenzeichner, die am Schlusse des 16. Jahrh. an die Niederländer überging, denen sie das ganze 17. Jahrh. verblieb. Von Wichtigkeit war das Wirken des Martin Behaim (s. d.), der 1492 einen Erdglobus verfertigte. Joh. Stöffler (gest. 1530) und nach ihm der Nürnberger Joh. Werner führten nach dem Vorbilde der alten Geographen das stereographische Gradnetz ein. Noch weitere Fortschritte führte Mercator (s. d.) herbei, der Erfinder der nach ihm benannten Projektion (1561). Postell wandte 1581 für nördl. und südl. Halbkugelbilder zuerst den noch üblichen stereographischen polaren Entwurf an. Sonst erwarben sich um jene Zeit noch Petrus Apianus (Weltkarte von 1515), Seb. Münster, Albrecht Ortelius und der genannte Mercator um das Landkartenwesen große Verdienste. Die gewöhnlichsten Atlanten waren im 15. und 16. Jahrh. die Karten des Ptolemäus. Auch die großen Atlanten der beiden Rivalen Jansson (seit 1636) und Blaeu (s. d.) legen im ganzen noch die Karten des Ptolemäus zu Grunde, wenn auch schon im 16. Jahrh. von einzelnen Ländern bessere selbständige Arbeiten vorlagen. Dahin gehören einzelne Blätter in des Bellarius Speculum totius Germaniaes (1575), Hennebergers Karte von Preußen (1584) und der Atlas von Bayern des jüngern Apianus (gest. 1584). Letzterer beruht zum Teil auf geometr. Aufnahmen und kann als erster Versuch einer topogr. Karte bezeichnet werden. Die Fortschritte, welche die Astronomie im 17. Jahrh. gemacht, wurden zuerst in Frankreich (Picard, Lahire, besonders Dominique Cassini) für die Verbesserung der L. benutzt. Wesentliche Fortschritte zeigten bereits die Karten von Delisle (1700-25), noch mehr die des gelehrten und kritischen d'Anville (gest. 1782). Diesen reihen sich an Buache, später Jomard, Malte-Brun, Walckenaer. Gegen Ende des 18. Jahrh. wurde mit Desbarres, Rennel, Arrowsmith (gest. 1823) England Sitz der darstellenden Geographie, wo sich infolge der Verhältnisse allmählich der größte Schatz urkundlicher Nachweise für den Kartenzeichner angesammelt hatte. Inzwischen war in Deutschland seit dem Dreißigjährigen Kriege auch auf diesem Gebiete geistige Verödung eingetreten. Die Wiederbelebung der Kartographie hat man hier Homann (s. d.) zu verdanken, der seit 1710 zu Nürnberg arbeitete, und dessen Karten bis gegen Ende des Jahrhunderts in Deutschland das allgemeinste Ansehen genossen. Natürlich war man nur auf Wiederholung fremder Originale angewiesen, da in Deutschland für genauere Landesaufnahmen nur sehr wenig geschehen war und die vorhandenen bessern Karten aus militärischen Gründen sogar geheimgehalten wurden. Ein vollständiger Umschwung in der Kartographie bereitete sich im letzten Viertel des 18. Jahrh. vor, indem einerseits, nach dem Vorgange Frankreichs, fast alle europ. Länder im militärischen, administrativen und anderweitigen Interesse planmäßig vermessen und aufgenommen, andererseits die außereurop. Erdteile durch wissenschaftliche Forschungsreisen mehr und mehr aufgeschlossen wurden. Die erste geometr. und topogr. Karte erhielt Frankreich durch Cassini (s. d.); dieselbe wurde 1793 vollendet. Über die übrigen Unternehmungen dieser Art, von denen mehrere auch in künstlerischer Beziehung als Meisterstücke der neuern Kartographie zu betrachten sind, hat Sydow («Der kartogr. Standpunkt Europas in Petermanns Mitteilungen, Jahrg. 1857 — 71) kritisch berichtet. Ein großer Teil derselben verdankt den Generalstäben der Armeen ihren Ursprung. In den Seestaaten, wie besonders in England, haben die hydrogr. Bureaus treffliche See- und Küstenkarten veröffentlicht. 2 Unter den für ein größeres Publikum berechneten L. haben sich in neuerer Zeit besonders die von Berghaus, Stieler, Stülpnagel, Sydow, Heinrich und Richard Kiepert, Petermann, Lange, Ziegler, Liebenow, Andree, von Haardt, Kettler u. a. die allgemeinste Anerkennung erworben. Als die besten Atlanten für den Handgebrauch sind die von Kiepert (40 Blatt; neue Aufl., Berl. 1876 fg.), Stieler (zuerst Gotha 1817; neue Bearbeitung von Petermann, Berghaus und Vogel; 95 Blatt), Lange (30 Blatt, Lpz. 1877) und Andree (86 Karten, Lpz. 1881) zu nennen. Mehrere Landkartenverleger, wie Perthes' Geographische Anstalt in Gotha, D. Reimer in Berlin, Wagner u. Debes, sowie Hölzel in Wien, F. A. Brockhaus, Velhagen u. Klasing in Leipzig etc. produzieren schon längst nur solche L., welche auch in Bezug auf die Technik der Zeichnung, des Stichs und des Drucks allen Anforderungen genügen und den Erzeugnissen engl. und franz. Anstalten weit überlegen sind. Die neu erscheinenden Karten werden verzeichnet in der «Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin » (1853 fg.), in Petermanns «Geogr. Mitteilungen » (Gotha 1855 fg. und der Registrande des Großen preuß. Generalstabeso (Berl. 1858 fg.). Vgl. auch Zöppritz, „Leitfaden der Kartenentwurfslehrey (Lpz. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 782Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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