FeedLangensalza
ErdkundeBrockhaus 1882

Langensalza, Kreisstadt im Regierungsbezirk fl Erfurt der preuß. Provinz Sachsen, früher Haupt-t stadt des kursächs. Thüringen, liegt in einer ebenen und fruchtbaren Gegend an der Salza, die in der r Nähe in die Unstrut mündet, und an der Linie z Gotha-Leinefelde der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtsgerichts, eines Landratsamts, sowie einer Superintendentur und zählt (1880) ft 10538 meist prot. E. Unter den vier Kirchen des Ortes zeichnen sich die 1863 restaurierte gotische! St. Bonifacius⸗ oder Marktkirche mit 90 m hohem Turme und drei von zehn Säulen getragenen hohen Schiffen, und die St. Stephans-⸗ oder Bergkirche mit schönem Turm aus. Außerdem sind von Bauwerken hervorzuheben das alte Schloß, früher Witwensitz der herzogl. Linie Sachsen-Weißenfels, jetzt verschiedenen Behörden dienend, das Rathaus mit hohem Turm, ein Krankenhaus u. s. w. An höhern Unterrichtsanstalten sind vorhanden ein Real-Progymnasium und eine höhere Töchterschule. L. hat Kammgarnspinnereien, eine Wollweberei und Tuchfabrik mit Streichgarnspinnerei, eine Baumwollwarenfabrik, eine Sago⸗ und Dextrinfabrik, zwei Malzfabriken, Maschinenbauanstalten, Ziegeleien, Kalkbrennereien und mehrere große Handelsgärtnereien. Die in der Nähe befindliche Schwefelquelle ist mit Badeeinrichtungen versehen. Ursprünglich den Herren von Salza gehörig, erhielt der Ort 1212. Stadtrecht. Am 15. Febr. 1761 siegten bei L. die Preußen und Hannoveraner unter Sydow und Spörken über die Franzosen und Reichsarmee unter Stainville und Klingenberg, und 17. April 1813 bestanden hier die Preußen ein siegreiches Gefecht gegen die Bayern. Bei dem in der Nähe der Stadt gelegenen Kloster Homburg, von dem sich noch Mauerreste vorfinden, schlug Kaiser Heinrich IV. 9. Juni 1075 die Sachsen und Thüringer. In neuerer Zeit wurde L. geschichtlich denkwürdig durch das Treffen vom 27. Juni 1866 und die danach Alacdem Kapitulation der hannov. Armee. achdem die Unterhandlungen zwischen Preußen und Hannover 26. Juni gescheitert, hatten die hannov. Truppen (18 000 Mann unter General von Arentschildt) in der folgenden Nacht Stellung hinter der Unstrut mit dem Hauptquartier in Merxleben bezogen. Bei Gotha stand der preuß. General von Flies mit 8700 Mann. Die preuß. Vorhut besetzte zunächst L. und entwickelte sich südlich der Unstrut zum Angriff auf den Gegner, welchen man dort festhalten wollte, um den preuß. Divisionen Beyer und Manteuffel Zeit zu gewähren, die Einschließung der hannov. Armee zu vollenden. Der rechte Flügel der Hannoveraner drang jedoch gegen Mittag bei Thamsbrück über die Unstrut vor, gegen 1 Uhr begann auch im Centrum der Angriff gegen den Jüdenhügel, während gleichzeitig der preuß. rechte Flügel von Nägelstedt her umfaßt wurde. Das überlegene Feuer der feindlichen Artillerie nötigte die Preußen gegen 3½ Uhr nachmittags zum Aufgeben des Jüdenhügels und zum Rückzuge, welcher auf die tapferste Weise vom 2. schles. Grenadierregiment Nr. 11 gedeckt und bis Warza fortgesetzt wurde. Um 4½ Uhr stand die hannov. Vorhut auf demselben Höhenzuge, auf dem am frühen Morgen ihre Vorposten aufgestellt waren, dahinter sammelte sich ihre Hauptmacht in und bei L. Dieser Waffenerfolg wurde jedoch nicht ausgenutzt, und in der Nacht auf den 28. Juni trafen preuß. Verstärkungen ein. Am Morgen des 28. Juni waren die hannov. Truppen von den Generalen Flies, Manteuffel und Korth mit zusammen mehr als 40000 Mann völlig umstellt. So blieb der hannov. Armee nur eine ehrenvolle Kapitulation übrig, die 28. Juni zwischen den Generalen von Arentschildt und Vogel von Falckenstein abgeschlossen, und zu welcher 29. Juni zu L. in fünf Punkten Zusätze und Erläuterungen zwischen den Generalen von Arentschildt und Freiherrn von Manteuffel vereinbart wurden. Nach denselben wurden der König und der Kronprinz von Hannover veranlaßt, ihren Aufenthalt außerhalb des Königreichs Hannover zu nehmen, und die Auflösung der hannov. Armee ausgesprochen. (S. Deutscher Krieg von 1866 und Hannover.) Der Kreis Langensalza umfaßt ein Areal von 418,25 àkm mit (1880) 36 728 CE. Vgl. Marschall, «Histor.⸗statist.⸗topogr. Beschreibung des Kreises L.» (Langensalza 1863); Göschel, «Chronik der Stadt L. » (Bd. 1 u. 2, Lpz. 1818—20; Bd. 3 u. 4, Langensalza 1842 —44); Otte und Sommer, „Beschreibende Darstellung der Bau⸗ und Kunstdenkmäler im Kreise L.v (Halle 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 803Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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