Lawrence (John Laird Mair, Lord), Bruder des vorigen, Vizekönig von Indien, geb. 4. März 1811 zu Richmond in Norkshire, wurde in Londonderry erzogen, erhielt dann seine Ausbildung zum Beamten der Ostindischen Kompagnie im Haileybury-College und kam 1829 als Sekretär nach Indien. Seit 1831 Assistent des Oberkommissars in Delhi, fungierte er nachher als Steuereinnehmer in mehrern Bezirken, zuletzt 1846 in Bengalen und wurde 1849, nach der Annexion des Pendschab, neben seinem Bruder Henry Mitglied der Kommission, die mit der Verwaltung und Reorganisation dieser Provinz betraut war; später wurde er zum Oberkommissar im Pendschab ernannt. Während des Aufruhrs von 1857 hielt er die Ruhe im Pendschab so vollständig aufrecht, daß er es wagen konnte, einen Teil der engl. Besatzungstruppen und ein starkes Korps der vor kurzem noch feindlichen Sikhs nach Delhi zu entsenden. L. ward als der Retter Indiens gepriesen. Das Parlament sprach ihm feierlich seinen Dank aus, die Königin erhob ihn im Aug. 1858 zum Baronet, später zum Mitglied des Indischen Rats und nach dem Tode Lord Elgins im Dez. 1863 zum Vizekönig von Indien. Seine erste Verwaltungsmaßregel bezweckte eine Reform der Begräbnisgebräuche der Hindus, begegnete aber bei den Eingeborenen einem lebhaften Widerstande und konnte nur teilweise durchgeführt werden. Ein Grenzkrieg gegen Bhutan wurde 1865 mit Erfolg beendigt. Das bedeutungsvollste Ereignis seiner Regierung jedoch war die furchtbare Hungersnot von Orissa (1866), die trotz aller dagegen ergriffenen Maßregeln innerhalb eines Jahres fast eine Million Menschen dahinraffte. Im J. 1868 von seinem Posten abberufen, wurde L. bei seiner Rückkehr nach England als Lord L. zur Peerswürde erhoben. Don 1870 bis 1872 entwickelte er eine einflußreiche Thätigkeit als Präsident des londoner Schulrats. Im Oberhause trat er später als einer der einfluß: reichsten Gegner der von Lord Beaconsfield in Afghanistan befolgten Politik auf. Er starb 27. Juni 1879; ihm folgte sein Sohn John Hamilton, geb. 1. Okt. 1846, als zweiter Lord L. Vgl. Smith, Life of Lord L.„ (2 Bde., 1883).