Lanfrey (Pierre), namhafter franz. Geschichtschreiber und Politiker, geb. 26. Okt. 1828 zu Chambeéry in Savoyen, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, dann das Collége Bourbon in Paris, studierte die Rechte daselbst, widmete sich aber dann schriftstellerischen Arbeiten. Im J. 1857 erschien von ihm L'église et les philosophes au XVIIIL siècleb, 1858 (Essai sur la révolution frangaised, 1860 (Histoire politiqne des papeso und Lettres d'Everardo, 1863 Etudes et portraits politiques v. Sein Hauptwerk ist die „Histoire de Napoléon I5 (5 Bde., 1867—75, bis zum russ. Feldzug reichend; deutsch, Berl. 1869 —76), worin L. die sog. Napoleonische Legende zu zerstören versucht. In die Nationalversammlung vom Depart. Rhönemündungen gewählt, gehörte er zugleich zum linken Centrum und zur republikanischen Linken. Thiers ernannte ihn zum franz. Gesandten in Bern. Nach dem Sturze Thiers' nahm L. seine Entlassung (24. Mai 1873). Er wurde nun Vizepräsident des linken Centrums, 1875 zum lebenslänglichen Mitglied des Senats ernannt und starb 15. Nov. 1877 in Pau. Von seinen „Oeuyres complêteso erschien der erste Band 1879.